Sihlufer evakuiert – hier kommt das Hochwasser

Nach einer kurzfristigen Absenkung des Sihlsees schwoll der Flusspegel bis zu einem Meter an. In Zürich rückten Polizei und Feuerwehr aus.

Anstieg des Sihlpegels im Zeitraffer und Reaktionen von Schaulustigen. Video: Tamedia.

Eine Absenkung des Sihlsees hat am Donnerstagnachmittag zu einem höheren Pegel in der Sihl geführt. Entlang der Sihl kontrollierten Feuerwehr und Polizei, ob sich Personen am Ufer aufhielten. Die Einsatzkräfte wiesen sie auf mögliche Gefahren hin.

In der Stadt Zürich wurde die Welle zunächst um ca. 15.45 Uhr erwartet. Sie erreichte die Stadt dann rund eine Viertelstunde später – das Wasser stieg an und verfärbte sich braun. Um ca. 17 Uhr gab die Rettungsorganisation Schutz & Rettung Zürich Entwarnung. Der Wasserstand reduziere sich allmählich wieder auf den Ausgangszustand und mit einem weiteren Anstieg des Pegels sein nicht zu rechnen, hiess es.

Anstieg des Pegels im Zeitraffer. Video: Tamedia.

Zuvor warnte Schutz und Rettung Zürich in einem Tweet vor dem Hochwasser. Es sei mit hohen Wellen zu rechnen, hiess es in der Nachricht, die auch von der Stadtpolizei verbreitet wurde. Die Warnung verhiess nichts Gutes und sorgte zeitweilig für Aufregung.

Viel Lärm um wenig

Die Ankündigung des vermeintlichen Naturspektakels und die Präsenz von Polizei und Feuerwehr entlang der Sihl lockte etliche Zuschauer an; auf den Brücken über der Sihl sammelten sich Scharen von Schaulustigen. Auch aus umliegenden Bürogebäuden richtete sich die Aufmerksamkeit der Menschen auf den Nebenfluss, der unter den 16 oberirdischen Geleisen des Hauptbahnhofs am Platzspitz beim Landesmuseum in die Limmat mündet.

Von einer grossen Welle wurden sie allerdings allesamt nicht überrascht. Die abgelassene Wassermenge sei mit einem kleinen Hochwasser zu vergleichen. «Es ist nicht einmal die erste Warnstufe erreicht worden», wird Wolfgang Bollack, Sprecher des Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich, in der NZZ zitiert.

Gemäss der Polizei ist vor allem das Schwemmholz gefährlich: Holz in der Sihl in Zürich. Video: Tamedia

Der Anstieg hat einen Graureiher überrascht.

Der Vogel muss seinen Rastplatz, ein trockener Stein, verlassen. Video: Tamedia

Der Anstieg statistisch erfasst. Daten von der Messstation Sihlhölzli. (Quelle: AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft)

Sihl schlug nur auf Social Media hohe Wellen

Die erwartete Flutwelle blieb letztlich – und zum Glück – aus und erwies sich als ein Pegelanstieg. In den sozialen Medien gingen die Wellen indes hoch. Auf Twitter verbreitete sich ein Bild von einer apokalyptischen Welle auf der Sihl, auf einem anderen ist das Loch-Ness-Monster Nessie zu sehen.

«Sihl-Welle 2018: I has überläbt...», spottete ein User auf einem Meme.

Hochwasser war menschgemacht

Die SBB als Betreiberin des Etzel-Wasserkraftwerks testete zusammen mit dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich eine verbesserte Steuerung des Sihlsees. Daher wurden kurzfristig rund 70 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Staumauer abgelassen und in die Sihl geleitet, wie das Awel mitteilte.

Dies führt zu einem Sihl-Hochwasser im Kanton Zürich, wie es natürlicherweise mehrmals pro Jahr vorkommt, heisst es auf der Hochwasser-Website des Kantons Zürich weiter. Wie Bollack der Nachrichtenagentur SDA sagte, hat beim Test alles bestens geklappt.

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Im Vorfeld des Tests habe man mit den zuständigen Einsatzkräften abgesprochen, dass sie die Ufer der Sihl kontrollieren und Personen in Ufernähe auf die mögliche Gefahr hinweisen sollen. Der Test sei erfolgreich verlaufen.

Beinahe-Katastrophe in der Sense

Wie gefährlich das plötzliche Steigen des Wasserspiegels werden kann, hat Leichtathletik-Star Anita Weyermann kürzlich erfahren: Ihr Mann und ihre vier kleinen Kinder wurden am Montagabend von den plötzlich steigenden Wassermassen in der Sense eingeschlossen. Der Vater musste seine ältere, sechsjährige Tochter zurücklassen und Hilfe holen.

Schwemmholzrechen an der Sihl. Video: Kanton Zürich

TA/NN

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