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Rumipark in LangenthalPläne für Erlebnisspielplatz sind vom Tisch

Die Stadt wollte zusammen mit der offenen Kinder- und Jugendarbeit im Rumipark einen Wanderspielplatz testen. Anwohner wehrten sich dagegen – erfolgreich.

Im Rumipark war ein Erlebnisspielplatz angedacht. Das Vorhaben stiess aber auf wenig Begeisterung.
Im Rumipark war ein Erlebnisspielplatz angedacht. Das Vorhaben stiess aber auf wenig Begeisterung.
Fotos: Christian Pfander

Einige Anwohner des Rumiparks an der Farbgasse dürften aufatmen: Der geplante Erlebnisspielplatz wird nicht gebaut. Dieser war von Anfang umstritten und führte gar dazu, dass vor einem Jahr eine Petition gegen das Vorhaben bei der Stadt eingereicht wurde. Mittlerweile haben die Stadt und der Trägerverein offene Kinder- und Jugendarbeit Oberaargau (Tokjo) entschieden, das Vorhaben im Rumipark nicht umzusetzen.

Der Gemeinderat hätte zwar nach wie vor versuchen können, mit Tokjo als Betreiber im Rumipark einen Wandererlebnisspielplatz zu erstellen. Dafür wäre als nächster Schritt eine Baubewilligung nötig gewesen. «Die Rückmeldungen von Tokjo, zusammen mit der Kritik aus der Bevölkerung sowie aus der Petition, zeigten jedoch, dass für diesen Standort die Begeisterung fehlte», sagt Stadtpräsident Reto Müller (SP). Zudem wäre mit grossen nachbarschaftlichen Widerständen im Baubewilligungsverfahren und beim Betrieb zu rechnen gewesen.

Befristet auf zwei Jahre

Kurze Rückblende: Im Rumipark gibt es bereits einen Kinderspielplatz, der 2015 saniert wurde. Nach einer Anfrage von Tokjo wurde später das Konzept für einen zusätzlichen Wandererlebnisspielplatz in betreuter Form erarbeitet und im Februar 2019 vom Gemeinderat bewilligt. Dessen Bestehen war von Anfang befristet auf zwei Jahre, der Spielplatz sollte nach Ablauf dieser Frist vollständig zurückgebaut werden.

Im städtischen Park gibt es bereits einen Kinderspielplatz, der vor einigen Jahren renoviert wurde.
Im städtischen Park gibt es bereits einen Kinderspielplatz, der vor einigen Jahren renoviert wurde.

Nachdem dieses Vorhaben öffentlich bekannt gemacht wurde, erhielt die Stadt Ende Mai 2019 eine Petition zugestellt. Die Petitionäre stützten sich darauf, dass die Gemeinde festgehalten habe, nach der Sanierung des bestehenden Spielplatzes bleibe der Rumipark eine Parkanlage mit Baumbestand. Sie befürchteten, dass der erweiterte Spielplatz einen massiven Eingriff in diese Parkanlage oder zumindest in die Rasenfläche darstelle.

Der Gemeinderat habe versprochen, Parkanlage und Baumstrukturen würden unverändert bleiben, schrieben die Petitionäre. Sie befürchteten auch einen Spielplatztourismus mit entsprechendem Autoverkehr im Quartier, Vandalismus und missbräuchliche Nutzung der Erdhügel durch Töffli und Bikes. Sie verlangten vom Gemeinderat, auf die Umgestaltung und Erweiterung der Anlage im Rumipark zu verzichten.

Zwei Drittel gedeckt

Nach der Abwägung aller Vor- und Nachteile beschloss der Gemeinderat, auf den Wandererlebnisspielplatz im Rumipark zu verzichten, sagt Stadtpräsident Reto Müller. «In der Gesamtbeurteilung ging es um die Fragen, ob der Rumipark – angesichts der Widerstände und auch generell – ein sinnvoller Standort dafür ist.» Auch die Kostenfolge für die Stadt war ein Thema, da Tokjo mittlerweile bekannt gab, dass die zu erwartenden Kosten «bloss» zu zwei Dritteln durch Sponsoren gedeckt werden könnten.

«Im Gemeinderat haben solche Investitionen – trotz schönem Ergebnis für Kinder und Jugend – in der momentanen Situation einen schweren Stand.»

Stadtpräsident Reto Müller

«Der Gemeinderat ist aber immer noch interessiert, irgendwo in Langenthal einen solchen Erlebnisspielplatz auszuprobieren», betont der Stapi. Die Frage der Mitfinanzierung müsste bei einer neuen Anfrage abgeklärt werden. Im heutigen Umfeld und nach Corona werde es wahrscheinlich noch schwieriger, Sponsoren aus der Privatwirtschaft für die Umsetzung zu finden. «Auch im Gemeinderat haben solche Investitionen – trotz schönem Ergebnis für Kinder und Jugend – in der momentanen Situation einen schweren Stand», sagt Müller.

Nicht der richtige Zeitpunkt

Thomas Bertschinger, Stellenleiter von Tokjo, ist gleicher Meinung wie der Stadtpräsident: Wegen der Pandemie und der daraus resultierenden finanziellen Belastung von Gemeinden und möglichen Sponsoren sei ein Spielplatz derzeit nicht zuoberst auf der Agenda von Tokjo, sagt Bertschinger. «Wir werden das Projekt Wandererlebnisspielplatz jedoch weiterverfolgen.» Es bestehe weiterhin Interesse an einem Standort in Langenthal.

Die Kinder- und Jugendfachstelle hat indes auch andere Standorte für das Vorhaben geprüft und in Lotzwil einen gefunden. Es habe sich aber herausgestellt, dass dort keine Chance auf eine Baubewilligung bestehe. Bertschinger sagt jedoch, das Konzept für einen Wandererlebnisspielplatz sei erarbeitet und an verschiedenen Orten umsetzbar. «Aber wahrscheinlich werden wir es dieses oder nächstes Jahr aufgrund der aktuellen Situation noch nicht in Angriff nehmen.»