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Seine Leiche lag noch Stunden auf der Strasse

Ein Vorort der US-Stadt St. Louis ist in Aufruhr. Grund ist die umstrittene Tötung eines schwarzen Jugendlichen durch Polizisten.

Das US-Justizministerium schaltet sich ein: Polizei von Ferguson. (30. August 2014)
Das US-Justizministerium schaltet sich ein: Polizei von Ferguson. (30. August 2014)
AFP
Nichts soll den Namen Michael Brown beschmutzen: Der Bürgerrechtler Al Sharpton (Mitte) neben dem Vater des getöteten schwarzen Jugendlichen.
Nichts soll den Namen Michael Brown beschmutzen: Der Bürgerrechtler Al Sharpton (Mitte) neben dem Vater des getöteten schwarzen Jugendlichen.
Keystone
Nach dem tödlichen Ereignis zogen Tausende durch den Vorort von St. Louis.
Nach dem tödlichen Ereignis zogen Tausende durch den Vorort von St. Louis.
Keystone
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Tödliche Polizeischüsse auf einen dunkelhäutigen Teenager haben im US-Staat Missouri zu massiven Protesten geführt. Hunderte Bewohner eines mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Vororts von St. Louis, in dem der 18-jährige Michael Brown erschossen wurde, gingen gestern auf die Strasse und skandierten Parolen wie «Keine Gerechtigkeit, keinen Frieden» und «Wir wollen Antworten.» Der bekannte New Yorker Bürgerrechtler Al Sharpton sprach von einem «äusserst beunruhigendem» Vorfall. Forderungen nach einer Untersuchung durch die Bundespolizei FBI wurden laut.

Michael Brown war unbewaffnet, als er am Samstagnachmittag im Vorort Ferguson unweit des Hauses seiner Grossmutter von einem Polizisten erschossen wurde, wie der Polizeichef des Bezirks St. Louis, Jon Belmar, auf einer Pressekonferenz bestätigte. Zuvor sei der Beamte auf der Strasse auf Brown und eine weitere Person aufmerksam geworden. Einer der beiden habe den Polizisten dann zurück in seinen Wagen gedrängt, wo es zu einer tätlichen Auseinandersetzung um dessen Dienstwaffe gekommen sei.

Patronen stammen von Polizistenwaffe

Mindestens ein Schuss habe sich bereits im Auto gelöst, sagte Belmar. Als der Polizist sich wieder aus dem Wagen befreite, habe er auf Brown geschossen und diesen mehrmals getroffen. Alle am Tatort gefundenen Patronenhülsen hätten der Waffe des Beamten zugeordnet werden können.

Es werde noch ermittelt, was tatsächlich in dem Wagen vor sich ging, sagte der Polizeichef von Ferguson, Tom Jackson. Auch sei unklar, ob Brown derjenige war, der sich ein Handgemenge mit dem Beamten lieferte. Sein Begleiter wurde nicht festgenommen, sollte jedoch noch heute verhört werden.

Vorwürfe der Mutter

Browns Mutter Lesley McSpadden erhob am Tatort schwere Vorwürfe. Sie könne nicht verstehen, wieso die Polizei ihren Sohn nicht mit einem Knüppel oder einem Taser überwältigt, sondern erschossen habe. Der dafür verantwortliche Beamte sollte gefeuert und angeklagt werden, forderte sie mit Tränen in den Augen. Der Polizist arbeitete laut Bermar seit sechs Jahren bei der Polizei von Ferguson.

Als die Pressekonferenz abgehalten wurde, versammelten sich Hunderte Menschen vor dem Polizeihauptquartier in Ferguson. Einige von ihnen marschierten mit erhobenen Händen in ein nahegelegenes Polizeigebäude und skandierten «Erschiesst mich nicht». Dort stationierte Beamten setzten keine Gewalt ein, die Menschenmenge ging schliesslich. Später kamen einige Tausend Menschen zu einer Nachtwache am Tatort zusammen.

Leiche lag noch Stunden auf der Strasse

Der Unmut einiger Demonstranten entzündete sich auch am Umstand, dass die Leiche Browns noch Stunden nach seinem Tod auf der Strasse lag. Polizeichef Belmar hielt dagegen, seine Beamten hätten mit Sorgfalt vorgehen müssen. Daher habe es so lange gedauert.

Ein Vertreter des Stadtbezirks St. Louis kündigte an, sich um eine Untersuchung durch das FBIbemühen zu wollen. Das gleiche forderte der örtliche Ableger der Bürgerrechtsorganisation NAACP, «um die Integrität der Ermittlungen zu schützen». US-Justizminister Eric Holder wies die für Bürgerrechte zuständige Abteilung seiner Behörde an, die Lage in St. Louis zu beobachten, wie seine Sprecherin Dena Iverson in Washington mitteilte.

NAACP-Vertreter John Gaskin verglich den Fall mit dem des in Florida erschossenen 17-jährigen Trayvon Martin. Der dunkelhäutige Teenager war ebenfalls unbewaffnet, als er im Februar 2012 in einem bewachten Wohnviertel in Sanford vom Nachbarschaftswärter George Zimmerman erschossen wurde. Geschworene folgten in einem Prozess Zimmermans Darstellung, in Notwehr gehandelt zu haben - und sprachen ihn im vergangenen Jahr frei. Der Fall löste heftige Proteste und eine Debatte über Hautfarbe und die Grenzen von Notwehr aus.

SDA/mrs

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