Wo steckt «Oswaldo Trump»?

Die US-Justiz jagt den Nordkoreaner Adrian Hong. Er soll die Botschaft in Madrid überfallen haben und sich nun in den USA verstecken.

Auf «Wanted»-Plakaten heisst es, er sei «bewaffnet und gefährlich»: Adrian Hong. Foto: Keystone

Auf «Wanted»-Plakaten heisst es, er sei «bewaffnet und gefährlich»: Adrian Hong. Foto: Keystone

Die amerikanische Justiz jagt Adrian Hong. Am Montag hat sie die Suche nach dem Anführer des Überfalls auf die nordkoreanische Botschaft in Madrid im Februar intensiviert: Auf «Wanted»-Plakaten heisst es, Hong sei «bewaffnet und gefährlich». Die spanische Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Einbruch, Körperverletzung, Raub mit Gewaltanwendung und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung angeklagt und international zur Verhaftung ausgeschrieben. Hong dürfte sich in den USA aufhalten.

Christopher Ahn, sein wichtigster Komplize beim Überfall, ein ehemaliger Soldat des US-Marinekorps, wurde bereits verhaftet. Die beiden gehören zu «Free Jeoson», einer obskuren Gruppe, die sich auf ihrer Website als «Nordkoreas Exilregierung» identifiziert und das Kim-Regime stürzen will.

Diebesgut dem FBI angeboten?

Bis zum Überfall wenige Tage vor dem Gipfel von US-Präsident Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un war «Free Jeoson» allerdings kaum jemandem bekannt. Hervorgetreten war sie einzig nach dem Mord an Kim Jong-nam, Kim Jong-uns Halbbruder. Damals behauptete sie, sie habe Jong-nams Sohn, Kim Han-sol, in Sicherheit gebracht. Der heute 14-Jährige soll nun in den USA oder in Israel unter Polizeischutz leben.

Auf ihrer Website behauptet «Free Jeoson», die Botschaft nicht überfallen zu haben. Die zehn Männer seien eingeladen und um Hilfe gebeten worden. Hong hatte sich bei den Wachen vor der Botschaft als koreanischer Diplomat ausgegeben. Die erbeuteten Unterlagen, Computerdaten und ein Handy, so die Website, seien dem FBI angeboten worden. Die Geräte selbst sollen der Botschaft inzwischen zurückerstattet worden sein.

Sein Anwalt behauptet, Hong verstecke sich, weil er von nordkoreanischen Erschiessungskommandos bedroht werde.

Hong, der in Yale studiert hat und Experte für klassische Musikerziehung ist, betätigte sich vor etwa zwölf Jahren als Fluchthelfer an der chinesischen Grenze zu Nordkorea. Kurz vor dem Überfall in Madrid war er auch in Tokio. Auf dem Fahndungsplakat heisst es, Adrian Chang Hong, so sein ganzer Name, benutze mehrere Pseudonyme, unter anderem Oswaldo Trump.

Sein Anwalt, der frühere Guantanamo-Beauftragte Lee Wolosky, behauptet, Hong verstecke sich, weil er von nordkoreanischen Erschiessungskommandos bedroht würde. Auf Fox-News, Trumps Haussender, warf er der US-Justiz vor, erstmals verfolge sie US-Staatsbürger aufgrund von Vorwürfen aus Nordkorea, obwohl die Aktion mit US-Behörden koordiniert gewesen sei (in Wirklichkeit hat nicht Nordkorea, sondern Spanien ihre Auslieferung verlangt).

Sung-yoon Lee, Professor an der Tufts-University, rief die US-Justiz auf, die Verfolgung von Hong und Ahn einzustellen: Die beiden seien gegen «die Tyrannei aufgestanden», das sei ihre Bürgerpflicht. Sie seien «Freiheitskämpfer, keine Verbrecher».

anoe

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