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Vermummte stören Gottesdienst in Basler Kirche

An Heiligabend protestierten Aktivisten gegen eine Pfarrerin. Sie werfen ihr Nähe zu einem rechtsnationalen Blog vor.

red/sa/kh
«Frieden statt Hetze» propagierten die Aktivisten in der Dorfkirche in Kleinhüningen. Foto: Screenshot Basellandschaftliche Zeitung
«Frieden statt Hetze» propagierten die Aktivisten in der Dorfkirche in Kleinhüningen. Foto: Screenshot Basellandschaftliche Zeitung

Eine Gruppe Vermummter hat an Heiligabend einen Gottesdienst in der Kirche Kleinhüningen in Basel gestört. Sie protestierten gegen die Pfarrerin, die wegen einstiger Beiträge auf einem rechtsnationalen Blog in die Schlagzeilen geraten war.

Die Aktivisten hätten ein Transparent entrollt mit der Parole «Frieden statt Hetze» und mit einer Ansprache den Heiligabend-Gottesdienst gestört, teilte die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt am Mittwoch mit. Die Pfarrerin Christine Dietrich sei «aufs übelste» beschimpft worden. Die Eindringlinge seien dann nach einigen Minuten vom Sigrist und Gemeindemitgliedern hinaus geleitet worden.

Die Evangelisch-reformierte Kirche verurteilt in ihrer Medienmitteilung die Aktion. Sie prüft nach eigenen Angaben eine Strafanzeige oder Strafanträge wegen Hausfriedensbruchs und Nötigung.

Offenbar sassen die jungen Leute zwischen den Gottesdienstbesuchern in der Kirche und vermummten sich dann. «Sie standen auf, breiteten ihr Leintuch aus und kündeten an, sie würden nun eine Weihnachtsaktion durchführen», erzählt Pfarrerin Christine Dietrich der Basler Zeitung. Einige Besucher hätten gedacht, der Auftritt gehöre zum Programm. Das tat er nicht, wie schnell klar wurde: «Unsere Botschaft lautet: Frieden statt Hetze», rief eine Aktivistin. Dietrich würde zwar vom Friedenslicht predigen. «Doch dieser Friede ist scheinheilig!» Die Pfarrerin habe sich nie von einer rechtsextremen Website distanziert, auf der sie Beiträge veröffentlicht hatte. «Wir fordern sie auf, am heutigen Tag der Liebe Stellung gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus zu beziehen», ist auf einem Video der basellandschaftlichen Zeitung zu hören.

Für den Basler Extremismus-Experten Samuel Althof geht zu weit, was sich in der Dorfkirche in Kleinhüningen abspielte: «Dieser Vorfall stellt einen massiven Übergriff auf die christliche Gemeinschaft dar», sagt er zur BaZ.

Er sei schockiert ob der Aktion. «In all den Jahren, in denen ich meine Arbeit in der Gewaltprävention mache, habe ich so etwas noch nie erlebt.» Eine Kirche markiere in der heutigen Gesellschaft immer noch ein Stück weit einen geschützten Raum. «An Heiligabend sind oft auch sehr vulnerable Menschen in der Kirche: Menschen, die traurig oder einsam sind. Gerade solchen Personen gegenüber ist das gewaltsame Stören des Gottesdiensts höchst unfair.»

Pfarrerin Dietrich hatte bis 2011 auf einem rechtsnationalen Blog Beiträge veröffentlicht. Sie war dadurch in die Schlagzeilen geraten. Und auch innerhalb der Kirche kam es nach ihrer Wahl in den Kirchenrat im September zu Protesten. Die Pfarrerin habe sich von ihrer früheren Präsenz auf dem Blog inzwischen distanziert, heisst es in der Medienmitteilung der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt .

(SDA)

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