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Papst-Vertrauter plädiert auf unschuldig

Kardinal George Pell hat in Melbourne alle Missbrauchsvorwürfe zurückgewiesen. Eine erste Anhörung dauerte nur fünf Minuten.

Wurde schuldig gesprochen, in den 90er Jahren zwei Chorknaben missbraucht zu haben: Kardinal George Pell. (Archivbild)
Wurde schuldig gesprochen, in den 90er Jahren zwei Chorknaben missbraucht zu haben: Kardinal George Pell. (Archivbild)
David Crosling, Keystone
Ist nicht mehr länger Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans: Kardinal George Pell.
Ist nicht mehr länger Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans: Kardinal George Pell.
Asanka Brendon Ratnayake, AFP
Pell räumte Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester ein. (13. November 2012)
Pell räumte Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester ein. (13. November 2012)
Paul Miller, Keystone
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Der australische Kardinal George Pell ist wegen Missbrauchsvorwürfen erstmals vor Gericht gestanden. Der Papst-Vertraute und bisherige Nummer drei im Vatikan beteuert seine Unschuld. Auf seinen Posten als Finanzchef des Vatikans kehrt er zunächst nicht zurück.

Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht hat der australische Kardinal George Pell alle Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs zurückgewiesen. Der Vertraute von Papst Franziskus liess am Mittwoch vor Gericht in Melbourne eine Erklärung verlesen, mit der er seine Unschuld beteuerte.

Der 76-Jährige sass zwar im Saal, sagte selbst aber nichts. Der Termin war nach fünf Minuten schon wieder vorbei. Das Verfahren soll im Oktober fortgesetzt werden.

Als Finanzchef des Vatikans war der Australier bislang die inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaats. Wegen der Vorwürfe, sich als junger Pfarrer und später auch als Erzbischof in seiner Heimat an Jungen vergangen zu haben, hatte er sich Ende Juni jedoch beurlauben lassen. Durch die Ansetzung des neuen Termins am 6. Oktober muss der Papst auf die Dienste des Kurien-Kardinals nun weiterhin verzichten.

Kardinal George Pell nach seiner ersten Anhörung. Video: Tamedia/Storyful

Kein Wort

Pell ist der ranghöchste katholische Geistliche, der sich bislang wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht verantworten muss. Der Termin vor dem Magistrates Court in Melbourne wurde vor einem riesigen Medienaufgebot begleitet. Der Kardinal musste sich mühsam einen Weg durch die Kameras bahnen, schwieg aber auch vor den Journalisten. Sein Anwalt Robert Richter sagte dann vor Gericht: «Kardinal Pell plädiert bezüglich aller Vorwürfe auf unschuldig.»

Die australischen Behörden haben sich bislang noch nicht näher dazu geäussert, was genau dem Kardinal vorgeworfen wird. Offiziell heisst es nur, es gehe um länger zurückliegende Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs. In der Vergangenheit hatte es in der Öffentlichkeit jedoch mehrfach Beschwerden gegeben, die in seine Zeit als Priester in der Gemeinde Ballarat (1976-1980) und Erzbischof von Melbourne (1996 - 2001) zurückreichen.

Vorwürfe zweier Männer

Im Juli vergangenen Jahres erhoben zwei Männer direkte Missbrauchsvorwürfe gegen Pell, wonach er sie in den 1970er Jahren in einem Schwimmbad unsittlich angefasst haben soll. Ein weiterer Mann berichtete, Pell habe sich in den 1980er Jahren vor Knaben in einem Umkleideraum am Strand entblösst.

Der Papst-Vertraute bestreitet alles. Ende Juni sagte er: «Ich bin unschuldig. Diese Anschuldigungen sind falsch. Die ganze Vorstellung von sexuellem Missbrauch ist abscheulich für mich.»

Vor seiner Versetzung nach Rom Anfang 2014 war Pell Erzbischof von Melbourne und Sydney. Franziskus ernannte ihn dann zum Leiter einer neuen Aufsichtsbehörde für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikans. Zudem sitzt er in einem Neuner-Gremium, das den Papst in Fragen einer Reform der römisch-katholischen Kirche berät. Die Vorwürfe sind auch deshalb heikel, weil Pell eingeräumt hatte, dass Australiens Kirche Missbrauchsfälle lange Jahre herunterspielte.

(SDA)

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