Zum Hauptinhalt springen

«Viele bleiben für Jahre dienstunfähig»

Mit 17 Schüssen streckte die Polizei die Amokläuferin von Lörrach nieder. Ein Experte warnt, dass die Polizeischützen dadurch ein Trauma fürs Leben erleiden könnten. Eine neue Strategie der Polizei dürfte das Problem verschärfen.

Sorgt sich um die Polizisten, die in Lörrach im Einsatz waren: Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.
Sorgt sich um die Polizisten, die in Lörrach im Einsatz waren: Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.
pd

Der Amoklauf von Lörrach ist noch nicht ausgestanden – zumindest nicht für jene, die damit direkt konfrontiert waren. Das gilt etwa für die Schützen, die das Feuer auf die Täterin eröffnet haben. Sie werden unter Umständen noch lange unter traumatischen Spätfolgen leiden. Polizisten würden es nicht so einfach verkraften, dass sie einen Menschen erschossen hätten, sagt Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, gegenüber der Boulevardzeitung «Bild».

Die Situation nach einem tödlichen Schuss sei für jeden Kollegen extrem schwierig, sagt der 53-Jährige. «Es gibt Beamte, die schaffen es ganz schnell zurück in den Dienst. Doch viele bleiben für Jahre dienstunfähig.» Wenn ein Polizist jemanden getötet habe, könne man ihn nicht einfach nach Hause schicken.

Gefahr eines Absturzes ist gross

Es bestehe die Gefahr, dass der Kollege seine Erfahrung und die damit verbundenen Sorgen und Empfindungen irgendwo im Keller wegsaufe. Deshalb seien der sozialpsychologische Dienst oder der Seelsorger gefragt. Das posttraumatische Belastungssyndrom sei zu einem wichtigen Thema bei der Polizei geworden. «Es erfordert meist eine jahrelange Behandlung.»

Der sozialpsychologische Dienst dürfte in Zukunft noch häufiger gefordert sein. Denn seit dem Amoklauf in Erfurt vor acht Jahren hat die Polizei ihre Strategie geändert. Damals erschoss ein 19-Jähriger im Gutenberg-Gymnasium zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten. Anschliessend nahm er sich das Leben. Die Tat, die 17 Todesopfer forderte, war der erste Amoklauf an einer deutschen Schule, der von einem Schüler verübt wurde.

Die Polizei fackelt seither bei ähnlichen Vorfällen nicht mehr allzu lange. Man würde nicht endlos auf das Eintreffen von Spezialeinheiten warten, sagt Wendt. «Im Fall der Fälle muss jeder Polizist sofort zur Waffe greifen und abdrücken.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch