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Sydney erwacht nach dramatischer Nacht

Unzählige Menschen strömen in Sydney zum Martin Place, wo sich während 16 Stunden das Geiseldrama abspielte. Eine Anwältin und der Café-Manager starben. Durch wen, ist noch unklar. Lindt ist «erschüttert».

Hätten ihre Leben gerettet werden können? Die Bilder der getöteten Geiseln von Sydney in einem Blumenmeer. (18. Dezember 2014)
Hätten ihre Leben gerettet werden können? Die Bilder der getöteten Geiseln von Sydney in einem Blumenmeer. (18. Dezember 2014)
Reuters
Laut dem australischen Premierminister Tony Abbott ein «tief verstörtes Individuum»: Man Haron Monis, der Geiselnehmer im Lindt-Café von Sydney, hier in einer Archivaufnahe vom 18. April 2011.
Laut dem australischen Premierminister Tony Abbott ein «tief verstörtes Individuum»: Man Haron Monis, der Geiselnehmer im Lindt-Café von Sydney, hier in einer Archivaufnahe vom 18. April 2011.
AAP Image, Dean Lewins, Keystone
Die Menschen von Sydney verfolgen hinter der Polizeiabsperrung die Geiselnahme. (15. Dezember 2014)
Die Menschen von Sydney verfolgen hinter der Polizeiabsperrung die Geiselnahme. (15. Dezember 2014)
Reuters
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Am Tag nach der dramatischen Geiselnahme im Zentrum von Sydney mit drei Toten haben unzählige Menschen in Gedenken an die Opfer Blumen in der Nähe des Tatorts niedergelegt. Fernsehbilder zeigten, wie am Dienstagmorgen etliche Menschen an den Martin Place strömten, wo am Montag ein 50 Jahre alter Geiselnehmer 16 Stunden lang bis zu 17 Geiseln in seiner Gewalt gehalten hatte.

Der aus dem Iran stammende Täter wurde in der Nacht ebenso erschossen wie zwei Geiseln, nachdem die Polizei das Café im Finanz- und Einkaufszentrum der australischen Metropole gestürmt hatte. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Die Australien-Flaggen auf der weltberühmten Sydney Harbour Bridge hingen am Dienstag auf Halbmast.

Bei der Geiselnahme sind eine Anwältin und der Manager des besetzten Cafés ums Leben gekommen. Die Polizei veröffentlichte ihre Identitäten.

Die 38-Jährige «war eine unserer besten und intelligentesten Anwältinnen», teilte die Anwaltskammer von New South Wales mit. «Sie war eine hingebungsvolle Mutter von drei kleinen Kindern.» Die Frau war mit zwei Kollegen in dem Café, das in unmittelbarer Nähe von Gerichten liegt, als ein vorbestrafter Iraner hereinstürmte und die Anwesenden als Geiseln nahm. Die beiden Kollegen überlebten.

Der 34-Jährige arbeitete nach Angaben des Senders ABC seit 2012 in dem Café. Ehemalige Mitarbeiter bezeichneten ihn als selbstlosen Chef. «Andere kamen bei ihm immer zuerst», sagte Peter Manettas der Zeitung «Australian».

Lindt ist erschüttert

Nach der Geiselnahme in einem Lindt-Café im Zentrum von Sydney hat sich der Schweizer Schokoladenhersteller bestürzt über den blutigen Ausgang des Dramas gezeigt. «Wir sind am Boden zerstört», erklärte Lindt am Montagabend angesichts mehrerer Toter und Verletzter, die ein derartiges «Trauma» erlebt hätten. Lindt-Geschäftsführer Ernst Tanner zeigte sich «schockiert und zutiefst traurig». Er könne kaum fassen, dass sich eine derartige Gewalttat tatsächlich abgespielt habe, erklärte Tanner und sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus.

Nach der Geiselnahme befinden sich sämtliche Verletzten ausser Lebensgefahr. Das sagte die Vize-Polizeichefin am Dienstag vor den Medien. Über die näheren Todesumstände der drei Opfer machte sie keine Angaben.

Bei der Stürmung des Cafés waren vier Personen durch Schüsse verletzt worden. Drei Frauen im Alter von 43 bis 75 Jahre seien im Spital in stabilem Zustand, sagte Catherine Burn. Ein 39-jähriger Polizist sei aus dem Spital entlassen worden. Zwei schwangere Frauen stünden unter medizinischer Beobachtung.

Unklar, wer die Geiseln erschoss

Der 50-jährige Geiselnehmer starb am Tatort, ein 34-jähriger Mann und eine 38-jährige Frau erlagen im Spital ihren Verletzungen. Von wem die Schussverletzungen stammen, müssten Ermittlungen zeigen, sagte Burn. Grund für die Stürmung des Cafés sei gewesen, dass ein Notfallplan aktiviert wurde. Dies sei nach ihrem Verständnis passiert, nachdem die Polizei Schüsse gehört habe.

Das Motiv des Geiselnehmers ist weiter unklar. Die Ermittler müssten sich erst ein genaueres Bild seines Handelns und seines Lebens machen. «Er war aber polizeibekannt, und er war auf Kaution.» Die Ermittler gingen demnach davon aus, dass er extremistische Ansichten vertrat und labil war. Zu den Forderungen des Täters äusserte sich Burn nicht.

Der radikale Iraner hatte 17 Besucher des Cafés in der Innenstadt von Sydney rund 16 Stunden in seiner Gewalt, ehe schwer bewaffnete Sicherheitskräfte das Lokal stürmten und die Geiselnahme beendeten. Laut Polizei war der Geiselnehmer ein Einzeltäter.

Abbott: «Entsetzliches Ereignis»

Australiens Regierungschef Tony Abbott hat am frühen Dienstagmorgen die Geiselnahme als «schreckliches Ereignis» bezeichnet. Es sei «unbeschreiblich tragisch», wenn Menschen beim Betreten eines Cafés in einen derart «entsetzliches Ereignis» hineingezogen würden. Allerdings zeige der Vorfall, dass auch ein freies Land wie Australien jederzeit Ziel politisch motivierter Gewalt werden könne.

Tony Abbott hat den Geiselnehmer von Sydney als einen psychisch labilen Extremisten beschrieben. Der 50-Jährige habe eine «lange Vergangenheit» gewalttätiger krimineller Taten und sei zudem «vernarrt» in Extremismus sowie psychisch instabil gewesen, sagte Abbott am Dienstag. Als sich die Geiselnahme vom Montag dann entwickelt habe, habe er versucht, seine Taten mit der «Symbolik des Todeskults» der Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zu verhüllen.

Abbott lobte die Polizei für ihren Einsatz. Die Australier könnten angesichts der Reaktion der Einsatzkräfte beruhigt sein, sagte der Premier. Die Aufarbeitung der Tat werde einige Zeit dauern, meinte Abbott. «Wir werden daraus einige Lektionen lernen, aber noch wissen wir nicht genau, welche Lektionen.» Bei der eigens für den Vorfall eingerichteten Notrufnummer sind laut der Polizei bislang 1600 Anrufe eingegangen.

sda/AFP/AP/chk

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