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Wieso Italiener mit Plüschhunden Gassi gehen

In Italien lässt man nichts unversucht, um an die frische Luft zu kommen.

Wer keinen richtigen Hund besitzt, weiss sich auszuhelfen. Foto: Twitter
Wer keinen richtigen Hund besitzt, weiss sich auszuhelfen. Foto: Twitter

Hunde sind auch in Zeiten der Coronavirus-Krise der beste Freund des Menschen. Wer in Italien einen Hund besitzt, nutzt ihn jetzt gern als Ausrede, um trotz der Ausgangssperre ins Freie zu kommen.

Unzählige Hundebesitzer sind trotz geschlossener Parks und Grünflächen täglich auf den Strassen unterwegs. Hunde auszuführen ist zwar nicht verboten, die Behörden beklagen jedoch einen starken Zuwachs an Menschen mit Vierbeinern in den Städten.

«Wir erleben Tage, an denen alles auf dem Kopf steht. So ist das bis vor kurzem lästige Gassigehen für jedes Familienmitglied zu einer begehrten Aufgabe geworden, um den vier Wänden zu entrinnen. Jeder meldet sich freiwillig als Dogsitter, auch die Nachbarn, die sich ewig wegen des Bellens beklagten», scherzte der Journalist Massimo Gramellini in seiner täglichen Rubrik in der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera».

Auf WhatsApp und in Sozialnetzwerken florieren humorvolle Videos mit Italienern, die lebensechte Plüsch-Hunde an der Leine ausführen. Hauptsache man kann der Polizei, die die Menschen auf der Strasse streng kontrolliert, einen Vierbeiner vorweisen, wenn auch nur einen ausgestopften.

Wegen des Frühlingswetters mit Temperaturen um die 20 Grad wird das zu Hause sitzen für viele Italiener zur wahren Tortur. So ziehen sich immer mehr Menschen Trainingsanzug und Running-Schuhe an und laufen auf den Strassen. Schliesslich sind Sportaktivitäten im Freien nicht verboten, solange man nicht in Gruppen läuft und die Distanz zu anderen Personen einhält.

«Die phlegmatischen Italiener sind zu einem Volk von Joggern geworden. Es ist, als müsste sich jeder auf einen Marathonlauf vorbereiten», scherzte ein Komiker.

Die Römer rennen den Tiber entlang oder joggen durch die Gassen der Innenstadt, seitdem die Parks am Samstag geschlossen wurden. Vergebens wiederholt die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi ihren Appell an die Mitbürger, zu Hause zu bleiben. «Wir dürfen unsere Wohnungen nur wenn es wirklich notwendig ist verlassen. Wer dies nicht tut ist verantwortungslos und gefährdet die eigene Gesundheit und jene der Mitmenschen», appellierte Raggi.

Die Polizei geht hart vor, wenn man ohne überzeugenden Grund auf der Strasse erwischt wird. In fünf Tagen wurden 27'000 Personen wegen Verstössen gegen die Quarantäne-Vorschriften angezeigt. Insgesamt wurden 665'480 Personen kontrolliert.

(SDA)

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