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Vierfachmord von Chevaline: «Der Radfahrer war nicht das Ziel»

Der Staatsanwalt von Annecy dementiert einen Zeitungsbericht von «Le Parisien», wonach Radfahrer Sylvain M. das Ziel des Mordanschlags war. Doch der Journalist bleibt bei seiner Version.

«Das ist nicht einfach eine Hypothese – sondern eine dreiste Lüge»: Staatsanwalt Eric Maillaud zum Artikel in «Le Parisien». (Archivbild)
«Das ist nicht einfach eine Hypothese – sondern eine dreiste Lüge»: Staatsanwalt Eric Maillaud zum Artikel in «Le Parisien». (Archivbild)
AFP

Letzten Freitag veröffentlichte die französische Zeitung «Le Parisien» zum Vierfachmord von Chevaline einen Artikel, wonach gemäss neusten ballistischen Erkenntnissen zuerst auf den Velofahrer Sylvain M. geschossen wurde. Demnach seien Familienvater Saad al-Hilli sowie seine ältere Tochter womöglich zufällig Zeuge des Mordes geworden und deshalb kurz danach selbst Ziel des Mörders geworden. Der Journalist Jean-Marc Ducos von «Le Parisien» berief sich in seinem Artikel auf Ermittlerkreise.

Gestern nun erfolgte das Dementi des Staatsanwaltes von Annecy, Eric Maillaud: «Das ist nicht einfach eine Hypothese – sondern eine dreiste Lüge», kritisierte er den Artikel gegenüber «Spiegel online». So etwas habe er noch nie erlebt, sagte er weiter. Die Ballistiker könnten überhaupt nicht nachweisen, in welcher Reihenfolge die Schüsse abgegeben wurden, so der Jurist. «Man muss sich vor Augen halten, dass die Tat in wenigen Sekunden abgelaufen und schwer zu rekonstruieren ist», erklärt er gegenüber dem Newsportal.

«Weil es ansonsten wenig über den Fall zu berichten gibt»

Gemäss den Ermittlerkreisen, auf die sich «Le Parisien» berief, sei der Täter nach der Tötung der Familie nochmals zum Velofahrer zurückgekehrt und habe weitere Schüsse auf ihn abgegeben. Anhand des «ungeordneten Vorgehens» könne man darauf schliessen, dass es sich um einen Amateur handelte, schrieb die Zeitung weiter. Staatsanwalt Maillaud widerspricht dieser These: «Durch die unterschiedlichen Schussrichtungen darauf zu schliessen, dass der Täter zu seinem Tatort zurückgekehrt ist, um dem Radfahrer einen Gnadenschuss zu verpassen, ist reine Spekulation», sagte er gegenüber «Spiegel online».

Laut dem Staatsanwalt sei der Radfahrer nicht das Ziel gewesen, sondern habe sich lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort befunden, sagte er. «Die irreführenden Behauptungen entstehen, weil es ansonsten zu wenig über den Fall zu berichten gibt», ist er überzeugt.

Ein vorläufiges, potenzielles Szenario

Maillaud bestätigt aber, dass Familienvater Saad al-Hilli mit seinem Auto zu fliehen versuchte und in der Böschung stecken blieb. Dies ergebe sich durch einen Blick auf die Luftaufnahmen des Tatorts. Der Umstand der Flucht sei ebenfalls Teil der Rekonstruktion des «Le Parisien»-Journalisten. Ebenfalls bestätigen kann der Staatsanwalt die Tatsache, dass Saad al-Hilli und seine älteste Tochter das Auto verliessen. «Es handelt sich bei diesem Fakt aber nicht um neue Ergebnisse ballistischer Untersuchungen», kommentiert Maillaud den Artikel in «Le Parisien».

Der Journalist Jean-Marc Ducos bleibt hingegen bei seiner Version: Er beziehe sich in seinem Artikel auf «Experten der Gendarmerie Nationale», der französischen Nationalpolizei, die direkt dem Innenministerium unterstellt ist, sagte er gegenüber «Spiegel online». Aus Gründen des Informantenschutzes könne er seine Quelle aber nicht nennen. «Wenn der Herr Staatsanwalt nicht richtig lesen kann, dann ist das sein Problem», kontert er die Kritik von Eric Maillaud. Er habe ausdrücklich geschrieben, dass es sich um ein vorläufiges, potenzielles Szenario handle.

«Nicht so weit von der Wahrheit entfernt»

«Eric Maillaud kann dementieren, so viel er will», sagt Ducos. Viel interessanter sei doch, dass er bestätigt habe, dass der Vater und seine ältere Tochter das Auto tatsächlich verlassen haben, findet der Journalist. «So weit von der Wahrheit entfernt kann meine Darstellung also nicht sein», ist er überzeugt.

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