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Verzicht auf Turmbau – schlicht eine Frage des Geldes?

Der Pharmakonzern Roche verzichtet darauf, in Basel den geplanten Büroturm von Herzog & de Meuron zu bauen. Die offizielle Begründung löst einige Irritation aus.

Der Pharmakonzern Roche meldete gestern, er wolle «aus technischen Gründen auf die Realisierung des Bürohochhauses in der ursprünglich vorgesehenen Form» verzichten. Der Bau erfülle «wesentliche funktionale Bedürfnisse nicht». Man hätte beispielsweise «auf die Realisierung eines grossen, 500-plätzigen Auditoriums und mehrerer zentraler Sitzungszimmer» verzichten müssen.

Im selben Mediencommuniqué sagte Konzernchef Severin Schwan ziemlich genau das Gegenteil: Das Bürohaus wäre «technisch machbar» gewesen. Verwaltungsratspräsident Franz Humer wiederum betonte, dass jedes Vorhaben von Roche «letztlich auch einer umfassenden betriebswirtschaftlichen Analyse standhalten» müsse.

Was war nun ausschlaggebend für den Projektabbruch: technische Probleme? Zu hohe Realisierungs- oder Unterhaltskosten? Oder andere Gründe? Von den Architekten Herzog & de Meuron waren gestern keine weitergehenden Auskünfte erhältlich, ebenso wenig von Roche. Deren Standortleiter Matthias Baltisberger erklärte gegenüber Newsnetz/baz.online lediglich, dass wohl auch das Alternativprojekt des Hochhauses von Herzog & de Meuron konzipiert werde. Die über die Stadt verstreuten 1700 Arbeitsplätze sollen wie geplant in einem neuen Gebäude am Hauptsitz zusammengeführt werden.

Marc Keller, Mediensprecher der Basler Baudirektion, bezeichnet den Rückzieher von Roche als «Überraschung für alle». Köbi Gantenbein, Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre», ist erstaunt, «dass es Nutzungsgründe sein sollen, die zum Umdenken geführt haben. Umso mehr, als man das Projekt schon so weit getrieben hat.» In der Tat hatte Pierre de Meuron im letzten Mai betont, die äussere Form des Gebäudes sei nicht zuletzt die Folge der strengen Nutzungsvorschriften von Roche, die er habe umsetzen müssen. Als das Projekt im September 2007 vorgestellt wurde, waren sowohl das Auditorium wie auch diverse Konferenz- und Sitzungsräume als Vorgaben aufgelistet.

Franz C. Widmer, langjähriger Chefredaktor der «Basellandschaftlichen Zeitung», weist auf die erbitterte Rivalität zwischen Roche und Novartis hin. Daniel Vasella habe Novartis mit dem formidablen Campus ein modernes architektonisches Denkmal gesetzt. Roche-Chef Humer habe um jeden Preis nachziehen wollen. Dem neuen Konzernleiter Schwan sei nun wohl bewusst geworden, dass sich das Hochhaus auf Dauer nicht rechne.

Dieser These kann Jürg Stöcklin, Präsident der Basler Grünen, wenig abgewinnen. Er glaubt viel eher, dass der Abbruch die direkte Folge der aufziehenden Rezession sein könnte: «Nur diese Rahmenbedingung hat sich im letzten halben Jahr für Roche verändert.» Den Büroturm habe man quer durch alle Parteien als Bekenntnis der Firma zum Standort Basel verstanden. Nun hoffe man, dass das so bleibe.

Erklärungsbedarf ist gross

EVP-Grossrat Heinrich Überwasser, Mitglied der Bau- und Raumplanungskommission, fordert Roche auf, sich zu erklären. Der Rückzug komme «kurz, bevor der Grosse Rat einen Bebauungsplan nach den Wünschen der Konzernleitung massgeschneidert hätte – offenbar war der Prestigebau doch nicht so durchdacht». Der Präsident der Kommission, Andreas Albrecht, sieht den Fall profaner: «Der Preis für das Setzen einer architektonischen Marke war wohl zu hoch.» Wie viele andere Basler bedauert er die verpasste städtebauliche Chance. Wichtiger ist ihm aber, «dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben».

Enttäuscht ist auch Sabine Horvath, die Leiterin des Basler Standortmarketings. Das Vorzeigeprojekt am Rhein sei in der Stadt mehrheitlich begrüsst worden. Aus der Sicht ihrer Organisation bedauere sie die Sistierung sehr.

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