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Party auf dem Platzspitz gegen repressive Ausländerpolitik

Aktivisten besetzen den Platzspitz und wollen ein Wochenende lang gegen die Asyl- und Migrationspolitik protestieren.

Am Freitagabend haben Aktivistinnen und Aktivisten aus linksautonomen Kreisen den Zürcher Platzspitz besetzt. Gegen 17 Uhr trafen sie sich in verschiedenen Gruppen und begannen mit den Aufbauarbeiten. Bereits eine Stunde danach hatten sie den Park hinter dem Landesmuseum eingenommen. Eine Bühne, Bier- und Essensstände wurden aufgebaut, Ballone aufgeblasen. Später fuhr ein Lieferwagen mit Anhänger mobile WC-Anlagen auf das Gelände.

Organisatoren mit Leuchtwesten sorgten für Ordnung. Am Freitagabend waren bis Redaktionsschluss mehrere Hundert Personen auf dem Areal; es herrschte eine friedliche Atmosphäre, wie bei einem Quartierfest. So soll nun bis Sonntag gefeiert werden, wie die Organisationen auf Flyern ankündigten.

Es sind Konzerte von diversen Musikern geplant – zu den bekanntesten gehören sicher die Winterthurer Rapperin Big Zis und der Zürcher Dancehall-Sänger Stereo Luchs, die heute Samstag auftreten sollen.

Die Polizei wurde von der während Monaten akribisch geplanten Aktion überrascht. Als sie darauf aufmerksam wurde, war der Park bereits besetzt. Bis Samstag sei eine Notbewilligung erteilt worden, heisst es bei der Polizei auf Anfrage. Danach soll erneut verhandelt werden, ob man die Aktion bis Sonntag dulde. Es wird wohl davon abhängig sein, wie friedlich das Fest verläuft.

Klare politische Botschaft

Es ist die dritte grosse Besetzung, seitdem 2008 unter dem Motto «Brot und Äktschn» das Hardturm-Areal und 2015 das ehemals besetzte Binz-Areal («Dänkmal») eingenommen worden waren. Mit diesen Besetzungen kämpften die Aktivisten vor allem für mehr Freiräume in der Stadt Zürich.

Die Aktion auf dem Platzspitz steht unter dem Namen «Parc sans Frontières». Die politische Botschaft ist dabei so präsent wie nie zuvor. Mit Informationsständen, Flyern sowie einer aufwendig produzierten Zeitung wird auf das Hauptanliegen der Organisatoren aufmerksam gemacht. Sie haben bewusst den Platzspitz ausgewählt, weil er für sie als «Labor der Repression» gilt. Ab 1986 wurde er zum «Needle Park», einem Treffpunkt für Drogensüchtige. Das Problem bekam Zürich erst in den Griff, als man eine liberale Drogenpolitik für Konsumenten zu verfolgen begann.

Wohl bis Sonntag zugelassen

Die Entwicklung ging einher mit Repression gegenüber den Drogendealern. In der NZZ war von «ausländischen Drogenbanden» zu lesen, die das Asylrecht missbrauchen würden.

Im Zuge dieser Debatte wurde 1996 das Ausschaffungsgefängnis eröffnet. Als weitere Entwicklung dieser Politik sehen die Organisatoren die Beschränkung der Bewegungsfreiheit abgewiesener Flüchtlinge.

Die Aktion «Parc sans Frontières» soll den «Protest gegen Zwangsmassnahmen im Asylbereich sichtbar machen und stärken», wie es in einem Schreiben heisst. Die meisten Zürcher dürften dieses Wochenende indes vor allem zum Platzspitz gehen, um zu feiern. Bleibt es friedlich, ist davon auszugehen, dass die Polizei das Ganze bis Sonntagabend zulassen wird.

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