Scientology-Boss David Miscavige schlägt zurück

Ein ehemaliges Mitglied des geheimen Machtzentrums von Scientology kritisierte die Sekte. Nun antwortet diese mit einer brisanten Klage.

Abfällige Bemerkungen verboten: David Miscavige während einer Scientology-Zeremonie in London.

Abfällige Bemerkungen verboten: David Miscavige während einer Scientology-Zeremonie in London.

(Bild: Reuters)

Hugo Stamm@HugoStamm

Der Streit zwischen der einst ranghohen Scientology-Mitarbeiterin Debbie Cook und Sektenboss David Miscavige (TA vom 5. Januar) geht in die nächste Runde und spitzt sich zu: Die Sekte klagte Cook kürzlich ein, weil sie in einer Mail an Tausende von Scientologen Miscavige hart kritisiert hatte. Die ehemalige Scientologin, die 17 Jahre lang im Hauptquartier in Clearwater (Florida) gearbeitet hatte, kritisierte die komplexe Kommandostruktur und die knallharte Strategie zum Eintreiben von Spenden. In ihrer Dienstzeit seien 1,7 Milliarden Dollar von Sektenmitgliedern eingetrieben worden. Ausserdem habe Miscavige die Gelder nicht im Sinn von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard verwendet.

Scientology scheint geahnt zu haben, dass die 50-jährige Cook, einst im Rang eines «Captains» tätig, für die Sekte zur lebenden Zeitbombe werden könnte. Als sie und ihr Ehemann Wayne Baumgarten die Arbeit bei Scientology mausarm quittierten, wurden sie mit einer Art Schweigegeld von je 50'000 Dollar gefüttert. Im Gegenzug mussten sie unterschreiben, keine Sektengeheimnisse preiszugeben, wie die Zeitung «Tampa Bay Times» schreibt. Die Vereinbarung sieht Strafen von mindestens 100'000 Dollar für jede abfällige Bemerkung über Scientology in den Medien vor.

300'000 Dollar gefordert

Die erste Anhörung findet bereits heute statt. Scientology verlangt einen Schadenersatz von mindestens 300'000 Dollar. Die Klage könnte für Scientology aber zum Bumerang werden: Sollte Debbie Cook vor Gericht Interna auspacken und ein Sittenbild von der Führungsriege zeichnen, wäre der Imageschaden für die Sekte wohl weit grösser.

Der Knebelvertrag von Scientology macht die repressiven und teilweise undemokratischen Methoden deutlich, mit denen die Sekte arbeitet. So mussten Cook und Baumgarten unterschreiben, «bis in alle Ewigkeit» keine Informationen über Scientology, seine aktiven oder ehemaligen Mitarbeiter offenzulegen oder abfällige Bemerkungen über Scientology zu machen. Weiter verbietet ihnen die Vereinbarung, Berichte zu veröffentlichen oder den Medien zu helfen, solche zu erstellen.

Kein Geld für einen Anwalt

In einer Erklärung hielt Scientology-Sprecherin Karin Pouw fest, Cook und Baumgarten hätten eine rechtlich verbindliche Vereinbarung verletzt und Scientology einen grossen Schaden zugefügt. Laut Klage haben 24 Millionen Menschen via Medienberichten von Cooks rufschädigender Mail erfahren. Es gehe um den Schutz ihrer Rechte, so Pouw weiter. Cook wird sich mit dem Argument verteidigen, sie habe ihre Mail nur intern verschickt. Darin heisst es, sie wolle nicht, dass die Öffentlichkeit Kenntnis davon erhalte.

Cook erklärte, sie habe kein Geld, um sich mithilfe eines Anwalts zu verteidigen. Tatsächlich arbeiten selbst Führungskräfte meist ohne eigentliche Entlöhnung für Scientology. Marty Rathbun, ein einst hochrangiger Scientologe, hat ein Spendenkonto für solche Fälle eingerichtet und engagiert für Cook nun einen Rechtsvertreter. Der jahrelange Kampf zwischen der Sekte und ihren Aussteigern geht somit weiter.

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt