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Metro-Attentat: Islamistische Spur scheint sich zu bestätigen

Der Anschlag in der Petersburger U-Bahn soll von einem Kirgisen verübt worden sein. Angeblich hatte die Polizei Hinweise auf eine Terrorgruppe.

Nach aktuellen Erkenntnissen hat sich ein Islamist in die Luft gesprengt: Trauer nach der Explosion in der U-Bahn von St. Petersburg.

In St. Petersburg ist eine dreitägige Trauer verhängt worden. Am Dienstag wurden offizielle Zahlen bekanntgegeben. Der Anschlag in der U-Bahn hatte am Montag elf Tote und rund 50 zum Teil schwer Verletzte gefordert. Namenslisten wurden veröffentlicht.

Eine Bombe explodierte in einem fahrenden Zug um 14.40 Uhr Ortszeit zwischen den Stationen Sennaja Platz und Technologisches Institut, das heisst im Stadtzentrum. Statt im Tunnel anzuhalten, fuhr der Zugführer zum nächsten Bahnhof weiter, was mehreren Verletzten das Leben rettete.

Zweite Bombe explodierte nicht

Der Waggon wurde stark beschädigt, eine Tür flog hinaus. Die Bombe bestand aus einem mit Sprengstoff gefüllten Autofeuerlöscher. Als Zünder diente ein Mobiltelefon. Die Explosionsstärke von 300 bis 500 Gramm des herkömmlichen Sprengstoffs TNT war nicht sehr gross, weshalb der Wagen nicht entgleiste.

Die Sprengladung war aber durch Stahlkugeln verstärkt, was die Opferzahl erhöhte. Eine zweite Bombe wurde unter einer Bank am Bahnsteig der U-Bahnstation Platz des Aufstandes gefunden. Sie konnte nicht gezündet werden, weil das Mobilfunknetz sofort blockiert wurde. Die U-Bahn wurde komplett geräumt. Alle Ein- und Ausgänge wurden gesperrt.

Bombe gefunden: Polizisten und ein Spürhund auf dem Gelände des Wohnhauses in St. Petersburg. (6. April 2017)
Bombe gefunden: Polizisten und ein Spürhund auf dem Gelände des Wohnhauses in St. Petersburg. (6. April 2017)
Yevgeny Stepanov/AP, Keystone
Gedenken an die Opfer vor der Polytechnischen Universität: Wortlos hat der russische Präsident Wladimir Putin Blumen niedergelegt. (3. April 2017)
Gedenken an die Opfer vor der Polytechnischen Universität: Wortlos hat der russische Präsident Wladimir Putin Blumen niedergelegt. (3. April 2017)
str, AFP
Der russische Präsident sagte, es werde wegen eines möglichen Terroranschlags ermittelt. «Wir ziehen alle Hintergründe in Betracht, auch Terrorismus.»
Der russische Präsident sagte, es werde wegen eines möglichen Terroranschlags ermittelt. «Wir ziehen alle Hintergründe in Betracht, auch Terrorismus.»
Ruslan Shamukov, AFP
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Vermeintlicher Täter stellte sich freiwillig

Bisher hat niemand die Verantwortung für den Anschlag übernommen, was in Russland gang und gäbe ist. Das Szenario erinnerte einerseits an die Explosionen vor sieben Jahren in der Moskauer Metro. Andererseits wurden ähnliche Feuerlöscherbomben mit Stahlkugelverstärkung bei Anschlägen in der Nordkaukasusrepublik Dagestan verwendet.

Die islamische Spur bot sich aus naheliegenden Gründen als erste an. Eine Überwachungskamera lieferte das Bild eines Verdächtigen. Schnell fanden sich vermeintliche Augenzeugen, die gesehen haben wollen, wie der bärtige Mann einen Rucksack mit der Bombe an der Tür abstellte und aus dem Wagen sprang. Bald meldete sich der «typische Terrorist» jedoch bei der Polizei und beteuerte, er habe damit nichts zu tun.

Mutmasslicher Einzeltäter aus Mittelasien

In der Nacht zum Dienstag verbreitete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf eigene Quellen die Meldung, die Explosion sei von einem Selbstmordattentäter ausgelöst worden. Vorher habe er auch die andere Bombe am Bahnsteig platziert. Er sei ein Einzeltäter gewesen. Es handle sich bei ihm um einen 23-jährigen gebürtigen Kirgisen, der einen russischen Pass besass und «Kontakte zu in Russland verbotenen radikalislamischen Gruppen» unterhielt.

Angeblich wusste Geheimdienst um Vorbereitungen

Der russische Geheimdienst habe um Vorbereitungen für einen Terroranschlag in St. Petersburg gewusst, berichtet die Tageszeitung «Kommersant». Er habe Hinweise auf ein subversives Netz von einem subalternen Mitglied dieser Organisation erhalten. Der Mann habe in Syrien auf Seiten des Islamischen Staates gekämpft und sei nach seiner Rückkehr nach Russland festgenommen worden.

Einzelheiten der Operation in Petersburg seien ihm jedoch nicht bekannt gewesen. Deshalb habe sie nicht verhindert werden können, heisst es. Diese Version klingt allerdings kaum überzeugend. Hätte der Geheimdienst davon gewusst, wäre die Reise des Präsidenten Wladimir Putin in seine Heimatstadt sicher verschoben worden.

«Rache für Syrien»

Es war ein gelungener Coup, sagte der Chefredakteur und Besitzer der «Nesawissimaja Gaseta» Konstantin Remtschukow in einem Radiointerview. Es sei der erste Anschlag in St. Petersburg gewesen, und zwar in Putins Anwesenheit. St. Peterburg sei Putins Stadt. Politisch richte sich dieser Schlag also gegen ihn. «Meines Erachtens ist dieser Anschlag eine Folge der Kampfhandlungen in Syrien», erklärte Remtschukow.

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