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Sie überlebte nur einmal

Wegen eines «komischen Gefühls» mied sie ein Einkaufzentrum, in dem später eine Schiesserei stattfand. Sieben Wochen später stirbt Jessica Ghawi beim Amoklauf von Colorado.

Sie war eine aufstrebende Sportjournalistin: Jessica Ghawi.
Sie war eine aufstrebende Sportjournalistin: Jessica Ghawi.
AFP

Anfang Juni hatte die junge Sportreporterin Jessica Ghawi in einem Einkaufszentrum in Toronto ein «komisches Gefühl» - und entkam nur knapp einer Schiesserei, bei der ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt wurden. Nur sieben Wochen später ist sie schon wieder zur falschen Zeit am falschen Ort. Am Freitagabend sitzt sie, diesmal ohne böse Vorahnungen, in einem Kinosaal in Aurora im US-Bundesstaat Colorado, um sich den neuen «Batman»-Film anzusehen - und wird von einem Amokläufer erschossen.

Ghawi, die sich als Reporterin Jessica Redfield nannte und in einem Sport-Blog über Eishockey schrieb, träumte von einer Karriere beim Fernsehen. Erst kürzlich war sie deshalb aus San Antonio in Texas nach Denver in Colorado umgezogen. Ihr Motto: «Ihr findet mich im TV-Studio, in der NHL-Arena, in der Umkleidekabine, im Flugzeug, oder schreibend.»

In ihrem Blog beschrieb sie auch ihre Gefühle nach der Schiesserei im Eaton's Centre in Toronto, das sie kurz zuvor verlassen hatte, weil ein ungutes Gefühl sie plötzlich ins Freie drängte. Sie könne sich auch im Nachhinein nicht erklären, «wie mich ein komisches Gefühl davor bewahren konnte, mitten in eine tödliche Schiesserei zu geraten», schrieb sie wenige Tage später. Ihr sei nun jedoch klar geworden, dass jeder Moment des Lebens ein «Segen» sei.

Dramatische Szenen im Kinosaal

Die letzten Momente von Ghawis Lebens, das am Freitag kurz nach Mitternacht endete, können in einer Reihe von Twitter-Nachrichten nachgelesen werden, die sie kurz vor ihrem Tod verschickte. «Film beginnt erst in 20 Minuten», twitterte sie unmittelbar bevor der 24-jährige Student James Holmes in den Kinosaal stürmte und um sich schoss. Wenige Stunden zuvor hatte sie sich über den Kurznachrichtendienst noch mit einem Kollegen ausgetauscht, der nicht zu der «Batman»-Premiere wollte, und ihn deshalb scherzhaft als «Verlierer» beschimpft.

Die dramatischen Szenen in dem Kinosaal schildert Ghawis Bruder Jordan später ebenfalls in einem Blog-Eintrag im Internet. Er habe um zwei Uhr nachts in einem «hysterischen und und fast unverständlichen» Telefongespräch mit seiner Mutter vom Tod seiner Schwester erfahren. Später habe er dann ihren Freund Brent Lowak erreicht, der zusammen mit Ghawi in der Filmpremiere gesessen hatte.

Ghawi wurde demnach zunächst von einer Kugel am Bein verletzt. Sie schrie. Lowak versuchte, die Blutung zu stoppen und die Freundin zu beruhigen. «Während er noch Erste Hilfe leistete, bemerkte Brent, dass Jessica nicht mehr schrie», schreibt ihr Bruder. Die junge Frau stirbt an einer zweiten Schussverletzung am Kopf, ihr Freund kann fliehen.

Ghawis Tod löste bei Freunden und Kollegen Trauer und Bestürzung aus. Die Fernsehjournalistin Natalie Tejeda würdigte sie als «fantastische, lebhafte und resolute Frau» und als «aufstrebende» Sportjournalistin. Ihr Kollege Jesse Spector schreibt, die Welt sei «ohne sie viel schlechter dran».

AFP

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