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Zwei Stadtpolizisten entlassen – bevor das Verfahren abgeschlossen ist

Nach der Bestechungsaffäre im Sexmilieu entlässt die Stadtpolizei Zürich zwei Mitarbeiter. Sie befinden sich noch immer in U-Haft. Die anderen Verdächtigen haben wohl alle dieselbe berufliche Zukunft.

Razzia im Chilli's: In diesem Zürcher Club an der Müllerstrasse wurden 9 Personen verhaftet.
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Simon Eppenberger
Weitreichende Folgen: Nach Hausdurchsuchungen bei den bereits Verhafteten kam es auch zur Festnahme von fünf Mitarbeitern der Zürcher Stadtpolizei.
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Simon Eppenberger
Keine Namen, viele Zimmer: Klingeln im «Hotel», in dem die Prostituierten arbeiteten.
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Simon Eppenberger
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Die Polizeiaffäre in der Milieu-Abteilung der Stadtpolizei Zürich hat personelle Folgen. Nachdem am 12. November die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich die Verhaftung von fünf Stapo-Beamten bekannt gab, sind zwei davon nun ihren Job los. Dem Entscheid vorausgegangen war ein Antrag auf Akteneinsicht, den der Polizeikommandant Daniel Blumer gestellt hatte. Das teilte die Stadtpolizei heute mit. Die Einsicht sei ihm teilweise gewährt worden.

Was er sah, reichte ihm offensichtlich, um zwei seiner Mitarbeiter zu entlassen. Und dies, obwohl das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist. Die Beamten sitzen noch immer in Untersuchungshaft. Wie die Stapo weiter schreibt, sei der Entscheid nach sorgfältiger Beurteilung der vorliegenden Fakten und nach Absprache mit dem Polizeivorsteher Richard Wolff gefallen. Blumer hat sich zu diesem Schritt aus «personalrechtlichen Gründen» entschlossen, heisst es weiter. Dies unabhängig vom Ausgang des Strafverfahrens.

Als Revierdetektive unterwegs

Ein Mitarbeiter, der vorübergehend in Haft war, werde wegen «Verletzung der Treuepflicht, nicht angemessenen ausserdienstlichen Verhaltens und Verstosses gegen das Geschenkannahmeverbot» versetzt. Es sei vorgesehen, dass er künftig als Revierdetektiv arbeiten werde. Weil sein Anwalt um Fristerstreckung für das rechtliche Gehör ersucht habe, sei der Versetzungsentscheid noch nicht definitiv.

Die Mitarbeiterin, die mehrere Tage in Untersuchungshaft war, werde ebenfalls wegen Verletzung der Treuepflicht und nicht angemessenen ausserdienstlichen Verhaltens versetzt und arbeite in Zukunft ebenso als Revierdetektivin. Der dritte Mitarbeiter, welcher kurzzeitig in Haft war, wechsele nach einer schon länger geplanten Auszeit «und unabhängig von den aktuellen Ereignissen» den Arbeitsplatz auf eigenen Wunsch und werde ebenfalls als Revierdetektiv tätig sein, schreibt die Stapo weiter.

Weniger Lohn

Falls das Strafverfahren bei den letztgenannten beiden Fällen zu einer Verurteilung wegen Begünstigung führt, werde die Stapo die Auflösung des entsprechenden Arbeitsverhältnisses prüfen. Die Versetzungen haben für alle drei Mitarbeitenden entsprechende Lohneinbussen zur Folge, teilt die Stapo weiter mit.

Die sechs Mitarbeitenden, gegen die wegen der Annahme einer Einladung an eine Festveranstaltung ermittelt wird, können in der Fachgruppe Milieu- und Sexualdelikte weiterarbeiten. Sie haben lediglich gegen eine Dienstvorschrift verstossen und werden demnächst von ihrem Vorgesetzten zu einem Führungsgespräch aufgeboten.

Weiter hat Kommandant Blumer angeordnet, dass mit der ganzen Fachgruppe Milieu- und Sexualdelikte die Themen Haltungen und Werte in der Polizeiarbeit, Nähe und Kontakte zum Milieu sowie Zusammenarbeit und Unterstützung innerhalb der Fachgruppe und der Abteilung «systematisch und transparent hinterfragt und aufgearbeitet» werden. Selbstverständlich gelte im strafrechtlichen Verfahren in allen Fällen nach wie vor die Unschuldsvermutung, so die Stapo.

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