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Einsatz auf der Kleinen AllmendPolizei setzte bei illegaler Party Drohne ein

Die Kantonspolizei Bern hat in den vergangenen Jahren aufgerüstet und arbeitet heute mit 25 Drohnen. Diese werden auch bei Krawallen wie letzten Samstag in Bern eingesetzt.

Bild aus der Ferne: Bei der illegalen Party auf der Kleinen Allmend am Samstag wurde auch ein grosses Holzfeuer errichtet.
Bild aus der Ferne: Bei der illegalen Party auf der Kleinen Allmend am Samstag wurde auch ein grosses Holzfeuer errichtet.
Foto: Leserreporter

Eine explosive Stimmung herrschte am Samstagabend auf der Kleinen Allmend in Bern: Mehrere Hundert Jugendliche feierten am Stadtrand eine illegale Party. Ein Kollektiv namens «Carnaval des Rues» hatte die Fete organisiert – mit dem Ziel, auf politische Missstände (Konsumzwang, Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes, Gentrifizierung der Quartiere) aufmerksam zu machen.

Die zunächst friedliche Stimmung kippte, als sich der Tross Richtung Innenstadt aufgemacht hatte und von der Polizei gestoppt wurde. Eine von Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) als «gewaltextremistische Linke» bezeichnete Gruppe warf Steine und Flaschen gegen die Polizeibeamten. Auch wurden Barrikaden erstellt und angezündet. Die Polizei reagierte mit Gummischrot, Reizgas und Wasserwerfer.

Nicht laufend aufgezeichnet

Das stattliche Aufgebot zeigt, dass die Polizei im Vorfeld offenbar von einem gewissen Krawallpotenzial ausgegangen war und sich entsprechend vorbereitet hatte. Ein Reporter vor Ort machte am Nachthimmel gar eine Drohne aus, die während des Einsatzes über der Kleinen Allmend kreiste und einer kleineren Gruppe folgte, welche mit einer Musikanlage das Areal verliess. Die Berner Kantonspolizei bestätigt gegenüber dieser Zeitung den Einsatz einer Drohne an jenem Abend.

Die Drohne mit Nachtsichtfunktion sei erst eingesetzt worden, nachdem es zu Sachbeschädigungen und Angriffen auf die Einsatzkräfte gekommen war, sagt Kapo-Mediensprecher Christoph Gnägi. Die Polizei wollte sich so einen besseren Überblick «über den weitläufigen und unübersichtlichen Einsatzraum in der Nacht verschaffen». Auch sollte das kleine Fluggerät mit Kamera dazu dienen, weitere Sachbeschädigungen zu erkennen, wie die Polizei festhält.

«Nach einer Pilotphase sowie der Ausbildung von Drohnenpiloten wurden die Einsatzbereiche ausgeweitet.»

Christoph Gnägi, Mediensprecher Kantonspolizei Bern

Nutzt die Polizei die Drohnen also, um Randalierer bei einem solchen Umzug zu filmen und zu identifizieren? «Die Identifikation von Personen ist nicht der primäre Einsatzzweck, und die Bilder werden auch nicht laufend aufgezeichnet», meint Gnägi dazu. Doch hält er fest, dass Drohnen sehr wohl – soweit es die gesetzlichen Bestimmungen denn zulassen – auch zur Dokumentation von Straftaten und zu deren Klärung eingesetzt werden können.

Ursprünglich andere Zwecke

Derlei Drohneneinsätze sind relativ neu in Bern. Zwar schaffte die Berner Polizei laut eigenen Angaben bereits 2006 erste Drohnen an, doch eingesetzt wurden diese zu Beginn einzig zur Vermessung oder Dokumentation von Unfallstellen oder Schadensplätzen. «Nach einer Pilotphase sowie der Ausbildung von Drohnenpiloten wurden die Einsatzbereiche ausgeweitet», sagt Polizeisprecher Gnägi. So würden die Drohnen seither etwa auch bei der Suche nach Vermissten helfen.

«Seit kürzerem» kämen die Drohnen auch bei Einsätzen wie jenem am Samstagabend zum Einsatz – im Sinne des «Crowdmanagements», wie es die Polizei nennt. Sprich, um einen besseren Blick über grosse Personenströme zu erhalten sowie um Straftaten zu dokumentieren und aus der Luft die Suche nach Tätern zu unterstützen. Wie häufig Drohnen zu diesen Zwecken eingesetzt werden, darüber gibt die Polizei keine Auskunft. Solche Entscheide würden situationsbedingt gefällt, heisst es.

Im Oktober 2019 räumte die Kantonspolizei Bern ein besetztes Gebäude an der Wahlackerstrasse in Zollikofen. Dabei kam eine Drohne zum Einsatz.
Im Oktober 2019 räumte die Kantonspolizei Bern ein besetztes Gebäude an der Wahlackerstrasse in Zollikofen. Dabei kam eine Drohne zum Einsatz.
Foto: Jürg Spori

Letzten Herbst war dies etwa der Fall. Damals marschierte die Polizei mit einem Grossaufgebot in Zollikofen auf, um ein besetztes ehemaliges Betagtenheim zu räumen. Weil die Polizei offenbar mit gewalttätigem Widerstand rechnete, kreiste während der Räumung eine Drohne über dem Gebiet, wie ein Reporter dieser Zeitung festhielt. Bislang nicht zum Einsatz gekommen seien Drohnen bei unbewilligten Demos mit Krawallpotenzial, wie Polizeisprecher Gnägi festhält.

Nicht über Menschen fliegen

Man halte sich an die gesetzlichen Bestimmungen, heisst es bei der Kantonspolizei Bern. Diese seien im Polizeigesetz geregelt. «Auch halten wir uns wenn immer möglich an die gleichen Bestimmungen, wie sie für private Piloten gelten», sagt Gnägi. Dazu gehört etwa auch, keine Drohnen unmittelbar über Menschenansammlungen zu fliegen. Das sei auch am Samstagabend so gehandhabt worden.

Nicht nur in Bern setzt die Polizei Drohnen ein. In der gesamten Schweiz rüsten die Kantonspolizeien in dieser Hinsicht auf – nicht zuletzt auf Empfehlung der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten. Während 2014 die kleinen Flugkörper lediglich bei drei Kantonspolizeien zum Einsatz kamen, waren es vor zwei Jahren bereits zehn, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Laut dem Artikel war damals die Kantonspolizei Zürich mit zehn Drohnen landesweiter Spitzenreiter. Mittlerweile hat Bern jedoch Zürich überholt. Laut der Kantonspolizei Bern besitzt diese heute 25 Drohnen. Die Preise bewegen sich je nach Modell zwischen 1500 und 20’000 Franken.