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Rückschlag im Kampf gegen die Ölpest

In der riesigen Stahlbetonglocke, die vor wenigen Stunden über die offene Ölquelle gestülpt wurde, bildeten sich Eiskristalle. Diese durchkreuzen die ursprünglichen Pläne. Das Zittern beginnt von vorn.

Öl so weit das Auge reicht: Selbst die Fischerboote sind im Einsatz gegen den sich ausbreitenden Ölteppich.
Öl so weit das Auge reicht: Selbst die Fischerboote sind im Einsatz gegen den sich ausbreitenden Ölteppich.
Reuters
An der Unfallstelle: Die Plattform «Development Driller III» soll mit einem zusätzlichen Bohrloch den Öldruck entlasten.
An der Unfallstelle: Die Plattform «Development Driller III» soll mit einem zusätzlichen Bohrloch den Öldruck entlasten.
Keystone
Der Hoffnungsträger wird im Meer versenkt.
Der Hoffnungsträger wird im Meer versenkt.
Reuters
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Die 100 Tonnen schwere Glocke verstopfte durch die Eisklumpen und erhielt zu starken Auftrieb, wie ein Sprecher des Ölkonzerns BP erklärte. Einsatzkräfte mussten die Glocke deshalb wieder von dem Leck abziehen. Es werde nun versucht, die Verstopfung zu beheben, ausserdem würden andere Lösungen geprüft. BP-Sprecher Doug Suttles betonte, dies bedeute noch nicht, dass die Glocke versagt habe. Allerdings sei der Versuch vom Freitagabend fehlgeschlagen. Nun werde das Problem zunächst untersucht.

«Die Kuppel befindet sich etwa 200 Meter vom Öl-Leck entfernt auf dem Meeresboden.» Experten würden derzeit prüfen, wie die Kristallbildung verhindert werden könne. Dies werde vermutlich zwei Tage dauern, sagte Suttles. Eine der Möglichkeiten sei es, die Kristallbildung etwa mit Wärme zu verhindern. Eine andere Möglichkeit sei der Einsatz von Ethanol. Die Frage, die sich derzeit stelle, laute: «Gibt es einen Weg, diese Problem zu lösen?»

Ursprünglich war geplant, mit Hilfe der Glocke ab (dem morgigen) Sonntag bis zu 85 Prozent des austretenden Öls aufzufangen. Die Wassertemperatur in 1500 Metern Tiefe beträgt nur wenig über null Grad. Aus den Lecks am Meeresgrund sprudeln täglich rund 800'000 Liter Öl, seit am 22. April die von BP genutzte Bohrplattform «Deep Water Horizon» nach einer Explosion versank. Bei der Explosion kamen elf Arbeiter ums Leben.

In einer beispiellosen Präzisionsarbeit in 1500 Metern Wassertiefe war es Experten zuerst gelungen, die riesige Stahlkuppel über dem Leck zu platzieren. Diese 100 Tonnen schwere Kuppel soll das ausströmende Öl auffangen, damit es anschliessend auf ein Schiff gepumpt werden kann. Allerdings warnten die Verantwortlichen bereits vor Hoffnungen auf eine schnelle Lösung: «Es wird ganz ohne Zweifel einige Komplikationen geben», räumte BP-Manager Doug Suttles ein. Frühestens am Montag könne damit begonnen werden, das Öl abzusaugen, hiess es am Samstag.

Unterdessen weiteten die US-Behörden das Verbot für Fischfang an der Küste vor Louisiana weiter aus. Bereits am Donnerstag hatte ein erster Ölfilm eine unbewohnte Insel vor der Küste erreicht. Etwa 8500 Helfer auf mehr als 260 Schiffen waren im Einsatz, um zu verhindern, das das Öl das ökologisch empfindliche Marschland am Mississippi-Delta zerstört.

Roboter-Arbeit

Die Kuppel ist etwa so hoch wie ein vierstöckiges Haus und muss mit Robotern in Mini-U-Booten ferngesteuert werden. Alleine die Aktion, die Kuppel auf dem Meeresgrund herunterzulassen, dauerte über 18 Stunden.

Das Problem ist: Derartige Stahlkonstruktionen wurden zwar in der Vergangenheit schon einige Male eingesetzt, aber noch niemals in einer Tiefe von 1500 Metern.

Gelingt die Aktion?

Zunächst müsse die Kuppel im Laufe des Wochenendes präzise über dem Leck in Position gebracht werden, hiess es. Dann soll sie zunächst etwas in den Schlamm am Meeresgrund einsinken, bevor sie endgültig verankert werden kann, meinten BP-Experten. Erst Anfang der kommenden Woche könne man das ausströmende Öl absaugen.

Wenn alles gutgehe, könnten auf diese Weise etwa 85 Prozent des Ölflusses gestoppt werden. Weiter hiess es, bereits am Donnerstag seien erneut rund 680 Tonnen Öl verbrannt worden, die auf dem Meeresspiegel trieben.

Ein Problem ist die grosse Kälte in der Meerestiefe. Um zu verhindern, dass das Öl in den Aufstiegsrohren zu klumpen beginnt, soll warmes Wasser an den Rohren in die Tiefe geführt werden.

Im Golf von Mexiko wurde damit begonnen, gewisse Ölflecken auf dem Wasser anzuzünden. Dies, in der Hoffnung, so die Ölpest ein wenige lindern zu können.

Dramatischer Bohrturm-Untergang

Unterdessen berichteten Überlebende über die dramatischen Minuten, als die Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April von mehreren schweren Explosionen erschüttert wurde. «Wir waren uns alle sicher, dass wir sterben würden», berichtete Öl-Arbeiter Dennis Dewayne Martinez der «New York Times».

Die Explosionen seien durch ausströmende Gase verursacht worden. US-Regierungsbehörden hätten BP zuvor ausdrücklich auf die Gefahren hingewiesen, schreibt die Zeitung.

Unmittelbar vor der Explosion sei auf der Bohrinsel über Lautsprecher vor den entflammbaren Gasen gewarnt worden. Den meisten der über 100 Arbeiter gelang es, sich in Rettungsbooten in Sicherheit zu bringen. Elf Arbeiter kamen ums Leben. Zwei Tage später versank die Bohrinsel im Meer.

sda/ddp/afp/cpm

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