Schneechaos: Touristen von Aussenwelt abgeschnitten

Der Winter hat Bayern und Teile von Österreich fest im Griff. In der Steiermark sitzen 2000 Menschen fest, ein Skiort wird komplett evakuiert.

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In Bayern freuen sich die Kinder über schulfrei, in Österreich wächst derweil die Sorge vor Lawinen. In der Steiermark sind laut orf.at rund 2000 Menschen durch eine dichte Schneedecke von der Aussenwelt abgeschnitten, darunter sind auch viele Feriengäste. Das schlechte Wetter beeinträchtigt Helikopter-Versorgungsflüge zu den Eingeschlossenen.

In Österreich seien bis Donnerstag in tieferen Lagen 30 bis 80 Zentimeter Schnee möglich, sagte am Montag in Wien ein Sprecher der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). «Die Gefahr, dass Bäume angesichts der Schneelast und des Sturms auf Strassen, Stromtrassen und Bahnlinien stürzen, steigt von Tag zu Tag.»

Auch in Bayern gab es im Bahnverkehr Verspätungen und einzelne Zugausfälle. Die Bayerische Oberlandbahn konnte am Montag südlich von Holzkirchen wegen Schnees auf Gleisen und Weichen nicht fahren. In den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach fällt derweil bis Freitag an allen staatlichen Schulen der Unterricht aus. Das Landratsamt Miesbach rief wegen des Schnees den Katastrophenfall aus.

«Die nächste Unwetterwarnung für den Alpenrand steht bevor», sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Die Meteorologen erwarten ergiebigen Schneefall vor allem im Süden Bayerns. Darüber hinaus wird er im Schwarzwald, im Erzgebirge und im Bayerischen Wald erwartet.

Mann in Bayern von Baum erschlagen

In der Gegend von Miesbach war am Sonntag im Bereich des Blombergs ein 44-jähriger Mann beim Aufstieg mit Tourenski von einem unter der Schneelast abgebrochenen Baumwipfel erschlagen worden. Die Polizei teilte am Montag mit, der Vorfall sei «äusserst tragisch», dem Getöteten sei kein Fehlverhalten zu attestieren.

Glück hatte demnach hingegen ein Skifahrer, der abseits der Pisten ebenfalls am Sonntag am Brauneck von einer Lawine erfasst wurde. Der 31-Jährige sei in einem Meter Tiefe etwa 20 Minuten verschüttet gewesen, sei aber dennoch unverletzt geborgen worden. Der ohne Lawinenausrüstung fahrende Mann sei nur deshalb zu lokalisieren gewesen, weil eine Skispitze ein kleines Stück aus der Lawine ragte.

Höchste Lawinenwarnstufe in Tirol

Die Behörden in Tirol bereiten sich auf die höchste Lawinenwarnstufe vor. Dort liegt der Schnee stellenweise schon jetzt drei Meter hoch. Das Land habe unterschiedliche Szenarien im Blick und treffe entsprechende Vorsorge, meinte Ministerpräsident Günther Platter. So seien mehrere Helikopter in Bereitschaft.

Das gelte auch für spezielle Einsatzgruppen der Alpin-Soldaten, die auf die Verschütteten-Suche spezialisiert seien. Die Bauten zum Schutz der Orte und Strassen vor Lawinen seien auch solchen Schneemengen gewachsen, zeigten sich die Verantwortlichen zuversichtlich.

Bis zum Donnerstag werden in Tirol zwischen 50 und 120 Zentimeter Neuschnee erwartet. «Dies verschärft die Lawinensituation immens», so der Leiter des Lawinenwarndiensts des Landes Tirol, Rudi Mair.

Behörden appellierten an Skifahrer, die gesicherten Pisten nicht zu verlassen. Generell sollte man auf unnötige Autofahrten verzichten. Auch das Betreten der Wälder sei angesichts der Gefahr umstürzender Bäume nicht ratsam. Hausbesitzer wurden aufgerufen, Dächer von der Schneelast zu befreien. Die An- und Abfahrt zu grossen Skigebieten war aber trotz des Wetters mit Winterausrüstung meist gut zu bewältigen.

Schneeschuhwanderer von Lawine getötet

In Österreich wurde allerdings ein kleineres Skigebiet in den Ostalpen komplett geschlossen. Die acht Lifte am Hochkar wurden eingestellt, weil die Zufahrtsstrasse wegen Lawinengefahr gesperrt wurde. Angesichts von drei Metern Schnee trösteten sich die Liftbetreiber: «Der Schnee wird auch nach Wiederöffnung der Strasse noch da sein», sagte Ines Enöckl vom Hochkar-Marketing.

Nichts geht mehr im österreichischen Skiort Hochkar. (Bild: Hochkar.com)

Zwei seit Samstag vermisste Schneeschuhwanderer wurden am Montag tot geborgen. Die 23-jährige Jägerin und der 28 Jahre alte Jäger wurden unter einem Lawinenkegel im österreichischen Tennengau entdeckt. Das Paar wollte Reviereinrichtungen kontrollieren und die Wildfütterung auffüllen.

fal/sda/afp

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