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Simsen statt schiessen – weniger Morde dank Handys

Eine US-Studie zeigt, dass Smartphones Tötungsdelikte verhindern können.

Claus Hulverscheidt
Ein Polizist blickt auf eine Wand voller Fahndungsfotos von Mitgliedern einer Motorradgang in Kalifornien.
Ein Polizist blickt auf eine Wand voller Fahndungsfotos von Mitgliedern einer Motorradgang in Kalifornien.
Jae C. Hong, Keystone

Die Ökonominnen Lena Edlund und Cecilia Machado haben in einer Studie untersucht, ob die Einführung tragbarer Telefone beim deutlichen Rückgang der Mordraten in US-Grossstädten womöglich eine Rolle spielte. Dazu stellten sie die Zahl der Mobilfunkmasten und die der tödlichen Gewaltdelikte zwischen 1970 und 2009 einander gegenüber – mit eindeutigem Ergebnis: Allein in den 90er-Jahren, in denen die meisten Masten errichtet wurden, sackte in den Metropolregionen die Mordrate je 100'000 Einwohner von durchschnittlich 17,3 auf 9,5 Opfer ab. Das Minus war dort am deutlichsten, wo sich die Mobilfunkversorgung am schnellsten verbesserte.

Dass ein Bezug besteht, zeigt sich auch daran, dass etwa die Zahl der Beziehungstaten unverändert blieb, während Morde im Drogen- und Gangmilieu drastisch zurückgingen. Zwar mögen dabei auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben, doch Edlund und Machado zufolge veränderte nichts das Drogengeschäft so sehr wie die Verbreitung des Handys. Vor dessen Erfindung trafen sich Dealer und Kunde an Orten, die sich schlecht überwachen liessen. Da viele Waffen trugen, konnte jeder Streit ums Geld oder die Qualität der Ware tödlich enden. Hinzu kamen Revierkämpfe zwischen Händlern und Gangs.

Mit dem Handy hat sich das Geschäft verändert. Händler und Kunde müssen ihr Geschäft heute nicht mehr an einem festen, öffentlichen Ort abschliessen, vielmehr können Preis und genaue Übergabestelle vorab am Mobiltelefon festgelegt werden. Damit geht der Verkauf weniger spannungsgeladen über die Bühne, zudem sank die Zahl der Überfälle auf Kleindealer und deren Geldbeutel.

Auch die Auseinandersetzungen der Gangs um die Herrschaft über Strassenzüge wurde obsolet. «Das Revier verlor seine Bedeutung und damit auch der Revierkampf», heisst es in der Studie, die vom renommierten Forschungsinstitut NBER ver- öffentlicht wurde. In ländlichen

Regionen, wo das Prinzip des «Reviers» nie eine grosse Rolle gespielt hatte, änderte sich die Mordrate dagegen kaum. Im Jahr 2000 wurden in den USA etwa 10'000 Morde weniger verübt als 1990. Edlund und Machado schätzen, dass allein das Mobiltelefon bis zu 2900 Menschenleben rettete.

Eine reine Erfolgsstory ist die Einführung des Handys aus ihrer Sicht aber nicht, denn es hat Drogen zugleich auch billiger und leichter verfügbar gemacht: In dem Masse, in dem Morddelikte zurückgingen, schoss die Zahl derer, die an einer Überdosis starben, in die Höhe.

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