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Millionen aus Genf für Juan Carlos

Spaniens Ex-König flog häufig im Privatjet zu seiner Geliebten. Das Geld dafür kam von einer rätselhaften Stiftung in der Schweiz.

Die Krawatte muss sitzen: Juan Carlos und der damalige Kronprinz Felipe (l.) vor der Eröffnungssitzung des spanischen Parlamentes in Madrid. (Keystone/Emilio Naranjo/27. Dezember 2011)
Die Krawatte muss sitzen: Juan Carlos und der damalige Kronprinz Felipe (l.) vor der Eröffnungssitzung des spanischen Parlamentes in Madrid. (Keystone/Emilio Naranjo/27. Dezember 2011)

Als der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa nach dem verborgenen Vermögen des spanischen Königs Juan Carlos I. suchte, entdeckte er zwei geheime Stiftungen. Von der ersten, Lucum, berichtete diese Zeitung Anfang März: Auf ihrem Konto landeten 100 Millionen Dollar aus Saudiarabien. Die Enthüllung erschütterte das spanische Königshaus so sehr, dass Juan-Carlos’ Sohn Felipe, Spaniens derzeitiger König, auf das Erbe seines Vaters verzichtete.

In der Pressemitteilung erwähnte Felipe VI. auch eine zweite Stiftung namens Zagatka – das russische Wort für «Rätsel». Sie wurde 2003 in Genf gegründet und half Juan Carlos, luxuriös um die Welt zu reisen.

Laut Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, zahlte Zagatka zwischen 2016 und 2018 dem ehemaligen König (Juan Carlos hat 2014 die Krone abgelegt) 5 Millionen Euro für Flüge im Privatjet – auf die Bahamas, anden Persischen Golf, in die Dominikanische Republik. In den Mietverträgen taucht aber nur der Name seines entfernten Cousins auf: Prinz Alvaro von Orléans-Borbón. Der 73-jährige Nachkomme des russischen Zaren und der britischen Königin Victoria verfügt über ein Familienvermögenvonetwa 200Millionen Franken.

Happige Flugkosten

Mit der Gründung von Zagatka habe Prinz Alvaro «eine historische Tradition seiner Familie gefestigt, die Hilfe leistet bei Härtefällen in europäischen Königsfamilien, insbesondere in der spanischen Königsfamilie», erklären seine Genfer Anwälte Philippe Cottier und Jean-Marc Carnicé. Tatsächlich wurde die Stiftung offenbar benutzt, um diskrete Reisen des Königs zu seiner Geliebten Corinna zu Sayn-Wittgenstein zu finanzieren. Die Beziehung endete 2009. Nach eigenen Angaben zahlte Corinna zu Sayn-Wittgenstein die Kosten für die Flüge zurück: Rund 3 Millionen Euro.

Vermutlich wäre alles nie an die Öffentlichkeit gelangt, hätte nicht in Genf Staatsanwalt Yves Bertossa Ermittlungen begonnen. Rätselhaft bleibt, woher das Vermögen der Zagatka-Stiftung kommt. Gegenüber Bertossa gab Prinz Alvaro Einnahmen von Golfplätzen, Immobilien und Weinbau an. Als Zagatka aber noch ein Konto bei der Credit Suisse hatte, wurden als Vermögensquelle Vermittlungsprovisionen angegeben, für den Verkauf einer spanischen Bank. Alvaros Anwälte sagen, der Prinz sei daran nicht beteiligt gewesen.

450’000 Euro in bar

Noch ein Rätsel umgibt die Stiftung: Viermal wurden von ihrem Konto grosse Geldmengen in bar abgehoben, insgesamt mindestens 450’000 Euro. Laut den Anwältenvon Prinz Alvaro wurden damit unter anderem Mitarbeiter der Segelflug-Weltmeisterschaften entschädigt. Der Prinz flog selbst und sass im Exekutivkomitee der International Aeronautical Federation mit Sitz in Lausanne.

Die Ermittlungen rund um die beiden Genfer Stiftungen haben die Beziehungen zwischen den Beteiligten nicht gerade verbessert. So erfuhr Prinz Alvaro erst durch diese Ermittlungen, dass Juan Carlos aus Saudiarabien 100 Millionen Dollar erhalten hatte und deshalb seine Privatflüge zur Geliebten auch gut selbst hätte zahlen können. Juan Carlos liess von dem saudischen Geschenk 65 Millionen Dollar weiter an Corinna überweisen.

Dennoch ist die Beziehung der ehemaligen Geliebten zur spanischen Königsfamilie getrübt. Corinna behauptet, der spanische Geheimdienst habe sie belästigt und bedroht. Auch das Verhältnis zwischen Corinna und Alvaro ist zerrüttet: Beide behaupten, das jeweils andere Lagerverbreite falsche Informationen.

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