750 Camper evakuiert – Böen bis zu 140 km/h

Heftige Unwetter zogen über Deutschland und Frankreich. Das bekamen auch die Fans der Leichtathletik-EM in Berlin zu spüren.

Unwetter: Die Wetterkapriolen in Deutschland sorgen für Störungen im Verkehr. (Video: Reuters)

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Am Donnerstag haben Unwetter in Deutschland und Frankreich zu Überschwemmungen, Evakuierungen und Verkehrsbehinderungen geführt. Eine Übersicht der wichtigsten Ereignisse.

Sturzfluten in Südfrankreich überraschen Camper

Nach sintflutartigen Regenfällen sind in Südfrankreich 750 Menschen von fünf Campingplätzen in Sicherheit gebracht worden. Ein 75-jähriger Deutscher wird vermisst. Er wollte sich nach Angaben der Behörden auf einem Campingplatz in dem Ort Saint-Julien de Peyrolas in einem Wohnmobil vor den Wassermassen retten. Der Wohnwagen wurde zerstört am Ardèche-Ufer aufgefunden.

Der auf eine Hitzewelle folgende Regen liess die Flüsse Cèze und Ardèche am Donnerstag anschwellen. Auch umliegende Regionen der Cevennen waren überschwemmt. Eine Gruppe von 136 deutschen Kindern und Jugendlichen aus dem Raum Leverkusen bei Köln konnte von den Rettungskräften in Sicherheit gebracht worden. Insgesamt wurden 184 Menschen von drei Zeltplätzen nach Angaben der Einsatzkräfte mithilfe von Hubschraubern und Tauchern in Sicherheit gebracht. 80 Menschen hätten sich in ernsthafter Gefahr befunden.

Zehn Menschen wurden in Spitälern behandelt, darunter auch fünf Minderjährige. Fast 270 Feuerwehrleute sowie vier Helikopter waren im Einsatz. Die Ardèche ist ein beliebtes Ferienziel unter anderem für Kanufahrer und Wanderer. Auf den betroffenen Campingplätzen richteten die Wassermassen schwere Zerstörungen an.

Chaos auf der Schiene und auf dem Frankfurter Flughafen

Generell hielt die Gewitterfront auch weite Teile Deutschlands in Atem. An den Küsten wurden gemäss dem Deutschen Wetterdienst am frühen Freitagmorgen Windgeschwindigkeiten bis zu 140 Kilometern pro Stunde gemessen. Umgestürzte Bäume führten zu Streckensperrungen bei der Deutschen Bahn. Auf dem Frankfurter Hauptbahnhof wurde der Zugverkehr am Nachmittag vorübergehend vollständig eingestellt. Am Abend erklärte die Bahn, dass infolge von Unwettern zahlreiche Strecken in Norddeutschland gesperrt seien.

Für rund eine halbe Stunde stand der Flugverkehr auf dem Flughafen Frankfurt am Main still, weil sich eine Gewitterzelle über dem Airportgelände befand. Um 15.20 Uhr wurde die Abfertigung aus Sicherheitsgründen eingestellt, wie eine Flughafensprecherin sagte. Nach Wetterbesserung sei um 15.50 Uhr die Abfertigung wieder aufgenommen worden, seither herrsche «wieder normaler Betrieb».

Wegen eines aufziehenden Gewitters hatten die Veranstalter der EM in Berlin die Zuschauer am Donnerstagabend aufgerufen, zunächst im Olympiastadion zu verharren, meldet Focus.de. «Bitte bleiben Sie hier, das ist der sicherste Ort für sie», ertönte es aus den Lautsprechern unmittelbar nach dem abschliessenden 100-Meter-Hürden-Lauf der Frauen. 20 Minuten später, so Focus.de weiter, konnten fast alle Zuschauer bei nachlassendem Regen die Tribünen verlassen.


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Waldbrand in Bayern

Relativ wenig Regen gab es indessen in weiten Teilen Bayerns. Feuerwehrleute kämpften mit Löschhelikoptern gegen einen Waldbrand in der Gemeinde Kiefersfelden. Der Landkreis Rosenheim rief den Katastrophenfall aus. Auf der Website des Landkreises hiess es, der Brand könne «nur aus der Luft bekämpft werden». «Das Gelände ist so steil und die Winde so unberechenbar, dass Einsatzkräfte nicht in der Nähe des Brandherds eingesetzt werden können.» Trotz des Regens in der Nacht hat sich die Glut im Laufe der Nacht auf Freitag ausgebreitet, wie die «Tiroler Tageszeitung» berichtet.

Die nahe gelegene Ramsauer Alm wurde Behördenangaben zufolge vorsorglich evakuiert. Feuerwehrleute positionierten sich, um ein Übergreifen der Flammen auf die Alm zu verhindern. Rund 200 Kräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Bergwacht seien im Einsatz.

Der Deutsche Wetterdienst hatte ab Donnerstagnachmittag vor teils schweren Gewittern und Sturmböen in der Westhälfte Deutschlands gewarnt. In der Nacht zum Freitag werde sich der Gewitterschwerpunkt in den Norden und Osten verlagern.

(fal/chk/afp/sda)

Erstellt: 09.08.2018, 23:28 Uhr

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