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Weiblich, gehörnt, auf der Flucht

Im Bernbiet ist eine Kuh aus einem Laufstall entwichen. Seither lebt sie in Freiheit.

Eine Kuh aus dem Bernbiet wurde zur Problemkuh, ohne festen Wohnsitz und vermutlich zu allem bereit (Symbolbild). Foto: zvg
Eine Kuh aus dem Bernbiet wurde zur Problemkuh, ohne festen Wohnsitz und vermutlich zu allem bereit (Symbolbild). Foto: zvg

Hornvieh und insbesondere Kühe haben im Allgemeinen nicht den Ruf, besonders intelligent, raffiniert oder wenigstens agil zu sein. Gerade wegen ihres sanftmütigen, vielleicht auch dumpfen Wesens eignen sie sich ja so gut als Nutztiere. Doch auch Hornvieh sollte man nicht unterschätzen. Das musste Bauer Kurt Schmutz vor zehn Tagen erfahren.

Am 25. März, einem Montag, führte Schmutz seine Kühe aus dem Stall im bernischen Wattenwil in den Laufhof. Ähnlich wie in einem Gefängnishof haben die Kühe dort die Gelegenheit, den Kopf etwas auszulüften, sich die Beine zu vertreten und vielleicht mit den Mitkühen etwas gesellig zu sein. Doch an diesem Nachmittag war etwas anders. Niemand weiss, warum, aber eine der Kühe galoppierte ohne Vorwarnung los.

Einen richtigen Namen hat die Mastkuh der Walliser Rasse Evolèner nicht, identifiziert wird sie über ihre Kennnummer 7253 in der Ohrmarke. Wir wollen das beherzte Vieh hier «Stürm» nennen, nach dem Ausbrecherkönig Walter Stürm. Ihr Signalement: Sie sei eher klein, gedrungen und mit markanten Hörnern ausgestattet – so gab Bauer Schmutz zu Protokoll. Sie sei die erste und einzige Evolèner-Kuh, die er besitze. Ob das der Grund für ihren Fluchtversuch war?

Jedenfalls setzte Stürm an jenem Nachmittag zu einem Spurt an und überwand mit einem beherzten Sprung das Steinmäuerchen, das den Laufhof begrenzt. Dann galoppierte sie davon. Schon der Sprung stellt für einen Paarhufer eine beachtliche Leistung dar. Was danach kam, umso mehr. Stürm hetzte nämlich durch die Zäune auf der anderen Seite, durchquerte im Zickzack ein Wäldchen und entfernte sich im gestreckten Galopp über die Felder. Jetzt ist Stürm eine Problemkuh, ohne festen Wohnsitz und vermutlich zu allem bereit.

Keinen Hinweis auf Verbleib

Bauer Schmutz wurde auf dem falschen Fuss erwischt – noch nie hatte eine seiner Kühe etwas Derartiges gewagt. Dann aber reagierte er schnell. Zusammen mit einem Nachbarn nahm er die Verfolgung auf; zu Fuss zunächst, dann motorisiert, folgten sie Stürms Spur, doch die Kuh erwies sich als höchst geschickt. Am Abend noch wurde sie beim Aussichtspunkt «Metzgerhüsi» gesichtet, wo sie sich aggressiv gezeigt haben soll. Danach blieb sie wie vom Erdboden verschluckt.

Schmutz benachrichtigte die Polizei und den Wildhüter, die lokale Presse und machte einen Aufruf auf Facebook. Stürm aber blieb verschwunden. Nach einer Woche erspähte sie zwar ein Reiter in der Gegend, doch bei seinem Anblick nahm Stürm sofort Reissaus. Bis heute hat Bauer Schmutz keinen Hinweis auf ihren Verbleib.

Immer wieder machen Kühe wie unsere Stürm Schlagzeilen. Monatelang fieberten Presse und Bevölkerung etwa im Jahr 2011 mit Kuh Yvonne mit, die von einem Bergbauernhof im österreichischen Liesertal entwichen war. Ganze drei Monate war Yvonne allein unterwegs, bevor sie sich auf einer Weide wieder ihren Artgenossen anschloss. Im Jahr 2016 floh eine Kuh im Zürcher Kreis 4 aus dem Schlachthof. Die Polizei und ein Wildhüter verfolgten das arme Tier bis zum Bahnhof Enge, wo es schliesslich vom Wildhüter erschossen wurde. Wir wünschen Stürm ein anderes Schicksal. Möge sie in Freiheit sterben.

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