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Wieso die Polizei am falschen Flughafen wartete

Drei von der Türkei ausgewiesene Jihadisten konnten am Dienstag unbehelligt nach Frankreich einreisen. Nun ist bekannt, welches Ereignis dazu führte.

Endlich in Gewahrsam: Einer der drei Jihadisten wird zu einem Flugzeug eskortiert. (24. September 20149
Endlich in Gewahrsam: Einer der drei Jihadisten wird zu einem Flugzeug eskortiert. (24. September 20149
Sylvain Thomas, AFP
Hier wollten sich die drei stellen: Polizeiposten in Caylar. (24. September 2014)
Hier wollten sich die drei stellen: Polizeiposten in Caylar. (24. September 2014)
Sylvain Thomas, AFP
... wo sie schliesslich in ein Flugzeug nach Paris gesetzt wurden.
... wo sie schliesslich in ein Flugzeug nach Paris gesetzt wurden.
Sylvain Thomas, AFP
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Die Meldung war für Frankreich Anlass zum Schmunzeln und zur Sorge zugleich: Am Dienstag hatte die französische Polizei am falschen Flughafen auf mutmassliche Jihadisten gewartet. Statt in Paris-Orly landeten die drei von der Türkei ausgewiesenen Männer in Marseille – und gelangten erst noch unbehelligt durch die Sicherheitskontrollen.

Wie sich inzwischen gezeigt hat, trifft die französische Polizei wenig Schuld am missglückten Empfang der drei 24 bis 29 Jahre alten Franzosen, die dem islamistischen Attentäter Mohamed Merah aus Toulouse nahestehen sollen. Vielmehr war es eine Verknüpfung unglücklicher Umstände und Nachlässigkeit aufseiten der türkischen Behörden.

Streik und Unvermögen

Am Anfang stand, so berichtet die französische Tageszeitung «Le Monde», ein Streik von Piloten der Air France. Normalerweise ist es die heimische Fluggesellschaft, die von anderen Ländern ausgewiesene Franzosen zurück ins Land bringt und dabei jeweils von den Behörden vorgewarnt wird. Dies ist von Vorteil, weil jeder Pilot das Recht hat, Passagiere abzuweisen, die ihm als Sicherheitsrisiko erscheinen.

Wegen des Streiks kam im Falle der drei mutmasslichen Jihadisten nun aber die türkische Billigfluglinie Pegasus Airlines zum Zug. Prompt weigerte sich der Pilot von Flug PC 401 nach Paris-Orly, die Männer an Bord zu nehmen. Auch eine längere Diskussion – der Flug traf mit über einer Stunde Verspätung in Paris ein – konnte den Piloten nicht umstimmen. Schliesslich setzten die türkischen Beamten die drei Männer in den nächsten Flug der Pegasus Airlines nach Frankreich – der allerdings in Marseille landete und nicht in Paris.

Den entscheidenden Fehler machten dann offenbar die türkischen Behörden: Sie hielten es laut «Le Monde» nicht für nötig, ihre französischen Kollegen zu informieren. Diese wiederum warteten in Paris-Orly auf den verspäteten Flieger, nur um dann nach dessen Landung um 14.26 Uhr festzustellen, dass die Männer nicht an Bord waren.

Bei der Passkontrolle unbehelligt

Danach ging die Suche los: Die Beamten der Direktion für Innere Sicherheit alarmierten um 15 Uhr das Innenministerium, welches wiederum eine Nachfrage in der Türkei initiierte. Die Antwort aus Ankara traf um 17 Uhr ein: Man habe die Männer sehr wohl in ein Flugzeug gesetzt, nur eben an Bord von Flug PC 403, der nach Marseille geflogen und um 16.24 Uhr bereits gelandet war.

Die drei Männer dürften sich gewundert haben, wieso sie niemand in Empfang nahm, und setzten sich schliesslich in ein Auto und fuhren in die nahe gelegene Region Hérault. Am Mittwochmorgen entschieden sie sich, laut «Le Monde» nach Rücksprache mit ihren Anwälten, sich der Polizei zu stellen. Dort erwartete die mutmasslichen Jihadisten eine letzte Hürde: Der Polizeiposten der Gemeinde Caylar war unbesetzt – und die drei mussten erst per Fernsprechanlage die Einsatzzentrale alarmieren.

Auch wenn der Lapsus der türkischen Polizei zuzuschreiben ist, bleiben die französischen Beamten nicht von Kritik verschont und müssen nun erklären, wieso die Männer bei der Passkontrolle in Marseille unbehelligt blieben. Besonders peinlich für alle Beteiligten ist zudem, dass der Internetsender i-Telé am Dienstagnachmittag um 13.30 Uhr – noch bevor die verspätete Maschine der Pegasus Airlines in Paris-Orly gelandet war – die Festnahme der Männer vermeldet hatte.

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