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Töchter missbraucht: Berner geht freiwillig ins Gefängnis

Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Handlungen mit Kindern, und Pornografie: Dies wird einem Berner Oberländer vorgeworfen. Gestern endete die Gerichtsverhandlung unerwartet.

«Ich bin es wohl gewesen. Es tut mir leid. Ich habe meine Kinder gerne. Ich will aufhören, ich stehe dazu. Fertig. Ich will nicht mehr in diesem Zeug sein.» Stockend und in kurzen Sätzen gestand gestern kurz vor Mittag der gebeugt auf der Anklagebank sitzende 44-jährige Mann.

«Ich hoffe, du vergibst mir», wandte er sich seiner ältesten Tochter zu. Er habe sie gern, ebenso die anderen Töchter und nahen Verwandten. «Ich will aufhören. Ich kann nicht mehr. Ich kann auch nicht mehr schlafen, weil ich viel studiere.» Er habe Angst, Kindern zu nahe zu kommen. Nun wolle er wissen, was geschehen sei, sagt er zu den ihm zur Last gelegten Taten. Der Angeklagte war einst selber von seinem Vater sexuell genötigt worden.

Zuerst als Lügen abgetan

Diese Aussage kam überraschend. Am ersten Verhandlungstag hatte der Mann die leise und gefasst vorgetragenen Schilderungen seiner heute 19-jährigen Tochter als Lügen abgetan. Die junge Frau stand gegen ihren Vater als Privatklägerin vor Gericht. «Lange Zeit schwieg meine Mandantin, weil sie das Verhältnis zu ihrem Vater retten und ihm eine Chance geben wollte. Sie hatte geglaubt, die Vergewaltigung und die weiteren sexuellen Übergriffe geschähen nur ihr.»

So erklärte die Anwältin Stefanie Wagner während einer Verhandlungspause, warum die junge Frau die Medien zur Gerichtsverhandlung einladen liess. «Als klar wurde, dass nebst ihr auch eine Schwester, eine Nichte und ein Neffe betroffen waren, wollte und musste sie handeln. Meiner Mandantin ist wichtig, zu verhindern, dass noch weitere Kinder von ihrem Vater missbraucht werden», so die Rechtsanwältin.

Keine Erinnerung mehr

Die Anklageliste ist lang: Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Handlungen mit Kindern und Pornografie. Vor allem begangen an zwei Töchtern sowie deren Nichte und Neffe, aber auch an Erwachsenen.

Der heute 44-Jährige mochte oder konnte sich jedoch nicht an die sexuellen Übergriffe und Nötigungen seiner Töchter und der anderen Kinder erinnern. «Ich habe nichts getan, weil ich nichts weiss», gab er mehrmals zu Protokoll. Trotz des Fundes von Pornofilmen stritt er ab, solche besessen und die Tochter zum Zuschauen genötigt zu haben. Einen einzigen Vorfall gab er zu: Einmal sei er im Bett seiner ältesten Tochter aufgewacht, als die drei Mädchen nach der Trennung ihrer Eltern beim Vater zu Besuch waren. Intensive Fragen von Gerichtspräsident Peter Hänni und Staatsanwalt Hans-Peter Schürch nützten wenig – der Angeklagte wusste von nichts.

Bereits ab Freitag in Haft

Als Selbstschutz schlug der Staatsanwalt dem Angeklagten den vorzeitigen Haftantritt vor. Diesem folgte der Mann. Er wird bereits übermorgen Freitag in Thun seine Haftstrafe antreten. Das Gericht unterstützte auch das Anliegen von Pflichtverteidiger Philipp Studer, beim Forensisch-Psychiatrischen Dienst in Bern ein Gutachten über den Angeklagten einzuholen. Ist dieses vorhanden, folgen die Plädoyers, anschliessend das Urteil des Kreisgerichts Saanen. Dies wird in einigen Monaten sein.

Dem gestrigen Teilgeständnis des nun zum zweiten Mal verheirateten Täters vorausgegangen waren eindrückliche Schilderungen von Zeuginnen. Diese hatten berichtet, wie es einer Nichte und einem Neffen des Angeklagten heute geht. Die Kinder leiden heute noch unter den Vorkommnissen und brauchen weiterhin sowohl psychologische als auch psychiatrische Therapie.

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