Staatsbegräbnis für eine Ziege

Pepe, das Maskottchen der spanischen Elitetruppe Legión, das mit seinen vergoldeten Hörnern stets bei allen Paraden dabei war, ist verstorben. Erst im August war er ausgemustert worden.

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Am Mittwoch marschiert die spanische Legion wieder, im schnellen kurzen Paradeschritt vor König Felipe auf dem Paseo de la Recoleta im Herzen von Madrid. Die Militärparade zum Nationalfeiertag hatte jahrelang einen heimlichen Star: Pepe.

Mit seinen Legionären marschierte der weisse Ziegenbock am Nationalfeiertag, mit dem grünen Schiffchen mit roter Kordel auf dem Kopf, einer Decke mit dem Wappen der Legionäre und mit zu diesem Anlass vergoldeten Hörnern. Seit 2005 marschierte Pepe, anscheinend um Gleichschritt bemüht, bei allen Paraden mit. In diesem Jahr fehlt er. Denn Pepe ist tot.

Lieblingsfutter Pommes frites

Erst Anfang August war der vierbeinige Soldat «ausgemustert» worden. Er konnte beim Parademarsch, der bei der Legion traditionell viel schneller als bei anderen Truppen ist, nicht mehr mithalten. Pepe musste die Kaserne in Ronda in der Provinz Málaga verlassen. Er blieb aber im warmen Andalusien.

Schweren Herzens gab sein Betreuer, Unteroffizier Eduardo Mendez, den Ziegenbock in das Tierheim La Pepa in Arcos de la Frontera in der Provinz Cadiz. Er teilte den Mitarbeitern dort auch die Marotten des Maskottchens mit: Pepe trank gern direkt aus dem Wasserschlauch und er liebte Pommes frites, natürlich kalt, auch gern die aus der Tüte.

Das Tier hatte Auslauf auf 5,5 Hektar, die Gesellschaft von 60 anderen Tieren. Aber es litt, wie Reporter der Zeitung «El Confidencial» durch Befragung der Tierheimbetreuer herausfanden. Pepe war traurig und deprimiert. Tauchten Fremde auf, kam Pepe gelaufen, in der Hoffnung, es sei sein Unteroffizier Mendez.

Auch schien ihm das besondere Ambiente einer Militärunterkunft zu fehlen. Am Wochenende starb Pepe mit zwölf Jahren, ein respektables Alter für Ziegen, die meist zehn bis 15 Jahre alt werden können.

In Würde eingeäschert

Pepe werde als «Legionär» auch im Tod mit Würde behandelt. Das versicherte Juan Pedro Chamorro, der Leiter des Tierkrematoriums in Cadiz. Schliesslich lautet die Hymne der legendären Elitetruppe ja auch «El novio de la muerte» (Der Bräutigam des Todes). Er werde eingehüllt in eine spanische Fahne eingeäschert, versicherte Chamorro. Die kleine Trauerfeier sei öffentlich.

Damit endet das Leben des vierbeinigen Legionärs, den Unteroffizier Mendez 2005 als junges Zicklein bei Manövern seiner Truppe in Aragon gefunden hatte.

Allein in die Bar

Pepe machte dem Ruf aller Ziegen, dass sie intelligent, aber eigenwillig seien, alle Ehre. So rückte er nach einer Parade in Zaragoza einmal aus und marschierte schnurstracks in die Bar «Casa Pepe», wohl weniger des Namens wegen, sondern weil dort viele Legionäre nach der Parade hingingen. Während der Aufmärsche zu Feierlichkeiten aber war Pepe stets diszipliniert.

Die «Ziege» (cabra) wurde der Bock fälschlicherweise in offiziellen Programmen genannt. Er war nicht das einzige Maskottchen in der Geschichte der Truppe. Die Legion hatte schon andere Ziegen – die stets Böcke waren –, auch einmal einen kleinen Affen aus Afrika, und 1954 sogar sogar einen Bären als Maskottchen. Der versagte aber bei Paraden.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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