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Vermeintliche Opfer sollen Suizid begangen haben

Im Frühling waren in Indien zwei Mädchen erhängt aufgefunden, kurz darauf ihre vermeintlichen Vergewaltiger verhaftet worden. Nun tauchen Zweifel auf.

An diesem Baum wurden die beiden Mädchen erhängt aufgefunden: Polizisten und Dorfbewohner im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. (31. Mai 2014)
An diesem Baum wurden die beiden Mädchen erhängt aufgefunden: Polizisten und Dorfbewohner im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. (31. Mai 2014)
Chandan Khanna, AFP

Ein halbes Jahr nach der Entdeckung zweier Mädchenleichen im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh hat die zuständige Ermittlungsbehörde fünf vermeintliche Mörder und Gruppenvergewaltiger für unschuldig erklärt. Demnach haben sich die beiden 12 und 14 Jahre alten Mädchen selbst an einem Baum erhängt. Auf der Grundlage von 40 wissenschaftlichen Untersuchungen sei sie zu dem Schluss gekommen, «dass die zwei minderjährigen Mädchen nicht vergewaltigt und nicht ermordet wurden», erklärte die oberste Ermittlungsbehörde des Landes (CBI).

Die Leichen der beiden Cousinen waren im Mai unweit ihres Hauses in dem nordindischen Dorf Katra Shahadatganj entdeckt worden. Die Polizei ging zunächst davon aus, dass die Mädchen von einer Gruppe Männer während eines nächtlichen Toilettengangs in einem Feld abgefangen, missbraucht und getötet worden waren. Ihre Familie beschuldigte mehrere Männer aus einer höheren Kaste. Fünf Verdächtige wurden festgenommen, binnen drei Monaten aber wieder auf freien Fuss gesetzt.

Die Zeitung «Hindustan Times» berichtete nun unter Berufung auf CBI-Chef Ranjit Sinha, die Cousinen hätten Suizid begangen, weil die Familie ihre Freundschaft zu einem Dorfbewohner missbilligt habe. Die örtliche Polizei habe falsch ermittelt, sagte Sinha demnach. Im ersten Obduktionsbericht war nach offiziellen Angaben von Vergewaltigung die Rede.

Zweifel an Ermittlungsergebnissen

Frauenrechtsaktivisten bezweifelten umgehend die neuen Ermittlungsergebnisse. «Entscheidungen sollten nicht übereilt werden. Die CBI muss ihre Ergebnisse prüfen und Täter müssen bestraft werden», sagte die Vorsitzende der Delhi Commission für Women, Barkha Shukla, vor Journalisten.

Der Frauenverband All India Democratic Women's Association teilte mit, er erkenne die «Theorie» der Ermittler nicht an, viele Fragen seien noch immer «nicht beantwortet». «Sie versuchen die Wahrheit unter den Teppich zu kehren, um die mühselige Suche nach dem Mörder und seinen Motiven zu beenden», sagte eine Nachbarin der Familie, Premwati Devi. Der Fall der beiden Mädchen hatte international für Empörung gesorgt und viele Inder entsetzt. Wie schon nach der Gruppenvergewaltigung in einem Bus in Neu Delhi 2012 hatten vor einem halben Jahr viele Menschen gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert.

Sie waren wütend, weil die örtlichen Polizisten, die aus höheren Kasten als die Mädchen stammen, stundenlang nichts unternommen haben sollen. Die Familien der Cousinen sind Dalits, die früher als «Unberührbare» diffamiert wurden, und bis heute gerade in Nordindien diskriminiert werden. Der neue Regierungschef Narendra Modi hatte zudem die fehlenden Toiletten zum Wahlkampfthema erhoben: Er versprach den Bau neuer Toiletten, damit Frauen und Kinder sich künftig nicht länger in die Büsche schlagen müssen.

SDA/thu

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