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Plünderer in New York festgenommen

Während die Metropole an der Ostküste versucht, zur Normalität zurückzukehren, nutzen einige die Notlage aus. Der Schaden, den Wirbelsturm Sandy angerichtet hat, ist gewaltig.

Die Ordnungshüter versuchen, Präsenz zu markieren: Ein Wagen der Hafenpolizei in der Nähe des Flughafens Teterboro in New Jersey. (30. Oktober 2012)
Die Ordnungshüter versuchen, Präsenz zu markieren: Ein Wagen der Hafenpolizei in der Nähe des Flughafens Teterboro in New Jersey. (30. Oktober 2012)
Reuters
Die Kraft der Wassermassen: Zerstörte Schiffsstege am Hudson River, New York City. (30. Oktober 2012)
Die Kraft der Wassermassen: Zerstörte Schiffsstege am Hudson River, New York City. (30. Oktober 2012)
Keystone
Ein Arbeiter sichert die Fenster eines Restaurants in Westhampton Beach, New York, mit Brettern. (28. Oktober 2012)
Ein Arbeiter sichert die Fenster eines Restaurants in Westhampton Beach, New York, mit Brettern. (28. Oktober 2012)
Reuters
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Aus dem Durcheinander in New York versuchten Plünderer Profit zu schlagen. In den Stadtteilen Queens und Brooklyn, wo zuvor Polizeistationen evakuiert worden waren, nahm die Polizei gestern Abend 13 Verdächtige fest.

Fünf Personen wurden demnach in einer besonders vom Sturm Sandy betroffenen Gegend von Queens verhaftet. Ihnen werde unter anderem Einbruch vorgeworfen, berichtet das «Wall Street Journal». In Hempstead auf Long Island versuchten vier Männer in einen Laden einzudringen, bei dem die Tür vom Sturm beschädigt war. Sie hätten jedoch die Flucht ergriffen, als ein Alarm ertönte.

Insgesamt sei es während der Nacht ruhig geblieben, schreibt die «New York Times». Bürgermeister Michael Bloomberg hatte angekündigt, die Polizeipräsenz in den Gegenden zu verstärken, die wegen des Stromausfalls in Dunkelheit gehüllt waren.

Einige Bezirke noch länger ohne Strom

Nach dem verheerenden Wirbelsturm Sandy soll das Leben heute in New York wieder halbwegs normal verlaufen. «New York ist morgen wieder im Geschäft», sagte Bürgermeister Bloomberg gestern Abend im Rathaus in Manhattan.

Allerdings schränkte er ein: «Das gilt zumindest da, wo Strom ist.» Etwa 750'000 Menschen waren zu der Zeit noch von der Elektrizität abgeschnitten. Es könnte bis zu drei Tage dauern, bis die Stromversorgung wieder hergestellt sei. In den 76 Notunterkünften der Stadt würden noch 6400 Menschen ausharren. «Wir tun alles, um ihr Los zu erleichtern», sagte Bürgermeister Bloomberg. US-Präsident Barack Obama rief für New York und Long Island den Notstand aus.

Nur noch drei Flüge fallen aus

Der Betrieb am New Yorker Flughafen John F. Kennedy soll heute eingeschränkt wieder aufgenommen werden. Auch am Newark International Airport in New Jersey sollen um 7 Uhr (Ortszeit) wieder Maschinen starten, wie die beiden Flughafenbehörden in der Nacht auf heute mitteilten. Beide Flughäfen waren wegen des Wirbelsturms vorübergehend geschlossen worden. Welche Fluglinien den Betrieb wieder aufnehmen wollten, war zunächst nicht bekannt. Der zweite New Yorker Flughafen La Guardia soll den Angaben zufolge weiterhin geschlossen bleiben. In den USA waren als Reaktion auf Sandy mehr als 18'000 Flüge gestrichen worden.

Der Flugverkehr zwischen der Schweiz und der US-Ostküste ist heute Mittwoch fast zur Normalität zurückgekehrt. Nur noch drei Flüge in Richtung US-Ostküste wurden annulliert. Der Flughafen Zürich strich zwei Flüge nach New York, wie es auf Anfrage hiess, je einen von Swiss und American Airlines. Der Flughafen Genf strich einen Hin- und Rückflug von Swiss nach New York.

Die US-Börsen New York Stock Exchange (NYSE) und Nasdaq wollten ihren Betrieb heute wieder aufnehmen. Die Metro blieb zwar geschlossen, doch sollten wieder die ersten Busse fahren.

Sturm von «historischer Intensität

Die Zahl der Toten durch den Wirbelsturm Sandy in den USA und Kanada ist auf mindestens 50 gestiegen. Allein in der Metropole New York kamen 18 Menschen ums Leben, wie Bürgermeister Michael Bloomberg gestern sagte. Zwei der Opfer ertranken in ihrem Zuhause, ein Mensch wurde in seinem Bett erschlagen, als ein Baum auf seine Wohnung fiel. Eine 23-Jährige erlag einem Stromschlag, als sie in eine Pfütze nahe einem herabgestürzten Starkstromkabel trat.

Der Sturm sei von «historischer Intensität» gewesen, sagte Bloomberg. «Dieses war ein verheerender Sturm, vielleicht der schlimmste den wir je erlebt haben», erklärte der Bürgermeister. «Die Natur ist verdammt viel mächtiger als wir es sind.» Die Bilder der Verwüstung, die Sandy angerichtet hat, erinnerten ihn an das Ende des Zweiten Weltkriegs, fügte er hinzu. Die Behörden in New York rechneten damit, dass die Zahl der Opfer weiter steigen wird.

Weitere Überschwemmungen im Landesinnern

Bis zu vier Meter hohe Wellen schlugen am Dienstag auf die Küste, tiefer liegende Strassen und U-Bahn-Tunnel wurden unter Wasser gesetzt. Ein Grossbrand zerstörte in dem überschwemmten Bezirk Breezy Point des Stadtteils Queens bis zu hundert Häuser.

Sandy zog in abgeschwächter Form weiter ins Landesinnere und brachte starken Regen und Schneefall unter anderem über West Virginia, Pennsylvania, Tennessee und Ohio. Nach Ansicht von Meteorologen dürfte der Sturm weitere Überschwemmungen verursachen.

Schäden von bis zu 50 Milliarden Dollar

In mehr als acht Millionen Haushalten in insgesamt 18 Bundesstaaten fiel der Strom aus. Vielerorts war das Telefonnetz gestört. Die Überschwemmungen führten im Norden von New Jersey zu einem Dammbruch am Fluss Hackensack, wie die Polizei mitteilte. Rettungskräfte brachten Anwohner in Sicherheit. Insgesamt drei Atomreaktoren mussten im Nordosten des Landes wegen des Sturms abgeschaltet werden; für einen weiteren älteren Reaktor war Alarm ausgelöst worden, er war aber schon vor dem Sturm abgeschaltet worden. Nach Angaben der US-Atomaufsichtsbehörde NRC schien die Lage aber überall «unter Kontrolle» zu sein.

Das auf Risikoanalysen spezialisierte Unternehmen Eqecat schätzte die Summe der Schäden auf 30 bis 50 Milliarden Dollar. Auch der Informationsdienst IHS Global Insight rechnete im Nordosten der USA mit einem wirtschaftlichen Gesamtschaden von bis zu 50 Milliarden Dollar. Die direkten Schäden könnten sich auf rund 20 Milliarden Dollar belaufen, Gewinneinbussen auf bis zu 30 Milliarden Dollar.

ZKB: 40 Milliarden Dollar zulasten von Versicherern

Laut dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re ist die Schätzung der Schäden zurzeit jedoch noch schwierig. Die Evaluation werde mehrere Tage bis Wochen beanspruchen. Analysten der Zürcher Kantonalbank hatten am Montag prognostiziert, dass die durch Sandy verursachten Kosten jene des Hurrikans Katrina aus dem Jahr 2005 übersteigen könnten.

Die Swiss Re hatte die durch Katrina entstandenen Kosten für die Versicherungsbranche mit 40 Milliarden Dollar beziffert (37,4 Milliarden Franken nach heutigem Kurs). Davon entfielen 1,2 Milliarden Dollar auf die Swiss Re.

Obama: Sturm noch nicht vorüber

US-Präsident Barack Obama warnte vor weiteren Schäden durch Sandy. Der Sturm sei «noch nicht vorüber». Die von dem Unwetter angerichteten Verwüstungen seien «herzzerreissend für das ganze Land». Obama rief für die Staaten New Jersey und New York den Notstand aus.

Heute Nachmittag wollte der US-Präsident nach New Jersey fliegen, um an der Seite des republikanischen Gouverneurs Chris Christie das Ausmass der Schäden zu besichtigen und Opfern Mut zuzusprechen. In New Jersey, wo der Sturm am Montagabend auf Land getroffen war, versuchten Einsatzkräfte Hunderte Menschen zu retten, nachdem dort eine Sturmflut zwei Städte unter Wasser gesetzt hatte. «Das Ausmass der Zerstörung an der Küste von New Jersey gehört zum schlimmsten, was wir jemals gesehen haben», sagte Christie.

Nachdem die beiden Präsidentschaftskandidaten ihre Wahlkampftour wegen des Sturms unterbrochen hatten, waren auch für Mitt Romney heute im Schlüsselstaat Florida wieder drei Veranstaltungen geplant.

Suche nach Bounty-Kapitän fortgesetzt

Die US-Küstenwache setzt die Suche nach dem vermissten Kapitän des durch den Hurrikan Sandy in Seenot geratenen Grossseglers HMS Bounty fort. Ein Sprecher sagte, ein Flugzeug und zwei Schiffe seien im Einsatz. Die Rettungskräfte hoffen den Angaben zufolge, dass der 63-jährige Robin Walbridge in dem mit rund 25 Grad Celsius verhältnismässig warmem Wasser überlebt hat. Die Bounty selbst ist mittlerweile vollständig gesunken.

Der Grosssegler war eine Nachbildung eines historischen Segelschiffs aus dem 18. Jahrhundert, das durch eine Meuterei 1789 bekannt wurde. Die tragische Geschichte wurde literarisch und filmisch unter dem Titel «Meuterei auf der Bounty» bekannt. Die HMS Bounty war vergangene Woche von Connecticut in Richtung Florida aufgebrochen. Rund 200 Kilometer vor der Küste von North Carolina war das Schiff laut Reederei in Seenot geraten.

Halloween abgesagt, Broadway-Theater offen

Erstmals seit 39 Jahren wird es am 31. Oktober keine Halloween-Parade in New York geben. Der traditionelle Marsch sei nach dem Durchzug des Wirbelsturms Sandy von der Katastrophenschutzbehörde der Stadt und der Polizei abgesagt worden, teilten die Organisatoren auf ihrer Website mit. Jedes Jahr zieht das Spektakel Zehntausende verkleidete Menschen an. Eine Polizeisprecherin der Metropole bestätigte, dass die Parade abgesagt worden sei. Der Marsch wäre über weite Strecken durch Gebiete ohne Strom gegangen.

The show must go on: Nachdem Wirbelsturm Sandy weiter gezogen ist, sollen die meisten Stücke am berühmten New Yorker Broadway schon heute wieder zur Aufführung kommen. Einige der beliebtesten Shows, darunter «Jersey Boys» und «The Book of Mormon», würden in Matinees oder abends gespielt werden, teilte der Verband der Broadway-Theater mit. Die Theater hatten am Sonntag angesichts des herannahenden Wirbelsturms geschlossen. Nachdem das Schlimmste vorbei war, warb die Chefin der Broadway League, Charlotte St. Martin, für einen Theaterbesuch. «Das ist eine tolle Zeit, um sich eine Show anzuschauen», erklärte sie.

AFP/ dapd/ sda/chk

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