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Olympisches Staunen

Wir sitzen im Pekinger Schwimmwürfel und sehen, wie Michael Phelps sein achtes Gold an diesen Spielen sammelt, wie er siebenmal Weltrekord schwimmt - ein nie da gewesener Triumph.

Phelps, der lockere Schlaks, der seiner Mutter jedes Mal die Blumen des Siegers übergibt.

Wir sitzen im Vogelnest und sehen, wie Sprinter Usain Bolt in 9,69 zum Weltrekord über 100 m rast. Bolt, der Jamaicaner, der noch vor dem Start seines wichtigsten Rennens Grimassen schneidet und hinterher ein Tänzchen auf die Laufbahn legt.

Wir sind Zeugen von einmaligen Leistungen und grossen Momenten, dargebracht von richtig guten Typen. Und trotzdem schwimmt und rennt gerade bei jedem dieser Typen, der die absolute Höchstleistung bringt, der Verdacht Doping mit. Mitten im Staunen[0] schleichen sich Zweifel ein: Sind sie gedopt, denn anders können wir uns solche Leistungen gar nicht vorstellen? Lügen diese so sympathisch wirkenden Athleten wie gedruckt?

Wir können diese Fragen mit Ja beantworten und uns angewidert abwenden oder den Missstand achselzuckend hinnehmen. Wir können diese Leistungen aber auch geniessen, bis den Athleten Doping nachgewiesen wird.

Doch die Unschuldsvermutung gilt seit dem Festina-Skandal im Radsport 1998 nicht mehr, und Bolt hat eine illustre Schar an Vorgängern, die erwischt wurden. Mit dieser Geschichte müssen sie und wir leben. Und mit der Tatsache, dass wir Aussenstehende letztlich nicht wissen, was abläuft, was gemischt oder gespritzt wird. Oder ob Phelps und Bolt tatsächlich sauber sind. Das ist die eigentliche Krux: Der Zweifel läuft und schwimmt erst dann nicht mehr mit, wenn einer erwischt wird.

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