Tempo-200-Fahrt führte Polizei zu Raser-Szene

Ein Vorfall vom Herbst 2016 brachte den Stein offenbar ins Rollen. Zudem spricht nun ein Kollege der Raser von Videos und Whatsapp-Chats.

Aufgeflogen: Die Polizei hat in drei Kantonen 21 Männer verhaftet. (Symbolbild) Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Aufgeflogen: Die Polizei hat in drei Kantonen 21 Männer verhaftet. (Symbolbild) Bild: Gaëtan Bally/Keystone

In den Kantonen Zürich, St.Gallen und Thurgau haben die Kantonspolizeien zusammen mit den Staatsanwaltschaften am Dienstag insgesamt 21 Männer verhaftet, Hausdurchsuchungen durchgeführt und Autos sichergestellt.

Die Männer aus Montenegro, Mazedonien, Kosovo, Serbien und der Schweiz im Alter zwischen 21 und 38 Jahren hatten in den drei Kantonen Autorennen durchgeführt. Ihnen werden mehrfache und schwere Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz vorgeworfen, teilweise auch Verletzung des Rasertatbestands.

Die Polizei kam den Männern nach einem nächtlichen Raserrennen am 28. November 2016 auf die Schliche. Laut damaliger Pressemitteilung der Kantonspolizei Zürich hatte auf der A1 bei Lindau ZH ein Autofahrer ein ziviles Polizeiauto «mit massiv übersetzter Geschwindigkeit» überholt. Eine Nachfahrmessung ergab eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 203 km/h; erlaubt waren 120 respektive 100 km/h. Die Polizei konnte den Lenker, einen 26-jährigen Rumänen, in Zürich-Seebach stoppen und verhaften. Die Ermittlungen führten dann zu den insgesamt 21 weiteren Männern.

Ein angeblicher Kollege von 4 der 21 Männer sagt zu 20 Minuten, die Sache sei wegen Handyvideos und Whatsapp-Verläufen aufgeflogen. So gebe es eine Aufnahme, in der einer seiner Freunde ausserorts mit über 200 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sei. Dazu will Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, auf Anfrage der Redaktion Tamedia keine Stellung nehmen.

«Sie fahren nicht agressiv»

Der Kollege beschreibt die Männer als «08/15-Typen, die ein normales Leben führen, gerne feiern gehen und einen Knacks für Autos haben». Sie würden unter anderem Autos wie Audi RS oder Mercedes-AMG fahren. «Eigentlich fahren sie nie aggressiv, zwar ab und zu schnell, aber nicht aggressiv».

Damit die Versicherung billiger komme, seien die meisten Autos über die Väter eingelöst. Das sei wohl auch der Grund, warum kaum einer sein Auto abgeben müsse, vermutet der 23-Jährige. «Sie verdienen nicht viel. Wenn da eine saftige Busse kommt, tut das weh. Vor allem werden sie Schwierigkeiten im Beruf haben, da sie von der Fahrerlaubnis abhängig sind.»

Ob sich die nun verhafteten Männer noch in Untersuchungshaft befinden, will die Polizei auf Anfrage nicht sagen. Wie genau die Männer miteinander in Verbindung stehen, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, sagt Rezzoli.

Auch Jürg Boll, Leiter Strassenverkehr der Staatsanwaltschaft Zürich Limmat, will nicht sagen, ob es sich um eine organisierte Szene handelte. «Solche Rennen können abgemacht sein oder spontan entstehen», sagt er.

hoh/red

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