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Deutsche Handballer scheitern früh

Deutschland ist im Handball-Turnier in der Vorrunde gescheitert. Der Weltmeister unterlag im entscheidenden Spiel dem Europameister Dänemark 21:27.

Mit nur einem Punkt weniger als die topklassierten Südkoreaner ist die DHB-Auswahl ausgeschieden. In der ausgeglichen besetzten Gruppe B fielen die Würfel wie erwartet erst am letzten Spieltag. Der vierfache Olympiasieger Russland vermied die frühzeitige Rückreise mit einem beeindruckenden 29:22 gegen Leader Südkorea. Punktgleich reihten sich die Isländer vor den Osteuropäern ein und stiess ebenfalls unter die Top 8 vor.

Auf dem Papier mit der Statistik fehlte wenig, auf dem Parkett hingegen trennte die Deutschen wesentlich mehr von einem Platz im Viertelfinal. Im Spiel der letzten Chance versagten sie auf der ganzen (Angriffs-)Linie. Ihre bereits in den ersten 30 Minuten völlig unzureichende Erfolgsquote sackte nach der Pause auf einen sehr tiefen Wert ab.

Dem Coach fehlten die Alternativen

Selbst neutrale Beobachter wunderten sich über die zahllosen Pannen und Pleiten im Spiel der Deutschen. Kult-Trainer Heiner Brand stand hilflos an der Seitenlinie. Der Mann, der die letzten Erfolge wie kein anderer im DHB verkörpert, litt hör- und sichtbar. Der Zerfall auf dem Spielfeld setzte ihm zu. Wegen zahlreicher schwerwiegender Ausfälle im Aufbau fehlten dem Coach aber die Alternativen.

Zwischen der 42. und der 53. Minuten produzierte der Weltmeister acht Fehlangriffe in Serie. Der Schaden in Form einer Differenz von fünf Toren war so nicht einmal ansatzweise zu beheben. Oft fehlte die Präzision oder die Ruhe am Ball, meistens aber legte auch Kasper Hvidt sein Veto ein. Der wohl beste Keeper des Turniers trieb die Deutschen zur Verzeiflung. Mehrfach stoppte der Barcelona- Golie solo anstürmende Kontrahenten. Mit seinen 15 schwierigen Paraden drängte Hvidt Deutschland in die Sackgasse.

Als der Europameister in den letzten vier Minuten ein erfolgreiches Break ans andere reihte und die Deutschen mitten in ihrer Fehlerorgie resignierten, hüpfte die weiss-rote Mehrheit auf der vollbesetzten Tribüne vor Freude. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres - im Winter hatte Deutschland den EM-Halbfinal gegen «Danska» verloren - intonierte die dänische Fan-Gemeinde die (inoffiziell) zweite Landeshymne: «Schade Deutschland, alles ist vorbei!»

Im Januar 2007 stemmten die Deutschen in Köln vor über 18'000 Anhängern den WM-Pokal in die Höhe. Was den Fussballern nicht gelang, zelebrierten die Handballer. Nicht jedes (Winter-)Märchen endet aber mit einem Happy-End. Auch Prinzen können stürzen oder wehren sich vergeblich gegen das Out. Manchmal ist dann der Name (schlechtes) Programm; wie im Falle des deutschen Keepers. Der heisst Bitter, und so fühlte sich der schwere Fehltritt in Peking auch an.

Der tanzende Erzrivale

Die einen Verlierer lagen nach den 60 missratenen Minuten regungslos auf dem Spielfeld neben den tanzenden Erzrivalen aus Dänemark. Andere wie Christian Schwarzer analysierten die Pleite ohne Schonfrist: «Wir hatten die Karten in den eigenen Händen und schafften es nicht, weil wir zu viele Chancen vergaben. Manchmal braucht es halt schon ein bisschen mehr. Ich hoffe, dass die Jungen aus diesem Prozess etwas lernen werden.» Schwarzer kümmert die Verarbeitung der Enttäuschung künftig nur noch marginal. Der 38- jährige Top-Kreisläufer setzt seiner Laufbahn nach dem 319. Spiel (endgültig?) ein Ende.

Russische Lehrstunde für Südkorea

Auf Kosten der Deutschen spielen die Russen um eine Medaille. Die Sbornaja, mehrheitlich gleichzusetzen mit dem Klubteam von Medwedi Tschechow, erteilte den unkonzentrierten Südkoreanern eine Lektion. Nach einer brillanten ersten Viertelstunde führte der nächste Schweizer WM-Qualifikationsgegner bereits 11:6. Insbesondere Rechtshänder Alexej Rastworzew (6 Tore) und Regisseur Wassili Filipow (4) überforderten die Asiaten mit ihrer Wucht und Spielintelligenz. Ausser dem «St. Galler» Hüter Han Kyung-Tai genügte kein Koreaner höheren Ansprüchen.

Spaniens Nonchalance und Balics Comeback

Überraschend knapp unterlag Brasilien den hoch favorisierten Spaniern. In der Schlussminute produzierten die Handball-Exoten aus Südamerika dank Aragon-Professional Felipe Ribeiro eine Doublette und verkürzten auf 35:36. Einen Punktverlust liessen die im letzten Drittel der Partie vorwiegend nonchalanten Iberer aber nicht mehr zu.

Durch den Nebenausgang verabschiedete sich der Gastgeber. Das riesige Reich der Mitte gehört im Handball zum internationalen Tabellenende. Als Veranstalter profitierte China von einer Wildcard. Der erste Auftritt auf olympischem Niveau endete gegen Kroatien mit der fünften Niederlage in Serie. Bis zur 24. Minute liess der Olympiasieger den Sparringpartner gewähren und führen, ehe er die Chinesen mit halber Kraft doch noch 33:22 deklassierte.

Wesentlich wertvoller als die locker erfüllte Pflicht war aus Sicht der Kroaten, dass ihr verletzter Spielmacher Ivano Balic einen 30-minütigen Fitnesstest unter Wettkampfbedingungen absolvieren konnte. «Das Bein hielt der Belastung stand. Ich hoffe, dass ich bereit bin im Viertelfinal», erklärte der zweifache Welthandballer des Jahres.

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