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«Textilunternehmen dürfen nicht über Leichen gehen»

Erneut hat es in einer Kleiderfabrik in Bangladesh gebrannt. In den Werken gibt es systematische Sicherheitsprobleme. Dabei spielen auch die westlichen Bekleidungskonzerne eine Rolle.

Mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen in den Arbeitsstätten: Löscharbeiten nach dem erneuten Brand in einer Textilfabrik. (26. November 2012)
Mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen in den Arbeitsstätten: Löscharbeiten nach dem erneuten Brand in einer Textilfabrik. (26. November 2012)
Reuters

Keine zwei Tage nach dem verheerenden Brand in einer Bekleidungsfabrik in Bangladesh ist heute erneut ein Feuer in einem Textilbetrieb in der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Berichte über Todesopfer lagen zunächst nicht vor, wie der arabische Fernsehsender Al Jazeera berichtete. Allerdings hätten acht Arbeiter der Fabrik in einem Vorort von Dhaka Rauchvergiftungen erlitten, sagte ein Feuerwehrsprecher. In dem Gebäude im Stadtteil Uttara waren den Angaben zufolge vier verschiedene Textilfabriken untergebracht. Der Brand konnte nach Angaben der Polizei weitgehend unter Kontrolle gebracht werden.

Am Samstag hatte bereits in einer anderen Fabrik im Industriegebiet Ashualia ein veheerendes Feuer gewütet. Mehr als 100 Menschen waren dabei ums Leben gekommen, rund 200 weitere hatten zum Teil schwere Verletzungen erlitten. Die Brandursache war nach Angaben von Bangladeshs Premierministerin Sheikh Hasina Brandstiftung. «Es war kein Zufall. Es war im Voraus geplant», sagte sie heute im Parlament in Dhaka.

Sie habe Bilder von Überwachungskameras gesehen. Zwei Männer seien festgenommen worden. «Diejenigen, die hinter dem Sabotageakt stecken, werden ebenfalls gefasst werden», sagte die Premierministerin weiter. Einer der Männer habe gestanden, für die Brandstiftung 20'000 Taka (etwa 225 Franken) erhalten zu haben.

Der Feueralarm von den Vorgesetzten als Fehlalarm abgetan, der Notausgang verschlossen, die Feuerlöscher kaputt: So schildern Überlebende die Zustände in der Textilfabrik, in der bei einem Grossbrand mehr als 100 Menschen ums Leben kamen. In der Branche, die in der Regel unter Missachtung von Sicherheitsmassnahmen für Abnehmer in aller Welt produziert, ist das Unglück nur vom Ausmass her ungewöhnlich: Seit 2006 starben bei etlichen Bränden in Textilfabriken bereits mehr als 200 Menschen.

Tausende Demonstranten

Heute gingen tausende Arbeitnehmer auf die Strasse, um ihrer Wut über den Grossbrand vom Wochenende Luft zu machen. Dabei kam es vereinzelt zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Demonstranten forderten lautstark mehr Sicherheit an ihren Arbeitsplätzen, wie ein Polizeisprecher sagte. Zudem sollten die für die Katastrophe Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Betreiberfirma des abgebrannten Textilwerkes ist die Tazreen Fashion Limited, die für verschiedene europäische und US-amerikanische Firmen produziert, darunter auch für das deutsche Bekleidungsunternehmen C&A. Die Firma sei beauftragt, 220'000 Sweatshirts an C&A Brasilien zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 zu liefern.

C&A soll Brandschutzabkommen unterzeichnen

Die Handelskette C&A mit Sitz in Düsseldorf reagierte bestürzt auf den Grossbrand. «Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieses furchtbaren Unglücks sowie deren Familien und Angehörigen», sagt C&A-Sprecher Thorsten Rolfes.

Die deutsche Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte die Handelskette C&A auf, einem internationalen Brandschutzabkommen beizutreten. «Die Textilunternehmen, die bei uns ihre Produkte verkaufen und in Bangladesh fertigen lassen, dürfen nicht weiter über Leichen gehen», erklärte ein Vertreter von Verdi heute in Berlin. Die Unternehmen seien mit dafür verantwortlich, «unter welchen katastrophalen Bedingungen sie fertigen lassen».

Trauertag angeordnet

Die Regierung in Bhaka entschied am ersten Sitzungstag nach der Tragödie, den morgigen Dienstag zum nationalen Tag der Trauer zu erklären. Die Nationalflagge solle auf halbmast wehen und alle Textilfabriken im Land, die Millionen Menschen beschäftigen, geschlossen bleiben.

Die Kleiderfabriken in Bangladesh sind berüchtigt für mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen. Vor allem Arbeiterinnen produzieren in den rund 4500 Werken unter oft schwierigen Bedingungen Waren für westliche Bekleidungskonzerne. Die Ausfuhr billiger Textilien vor allem in die USA und nach Europa bringt dem armen Land jährlich umgerechnet rund 15 Milliarden Euro ein.

SDA/rbi

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