Uni-Skandal: Jetzt ist klar, wer am meisten für Bestechung bezahlt hat

Im Fall um erschlichene Zulassungen an US-Eliteunis gibt es eine neue Wendung. Davon profitieren könnte Schauspielerin Lori Loughlin.

Haben unterschiedliche Verteidigungstrategien: Die Schauspielerinnen Felicity Huffman (links) und Lori Loughlin. Bild: AFP

Haben unterschiedliche Verteidigungstrategien: Die Schauspielerinnen Felicity Huffman (links) und Lori Loughlin. Bild: AFP

Es sind diese beiden Geldbeträge, die auffallen beim womöglich grössten Betrug im amerikanischen Bildungssystem. Vermögende Eltern haben die Aufnahme ihrer Kinder an Eliteuniversitäten wie UCLA, Stanford oder Yale erkauft, in den meisten der 33 Fälle liessen sie sich die Karriere ihrer Kinder laut Anklage fünfstellige Beträge kosten. Zwei Familien allerdings blätterten sehr viel mehr Geld hin: 1,2 Millionen Dollar und sogar 6,5 Millionen Dollar. Bislang war noch nicht bekannt, wer derart viel Geld in die Karriere seines Nachwuchses investierte. Doch jetzt ist die Herkunft der beiden siebenstelligen Beträge laut Los Angeles Times und Wall Street Journal unter Berufung auf Ermittlerkreise geklärt: Das Geld kam aus China – was für die amerikanischen Beschuldigten von einigem Interesse sein dürfte.

Die Familie der Studentin Sherry Guo hat 1,2 Millionen Dollar dafür bezahlt, dass ihre Tochter als Fussballspielerin in Yale aufgenommen wurde. Die Eltern von Yusi Zhao gaben 6,5 Millionen Dollar für einen Studienplatz in Stanford aus, ihre Tochter kam im Programm für begabte Seglerinnen unter. In beiden Fällen soll das Geld aus China an die wohltätige Organisation Key Worldwide Foundation geflossen sein, die William Singer, der mutmassliche Drahtzieher in dem Skandal, als Tarnung für die Bestechungen benutzt hatte. Singer hatte zudem die Beratungsfirma Edge College & Career Network gegründet und ihr den Spitznamen «The Key» gegeben: Türöffner.

Solche Unternehmen gibt es zuhauf in den USA, Eltern bezahlen bisweilen völlig legal sehr viel Geld, um Kinder auf Prüfungen vorzubereiten oder ihnen den Zugang zu Universitäten über eine Spende zu erleichtern. Singer bekannte sich bereits schuldig, vor Gericht sagte er: «Ich habe einen Seiteneingang erfunden, weil die Kinder durch den Haupteingang nicht reinkamen und Hintertüren wie Spenden keine Garantie waren.»

Die Höhe der Summen deutet nach Angaben der Ermittler keineswegs darauf hin, dass es besonders knifflig war, die beiden chinesischen Studentinnen an einer amerikanischen Eliteuniversität unterzubringen. Es werfe vielmehr ein Licht darauf, wie William Singers Netzwerk funktionierte – und könnte einige Eltern gar entlasten. Die beiden chinesischen Studentinnen sind mittlerweile offenbar exmatrikuliert worden. Beide Unis wollten sich auf Anfrage nicht dazu äussern, die jeweiligen Profile im Studentenverzeichnis sind jedoch gelöscht. Die Familien sind allerdings bislang nicht wegen eines Verbrechens angeklagt. Die Staatsanwaltschaft in Boston verwies auf Anfrage nach den Gründen auf laufende Ermittlungen.

Vielleicht wird sich Felicity Huffman noch ärgern

Singer, so heisst es nach Informationen der Los Angeles Times aus Ermittlerkreisen, habe von den chinesischen Familien so viel Geld verlangt, weil er es eben konnte. Die Eltern der beiden Studentinnen hätten Singer nie persönlich kennengelernt, sondern nur über Mittelsmänner von der Firma erfahren und geglaubt, dass das in den Vereinigten Staaten nun mal so laufe, dass vermögende Eltern sehr viel Geld für die Aufnahme an einer Uni bezahlen müssten. Sie hätten ihrem Anwalt zufolge damit gerechnet, dass mit dem Geld, das sie an Singers Stiftung überwiesen, Stipendien für unterprivilegierte Kinder geschaffen würden. In Wahrheit jedoch bestach Singer damit zum Beispiel Sporttrainer, etwa den Trainer der Fussballmannschaft von Yale, der sich ebenfalls bereits schuldig bekannt hat.

Dass der Fall der beiden chinesischen Familien (und deren mögliche Verschonung von Strafe) nun bekannt geworden ist, dürfte für die amerikanischen Eltern interessant sein, die wegen der Erschleichung des Uni-Zugangs ihrer Kinder angeklagt sind. Zum Beispiel für Schauspielerin Lori Loughlin und ihren Mann, den Modedesigner Mossimo Giannulli, die insgesamt eine halbe Million Dollar dafür ausgegeben haben, dass ihre beiden Töchter als talentierte Ruderinnen an der University of Southern California aufgenommen werden.

Loughlin und Giannulli sehen sich als Opfer von Singer und haben deshalb auf nicht schuldig plädiert. Diese Strategie gilt als riskant, weil Loughlin bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu 40 Jahre Haft droht und weil bei einer öffentlichen Gerichtsverhandlung pikante Details aus dem Privatleben bekannt werden könnten. Wenn es Loughlin und Giannulli bei den Anhörungen gelingt, sich als naive Eltern darzustellen, die keine Ahnung von den Bestechungen hatten, könnte die Anklage zurückgezogen werden.

Vielleicht wird sich auch die prominenteste Angeklagte, die Schauspielerin Felicity Huffman («Desperates Housewives») noch ärgern, dass sie sich bereits schuldig bekannt hat. Sie hat zugegeben, 15.000 Dollar für einen frisierten Aufnahmetest bezahlt zu haben. Ihr droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Monaten.

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