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«Nicht das Wasser ist das Problem, die Menschen sind es»

Die Dämme und Kanäle um Bangkok sollten halten. Die Behörden glauben, die thailändische Hauptstadt werde den Fluten trotzen. Doch die Bevölkerung glaubt nicht daran.

Die Angst vor Seuchen steigt:  Zwei Müllarbeiter gehen durch eine überschwemmte Strasse und sammeln Abfall in Körben im Bangkoker Viertel Bang Plad (1. November 2011)
Die Angst vor Seuchen steigt: Zwei Müllarbeiter gehen durch eine überschwemmte Strasse und sammeln Abfall in Körben im Bangkoker Viertel Bang Plad (1. November 2011)
Keystone
Noch steht der öffentliche Verkehr nicht ganz still: Überladener Bus in Bangkok. (7. November 2011)
Noch steht der öffentliche Verkehr nicht ganz still: Überladener Bus in Bangkok. (7. November 2011)
Keystone
Die Fluten machen auch vor Unesco-Welterbe nicht halt: Der Tempel Wat Chaiwatthanaram, 80 Kilometer nördlich von Bangkok, wird von Wasser umspült. (12. Oktober 2011)
Die Fluten machen auch vor Unesco-Welterbe nicht halt: Der Tempel Wat Chaiwatthanaram, 80 Kilometer nördlich von Bangkok, wird von Wasser umspült. (12. Oktober 2011)
Reuters
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Widersprüchliche Angaben der Behörden zur Hochwasserlage haben für Angst und Verwirrung in der thailändischen Hauptstadt Bangkok gesorgt. Während die Regierung erklärte, dass die Schutzmassnahmen griffen und die Stadt von den Wassermassen verschont bleibe, reagierten viele der neun Millionen Einwohner mit Panikkäufen auf Warnungen verschiedener Behörden vor drohenden Überflutungen.

In der Bevölkerung herrschte weiter Unsicherheit. «Ich weiss überhaupt nicht, was auf Bangkok zukommt», klagte ein Anwohner des Flusses Chao Phraya heute. «Es gibt viele verschiedene Informationen und Berichte, und ich weiss einfach nicht, was ich glauben soll.»

«Bangkok ist sicher»

«Nicht das Wasser ist das Problem, die Menschen sind es», klagte hingegen Bangkoks Vize-Gouverneur Pornthep Techapaibul. Er sprach von Überreaktionen und «frustrierten Reaktionen von Einwohnern, weil ihr Haus überflutet werden könnte und andere nicht».

Die Regierung erklärte, die zum Schutz angelegten Dämme und Kanäle hielten die Fluten weitgehend ab. «Bangkok ist sicher», sagte Justizminister Pracha Promnok vor Journalisten. Die drei grössten Schutzwälle im Norden, Osten und Westen Bangkoks erwiesen sich als effektiv. Lediglich einige Aussenbezirke könnten betroffen sein.

Fehlerhafte Information

Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra bekräftigte, dass keine starken Überschwemmungen in der Stadt zu erwarten seien. Aufgrund der Schutzmassnahmen könne das Flutwasser schliesslich durch drei Flüsse ablaufen anstatt lediglich durch den durch Bangkok fliessenden Chao Phraya. Als Reaktion auf die widersprüchlichen Angaben der vergangenen Tage kündigte sie am Freitag an, dass offizielle Informationen künftig nur noch vom Leiter des Hochwasserzentrums herausgegeben werden.

Für Berichte von gestern, wonach die Wassermassen eine der schützenden Barrikaden durchbrachen, entschuldigten sich die Behörden. Dies sei eine fehlerhafte Information gewesen. Der Schaden im Norden der Stadt sei deutlich überschätzt worden. Die Anweisung an die Anwohner, umgehend ihre Häuser zu verlassen, sei aufgehoben worden.

Vorwürfe aus Japan

Unterdessen warf der japanische Handelsverband Jetro der thailändischen Regierung vor, zu spät und zu ungenau über die Hochwasserlage in der Provinz Ayutthaya informiert zu haben, wo Hunderte Fabriken von den Wassermassen zerstört wurden. Viele Angaben seien widersprüchlich oder schwer zu verstehen gewesen, erklärte Jetro-Sprecher Seiya Sukegawa. Mehr als 300 Produktionsstätten japanischer Eigentümer seien beschädigt oder zerstört worden.

Der Grossteil Thailands leidet unter den schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Seit Ende Juli haben die Wassermassen und Erdrutsche mindestens 283 Menschen das Leben gekostet. Von den Überflutungen betroffen sind mehr als acht Millionen Menschen in 61 der 77 Provinzen.

dapd/rub

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