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Swiss verliert Millionen wegen Sandy

Sandy hat den Flugverkehr über der US-Ostküste massiv beeinträchtigt. Doch der Wirbelsturm führte auch zu ungeahnt positiven Effekten für die New Yorker: Die Kriminalität ist markant zurückgegangen.

Die Reisepläne von 4650 Passagieren der Swiss gerieten durcheinander: Reisende warten am Flughafen Zürich.
Die Reisepläne von 4650 Passagieren der Swiss gerieten durcheinander: Reisende warten am Flughafen Zürich.
Keystone

Der Wirbelsturm Sandy hat die Fluggesellschaft Swiss über 4 Millionen Franken gekostet. Die Reisepläne von 4650 Passagieren der Fluggesellschaft gerieten durcheinander. Betroffen waren auch 100 Angestellte der Fluggesellschaft und Crews vor Ort. Die Zahlen gab Swiss-Chef Harry Hohmeister in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» bekannt. Die Fluggesellschaft sei für Ertrags- und Umsatzausfälle dieser Art nicht versichert: «Wetter gehört zum Berufsrisiko.»

Sandy beeinträchtigte den Flugverkehr zwischen den Flughäfen Zürich und Genf und den USA. Vor allem Flüge nach New York und Washington fanden am Dienstag nicht statt. Am Mittwoch wurden noch drei Flüge an die US-Ostküste gestrichen.

Insgesamt waren wegen Sandy 15'773 Flüge von und nach der US-Ostküste ausgefallen, wie am Mittwoch der Internetseite Flightaware.com zu entnehmen war.

Viel weniger Kriminalität nach Sandy

Doch der Sturm hatte mitunter auch positive Folgen: In den Tagen danach ist die Kriminalität in New York stark zurückgegangen. Die Polizei teilte heute mit, von Montag bis Freitag seien 1061 Delikte gezählt worden, ein Drittel weniger als in der gleichen Woche im 2011.

«Die Polizei war in den vom Sturm betroffenen Gegenden zu Tausenden in ausgeweiteten Rundgängen im Einsatz, um für Sicherheit zu sorgen und den Wiederaufbau zu unterstützen», erklärte Sprecher Paul Browne. Einzig die Zahl der Einbrüche sei leicht gestiegen. Den Angaben zufolge wurde zuletzt die Polizeipräsenz an Tankstellen erhöht. Dort warteten Autofahrer weiter stundenlang, weil der Treibstoff knapp wurde.

Am Freitag und gestern wurden mindestens 15 Personen festgenommen nach Auseinandersetzungen in den Warteschlangen. Im Stadtteil Queens wurden ebenso vielen Personen Plünderungen zur Last gelegt.

Sorge vor Kältewelle

Während in Lower Manhattan die Stromversorgung gestern wieder hergestellt wurde, hatten viele Bewohner der Vororte und anderer Viertel der Millionenmetropole nach wie vor keinen Strom und keine Heizung. Angesichts der fallenden Temperaturen rief der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg ältere Menschen ohne Heizung auf, in Notunterkünfte zu gehen, und liess 25'000 Decken in der ganzen Stadt verteilen. «Wir sind New Yorker, und wir werden das durchstehen», sagte Bloomberg gestern. «Aber ich will nicht, dass irgendjemand denkt, dass wir aus dem Gröbsten heraus sind.»

In Vierteln ausserhalb von Lower Manhattan wie Staten Island stieg die Frustration darüber, dass die Reparaturen in Manhattan schneller vorangingen als in den Aussenbezirken. Rund 900'000 Menschen hatten im ganzen Staat New York gestern immer noch keinen Strom, wie Gouverneur Cuomo erklärte. Der New Yorker U-Bahnverkehr wurde inzwischen zu rund 80 Prozent wieder in Betrieb genommen.

Der für heute geplante New York Marathon wurde hingegen abgesagt. Viele der bereits angereisten Marathonläufer waren im Central Park zu sehen, in dem die Ziellinie liegt, die nun nicht gebraucht wird.

Seltene Vögel dank Sandy

Der Sturm wirbelte auch die Vogelwelt auf dem Ozean durcheinander. Über Tausende von Kilometern wurden manche Vögel vom Sturm verweht, in Gefilde, wo sie zuvor nie gesehen worden waren.

Völlig erschöpft wurden viele Gefiederte in der US-Metropole New York an Land geblasen. Und deshalb liest sich die Liste der inmitten von New York beobachteten Vögel wie ein Who-is-Who der offenen Weltmeere. Gesichtet wurden etwa ein Wellenläufer und die nur starengrosse Sturmschwalbe.

Arten, die man sonst nie zusammen sieht

Dieser Vogel lebt gewöhnlich auf hoher See und geht nur zum Brüten an entlegenen Felsatollen an Land. Er gehört zu den grössten Raritäten, von denen Ornithologe Andrew Farnsworth von der Cornell Universität berichtet. «Der Sturm hat Arten zusammengewirbelt, die man niemals sonst zusammen sehen kann», sagt er.

Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen der Beobachter wurde ein sonst in der Karibik heimischer Rotschnabel-Tropikvogel gesichtet. Der schneeweisse Vogel wurde nach seinem wahrscheinlich viele Tausende Kilometer langen Irrflug erschöpft in New Jersey aufgegriffen und in ein Tierhospital gebracht.

Unweit davon hatte sich eine Art aus der komplett entgegengesetzten Richtung verflogen: Eine arktische Rosenmöwe begeisterte die Birdwatcher-Gemeinde bei Ithaca im Bundesstaat New York. «Derselbe Sturm, der den arktischen Vogel hergebracht hat, wehte uns auch den Vogel aus der Karibik heran», staunt Ornithologe Farnsworth.

Unzählige verenden unbemerkt

Was die Vogelbegeisterten freut, ist nur eine Seite der Medaille oder auch die Spitze des Eisbergs: Denn auf jeden gesichteten seltenen Vogel nach einem Sturm kommen ungezählte, die ums Leben kommen und unbemerkt im Meer versinken.

In der Geschichte der Ornithologie sind zahlreiche solcher Massensterben bei Unwettern dokumentiert. Das bekannteste dürfte der Tod von nicht weniger als 1,6 Millionen Spornammern sein. Die ziehenden Singvögel starben im März 1904 in einem Schneesturm in Minnesota und Iowa.

(SDA)

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