Zum Hauptinhalt springen

Polizei fasst den Schützen nach Massaker in Kirche

In einer Kirche in Charleston haben sich Schwarze zum Gebet versammelt. Dann marschiert ein Mann in das Gotteshaus und schiesst. Der 21-Jährige ist jetzt in Haft.

Nach der Todesstrafe noch neunmal lebenslänglich: Dylann Roof verlässt den Gerichtssaal von Charleston. (10. April 2017)
Nach der Todesstrafe noch neunmal lebenslänglich: Dylann Roof verlässt den Gerichtssaal von Charleston. (10. April 2017)
Grace Beahm, Keystone
Tötete neun Afroamerikaner in einer Kirche: Dylann Roof. (10. April 2017)
Tötete neun Afroamerikaner in einer Kirche: Dylann Roof. (10. April 2017)
Grace Beahm, Keystone
Die Kirchenmitglieder in Charleston trösten sich gegenseitig. (17. Juni 2015)
Die Kirchenmitglieder in Charleston trösten sich gegenseitig. (17. Juni 2015)
Keystone
1 / 12

Nach der Ermordung von neun betenden Menschen in einer afroamerikanischen Gemeinde in den USA ist am Donnerstag der mutmassliche Täter gefasst worden. Nach Angaben der Polizei in Charleston in South Carolina handelt es sich um einen 21-jährigen Weissen aus der Region. Die offenbar rassistische Bluttat in der Kirche löste Entsetzen aus.

Der weisse Täter nahm den Ermittlern zufolge gemeinsam mit seinen späteren Opfern am späten Mittwochabend an einer Messe in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston teil, einer schwarzen Gemeinde mit fast zweihundertjähriger Geschichte. Er sass offenbar fast eine Stunde mit der Gemeinde zusammen, bevor er das Feuer eröffnete. Das Justizministerium wertete die Tat als Hassverbrechen und leitete eine Untersuchung ein.

«Sehr gefährliche Person»

Zu dem Festgenommenen nannte Justizministerin Loretta Lynch zunächst keine Details. Die Polizei teilte mit, es handele sich um den 21 Jahre alten Dylann R. aus Lexington in South Carolina. Er sei bei einer Verkehrskontrolle gestoppt worden. Polizeichef Greg Mullen nannte ihn eine «sehr gefährliche Person».

Nach öffentlich zugänglichen Gerichtsakten fiel der Mann schon einmal wegen eines Drogenvergehens und widerrechtlichen Betreten eines Grundstücks bei der Polizei auf, sonst sind aber keine Verurteilungen bekannt. Ein Jugendfreund soll den Verdächtigen auf veröffentlichten Bildern einer Überwachungskamera erkannt und sich bei der Bundespolizei FBI gemeldet haben, wie die Mutter des Freundes, Kimberly Kozny, sagte. Sie bezeichnete den Verdächtigen R. als «einen sehr netten Jungen», der sehr still sei und nur wenige Freunde habe.

Opfer waren sechs Frauen und drei Männer

Die Opfer waren nach Mullens Worten sechs Frauen und drei Männer. Darunter war der Politiker Clementa Pinckney, ein langjähriger Abgeordneter und Senator der Demokraten im Staat South Carolina, der auch gleichzeitig Pastor in der Kirche war.

Sein Abgeordnetenkollege Todd Rutherford zeigte sich schockiert. Der 41-jährige Pinckney, Vater von zwei Kindern, habe nie schlecht über irgendwen geredet, sondern immer Gutes für seine Gemeinde und seine Wähler bewirkt.

«Unbegreiflichen und unbeschreiblichen Akt»

Charleston hat rund 120000 Einwohner und liegt im US-Staat South Carolina. Bürgermeister Joseph P. Riley sprach von einer Tragödie. Es handele sich um einen «unbegreiflichen und unbeschreiblichen Akt eines hasserfüllten Menschen mit einem verwirrten Geist». Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, äusserte sich fassungslos über solch eine Tat in einer Kirche.

Auch die Bürgerrechtsorganisation NAACP verurteilte die Bluttat. Es gebe nichts Feigeres, als Unschuldige beim Studium der heiligen Schrift abzuschlachten, erklärte Verbandspräsident William Brooks.

Vor zwei Monaten war im benachbarten North Charleston ein unbewaffneter Schwarzer von einem weissen Polizisten erschossen worden. Das hatte grosse Proteste ausgelöst und die Spannungen zwischen Weissen und Afroamerikanern in der Gegend verschärft. Dem Polizisten wurde Mord vorgeworfen. Die Abgeordneten von South Carolina verabschiedeten einen Gesetzentwurf, nach dem alle Polizeireviere Körperkameras bekommen sollen. Pinckney war Unterstützer des Entwurfs.

AFP/AP/sda/chk/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch