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Sexueller Missbrauch: Finanzchef des Vatikans in Australien angeklagt

Kardinal George Pell soll sich nackt Knaben gezeigt haben. In Australien ist der hohe Würdenträger nun offiziell angeklagt worden.

Der stellvertretende Polizeichef von Victoria erläuterte gegenüber den Medien die Anklage gegen Kardinal George Pell. (Video: Tamedia/AFP)

Wegen des Vorwurfs sexueller Nötigung ist George Pell in Australien angeklagt worden. Der Finanzchef des Papsts ist einer der höchsten Würdenträger der katholischen Kirche. Zuvor ist gegen ihn in Australien ein Ermittlungsverfahren wegen Kindesmissbrauchs eingeleitet worden, worauf er sein Amt vorübergehend niedergelegt hat.

Papst Franziskus habe ihm die Erlaubnis für die Auszeit gegeben, um in seiner Heimat Australien seine Unschuld zu beweisen, gab der Papst-Vertraute am Donnerstag in Rom bekannt. Die Anschuldigungen seien komplett falsch. «Die Vorstellung des sexuellen Missbrauchs ist mir zuwider», betonte Pell, die Nummer drei in der Hierarchie des Vatikans.

Wurde schuldig gesprochen, in den 90er Jahren zwei Chorknaben missbraucht zu haben: Kardinal George Pell. (Archivbild)
Wurde schuldig gesprochen, in den 90er Jahren zwei Chorknaben missbraucht zu haben: Kardinal George Pell. (Archivbild)
David Crosling, Keystone
Ist nicht mehr länger Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans: Kardinal George Pell.
Ist nicht mehr länger Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans: Kardinal George Pell.
Asanka Brendon Ratnayake, AFP
Pell räumte Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester ein. (13. November 2012)
Pell räumte Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester ein. (13. November 2012)
Paul Miller, Keystone
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Wie die Polizei im Bundesstaat Victoria mitteilte, muss Pell am 18. Juli zu einer Gerichtsanhörung in Melbourne erscheinen. Es ist das erste Mal, dass gegen einen derart ranghohen Würdenträger im Vatikan wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelt wird.

Pell war vor seiner Versetzung nach Rom Erzbischof von Melbourne und Sydney. Anfang 2014 ernannte ihn Franziskus zum Leiter der neu geschaffenen Aufsichtsbehörde für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikans, eine Art Finanzministerium.

Anhörung in Melbourne

Wie die Polizei in seinem Heimatland Australien am Donnerstag mitteilte, soll der 76-Jährige Mitte Juli zu einer Anhörung nach Melbourne kommen. Pell sagte sein Erscheinen vor Gericht zu und wies zugleich die Vorwürfe «energisch» zurück.

Es gebe «mehrere Beschwerdeführer» gegen Pell, sagte Shane Patton von der Polizei des australischen Bundesstaates Victoria vor Journalisten in Melbourne. Der katholische Geistliche solle am 18. Juli zur Anhörung erscheinen. Pell werde «genauso wie jeder andere in diesen Ermittlungen behandelt», versicherte Patton.

«Skandalöse Schmutzkampagne»

Nähere Angaben zu den Vorwürfen gegen den Kardinal wollte Patton nicht machen. Die australischen Ermittler hatten Pell bereits im Oktober in Rom zu Missbrauchsvorwürfen befragt.

Der Kardinal bezeichnete die Vorwürfe in der Vergangenheit als «völlig falsch» und sprach von einer «skandalösen Schmutzkampagne» gegen ihn. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens gegen ihn liess Pell die Missbrauchsvorwürfe erneut zurückweisen.

Knaben sexuell belästigt

«Auch wenn es in Rom noch früher Morgen ist, wurde Kardinal George Pell über die Entscheidung und das Vorgehen der Polizei von Victoria informiert», erklärte das katholische Erzbistum in Sydney. «Er hat erneut alle Anschuldigungen energisch zurückgewiesen.» Pell wolle «so bald wie möglich» nach Australien zurückkehren, um vor Gericht «seinen Namen reinzuwaschen», hiess es weiter.

In der Vergangenheit gab es mehrmals Beschwerden über angebliche Fälle von Kindesmissbrauch während seiner Zeit als Priester in Ballarat (1976 - 1980) und als Erzbischof in Melbourne (1996 - 2001). Australischen Medienberichten zufolge wurde Pell zur Last gelegt, damals mehrere Knaben sexuell belästigt zu haben.

Im Schwimmbad angefasst

Im Juli vergangenen Jahres erhoben zwei Männer direkte Missbrauchsvorwürfe gegen den Geistlichen, der sie in den 1970er Jahren in einem Schwimmbad unsittlich angefasst habe. Ein weiterer Mann berichtete, Pell habe sich in den 1980er Jahren vor Knaben in einem Umkleideraum am Strand entblösst. Kürzlich erschien ein Buch der Enthüllungsjournalistin Louise Milligan über Pell, das neue Einzelheiten zu den gegen ihn gerichteten Vorwürfen enthielt.

Die Anwältin Ingrid Irwin, die zwei nicht namentlich genannte Kläger gegen Pell vertritt, erklärte, ihre Mandanten seien «überglücklich» über das Ermittlungsverfahren. Es sei für sie nicht leicht gewesen, die Vorwürfe gegen Pell öffentlich zu machen. «Gegen jemand vorzugehen, der aus Sicht mancher Menschen direkt nach Gott kommt, hat ihnen alle möglichen Probleme bereitet», sage Irwin der in Melbourne erscheinenden Zeitung «Herald Sun».

Sieben Prozent der Priester im Verdacht

Vor einer australischen Missbrauchskommission hatte Pell persönliche Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester in den 70er Jahren eingeräumt. Drei Mal stellte er sich den Fragen des Ausschusses: ein Mal persönlich und zwei Mal per Video-Schaltung.

Die 2012 angeordnete nationale Untersuchung zu Fällen von Kindesmissbrauch in Kirchen, Schulen, Kinderheimen, Jugendgruppen und Sportvereinen steht kurz vor dem Abschluss. Die Kommission hatte mit tausenden Opfern gesprochen. Im Februar veröffentlichte sie Untersuchungsergebnisse, wonach sieben Prozent der katholischen Priester in Australien zwischen 1950 und 2010 Kindesmissbrauch vorgeworfen wurde. Die Vorwürfe wurden jedoch nie untersucht.

Papst will härter vorgehen

Pell war früher Erzbischof von Sydney. 2002 wurden erstmals Missbrauchsvorwürfe gegen ihn öffentlich, er wurde aber später von jedem Fehlverhalten freigesprochen. 2014 ernannte Papst Franziskus ihn zum Finanzchef des Vatikan. Angesprochen auf die Missbrauchsvorwürfe gegen Pell hatte Franziskus vergangenes Jahr gesagt: «Wir müssen ein Medien-Urteil vermeiden, ein Urteil, das auf Klatsch beruht.»

Die katholische Kirche wird bereits seit Jahren durch zahlreiche Missbrauchsfälle weltweit erschüttert. Papst Franziskus sagte kurz nach dem Beginn seines Pontifikats im März 2013 zu, härter gegen Kindesmissbrauch in der Kirche vorzugehen.

SDA/chk/oli

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