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Tests im Berner Moossee Pflanzenschutzmittel belasten auch die Seeböden

Eine Studie der Uni Bern zeigt, wie beispielsweise Herbizide in der Tiefe von Gewässern nachgewiesen werden können, obwohl sie seit Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

Der Moossee liegt im Norden der Stadt Bern. Er befindet sich in einem Naturschutzgebiet, das von stark landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben ist. Der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln ist deshalb hoch.
Der Moossee liegt im Norden der Stadt Bern. Er befindet sich in einem Naturschutzgebiet, das von stark landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben ist. Der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln ist deshalb hoch.
Foto: Universität Bern
Ein Forscher der Uni Bern entnimmt eine Sedimentprobe aus dem Moossee.
Ein Forscher der Uni Bern entnimmt eine Sedimentprobe aus dem Moossee.
Foto: Universität Bern 
Verteilung des Herbizids Metolachlor in den Oberflächensedimenten des Moossees.
Verteilung des Herbizids Metolachlor in den Oberflächensedimenten des Moossees.
Foto: Universität Bern
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Pflanzenschutzmittel belasten nicht nur die Gewässer, sondern auch die Seeböden. Die höchsten Werte wurden für die jüngsten Sedimentschichten ermittelt. Dies beweist eine neue Studie der Uni Bern.

Zwar wurde der Einsatz verschiedener Produkte in den vergangenen Jahren verboten, was sich tatsächlich auch in den entsprechenden Sedimentschichten nachweisen lässt. Doch nach wie vor lassen sich gemäss der Berner Studie beispielsweise Herbizide nachweisen, die seit zehn oder zwanzig Jahren nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

«Wir finden diese Stoffe auch in den jüngsten Sedimentschichten – das zeigt, wie schwer abbaubar Pflanzenschutzmittel in Gewässern sind, und wie lange sie in der Umwelt verbleiben», wird die Berner Umweltwissenschaftlerin Aurea Chiaia-Hernandez in einer Mitteilung der Berner Universität vom Dienstag zitiert.

34 Pflanzenschutzmittel nachgewiesen

Chiaia-Hernandez und ihr Team nutzte für seine Untersuchung Sedimentproben aus dem Moossee. Der kleine See in der Nähe von Bern ist typisch für viele Seen in der Schweiz, die durch die Landwirtschaft stark beeinträchtigt werden.

In einem 60 Zentimeter langen Sedimentkern fanden die Forscher 34 Pflanzenschutzmittel. Seit den 1960-er Jahren nahmen sowohl die Anzahl wie auch die Konzentration stark zu. Bei den meisten Mitteln wurden die höchsten Werte zwischen Ende der 1990-er Jahr und 2010 gemessen. Bei einem Viertel von ihnen stieg die Konzentration allerdings auch danach weiter an. Das gelte vor allem für Fungizide, wie die Universität schreibt.

Belastung seit Jahrzehnten zu hoch

Die Rückstände wirken sich unter anderem negativ auf das Leben am Boden der Seen aus. Sedimente dienen vielen Wasserorganismen als Lebensraum und Laichplatz und erfüllen essenzielle Funktionen im Nährstoffkreislauf. «Unsere Studie belegt, dass die Qualität der Sedimente als Lebensraum seit den 1980er Jahren permanent ungenügend ist», sagt Chiaia-Hernández.

Die grössten ökotoxikologischen Risiken gehen von Herbiziden und zunehmend von Insektiziden wie zum Beispiel Chlorpyrifos aus. Dieses Produkt wurde in der Schweiz im Juli 2020 verboten.

Die Studie wurde soeben in der Fachzeitschrift «Environmental Science & Technology» veröffentlicht.

SDA/fal

5 Kommentare
    C. Bu.

    Aufschreckartikel ? Das ist ganz einfach ein unabhängige Studie der Uni Bern die veröffentlicht wurde basiert auf Messungen. Wird ein Journalist jetzt schon angegriffen wenn er eine unabhängige Studie veröffentlicht ? Möchten sie nicht wissen welche Pestizide sich anreichern oder abgebaut werden und was auch noch die früheren schon verbotenen noch immer in unserer Umwelt anstellen ?

    Und wer soll die Studie bezahlen wie die Fische und andere Organismen darin leben oder eben nicht ? Die Allgemeinheit ?

    Und wegen dem Kupfer in der biologischen Landwirtschaft : im Weinbau brauchen Biobauern gleichviel und oft weniger als konventionell Weinbauern. Auch Biobauern machen Fortschritte. Immer mehr bio Winzer benützen ätherische Öle und sogar Milch statt Kupfer. In meinem 5000m2 grossen permakultur Garten , mit 40 Fruchtbäumen , Trauben, Gemüse , Wald und Getreide brauche ich kein Kupfer und habe immer viel zu viel und füttere meine Kinder , Enkel und nachbaren ... und ich erfreue mich an vielen Schmetterlingen und viel verschiedene Bienen und entdecke immer wieder andere Insekten.

    Nein, synthetische Pestizide brauchen wir nicht,sie machen eben genau das wofür sie hergestellt werden : zum abtöten. Aber leider tun sie das nicht spezifisch.