Beste Grüsse von Barbara

Jeb Bush (61) ist ernst, verkniffen und bei Auftritten oft schroff. Doch wenn er für die Republikaner antritt, wird man ihn ernst nehmen müssen. Im Clan der Bushs bleibt nur die Matriarchin Barbara etwas skeptisch.

Die Dynastie aus Texas: Die Kandidatur eines dritten Bushs würde die USA aufwühlen. Jeb Bush (3. v. r.) zögert noch. Foto: Reuters

Die Dynastie aus Texas: Die Kandidatur eines dritten Bushs würde die USA aufwühlen. Jeb Bush (3. v. r.) zögert noch. Foto: Reuters

David Hesse@HesseTA

Besser könnte es nicht kommen. Noch bevor Jeb Bush entschieden hat, ob er 2016 antreten will, rufen ihn zwei ehemalige US-Präsidenten ins Weisse Haus. Einziger Schönheitsfehler: Es sind sein Vater und sein Bruder. «Ich spreche auch für 41, wenn ich sage: Jeb sollte kandidieren. Er würde einen grossartigen Präsidenten abgeben», sagte George W. Bush letzte Woche bei der Vorstellung seines neuen Buches an einer Universität in Texas.

Mit «41» meinte er seinen Vater, ­Geor­ge H. W. Bush, den 41. Präsidenten der USA. Der 90-Jährige sass unter den Zuhörern und lächelte. «41» heisst auch das Buch, das George W., Präsident Nummer 43, über seinen Vater verfasst hat: ein unkritisches Porträt, «eine Liebesgeschichte», wie es im Vorwort ehrlich heisst, Männergefühle für unter den Christbaum. Und wenn damit etwas Erinnerung an die umstrittene Kriegerpräsidentschaft des jüngeren Bush getilgt wird: umso besser. Je lichter der Blick zurück, desto eher kann auch Nummer 45 wieder Bush heissen.

Der Name ist eine Hypothek

Die nächste Wahl ist erst in zwei Jahren. Doch Ruhe gibt es nicht, nach den Halbzeitwahlen in der vorvergangenen Woche stellen sich nun die Kandidaten für 2016 auf. Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur des Staats Florida, will bis Ende des Jahres entscheiden, ob er sich bewirbt. Er werde die Strapazen des Wahlkampfs nur in Angriff nehmen, wenn dies «freudvoll» möglich sei, sagt er. Bemerkenswert, ist die US-Politik doch derzeit sehr von Häme geprägt. Viele Wähler bleiben daheim, die Beteiligung lag bei der Wahl vorvergangene Woche trotz 3,7 Milliarden Dollar Aufwand bei nur 36,3 Prozent – der tiefste Stand seit 1942.

Wenn er antritt, wird man ihn ernst nehmen müssen. In Umfragen führt John Ellis «Jeb» Bush (61) das republikanische Kandidatenfeld an. Er würde seinen politischen Ziehsohn Marco Rubio, Senator aus Florida, wohl ebenso aus dem Feld drängen wie den angeschlagenen Brückensperrer Chris Christie. Blieben derzeit Senator Rand Paul aus Kentucky, der der konservativen Basis suspekt ist, und der Tea-Party-Hardliner Ted Cruz aus Texas, der mit seiner Hasspolitik das Establishment vergrätzt. Jeb Bush, ein Vertreter des gemässigten Konservatismus, könnte in der Mitte punkten.

Empfohlen wird er bereits täglich. Die ehemalige Aussenministerin und heutige Stanford-Professorin Condoleezza Rice sagt, sie sei von Jeb Bush «sehr angetan». George W. Bushs einstiger Stabschef Andrew Card meint, Jeb sei «der fähigste Mann» unter den derzeitigen Anwärtern: «Wenn er einen anderen Namen trüge, wäre er längst Spitzenkandidat.» Card hat recht: Der Name ist eine Hypothek. Dies nicht so sehr, weil die Marke Bush beschädigt wäre – George W. Bushs Präsidentschaft wird von Monat zu Monat freundlicher gedeutet; man redet lieber über seine Ölgemälde als über die Foltergefängnisse der CIA. Nein, es geht um Dynastien an sich: Obwohl die USA mächtige Familien gewohnt sind, von den Tafts bis zu den Kennedys, wäre ein dritter Bush im Weissen Haus auch manchen Traditionalisten zu viel. Das röche nach Erbfolge, nach unverdientem Erfolg, und der ist in Amerika verpönt. Wenn dann auch noch zwischen einer Clinton und einem Bush gewählt werden müsste, kämen sich viele Wähler verschaukelt vor. Im Clan der Bushs hat das Matriarchin Barbara, die Gattin des 41. Präsidenten, längst erkannt. Auch wenn ihr Jeb bestens geeignet sei, sagte sie, müsse es doch «mehr als drei Familien» geben in diesem Land.

Bruder George sieht darin kein Problem. Zwar könne er nachvollziehen, wenn Jeb Mühe habe mit der Idee einer «politischen Klasse», also mit der Abfolge «Bush, Clinton, Bush, Obama, Bush». Unbehagen spreche da nur für Anständigkeit. «Aber ich habe ihn gefragt: Wie klingt denn Bush, Clinton, Bush, Obama – Clinton?»

Freunde der Familie Bush hatten immer auf Jeb gesetzt. Er ist sieben Jahre jünger als George W., galt aber früh als der intelligentere der beiden Brüder. Jeb war der strebsame Student, der erfolgreiche Unternehmer. Dass dann der wilde George fürs Weisse Haus kandidierte, der langjährige Säufer und Streichespieler, war ein Schock. Seine Präsidentschaft wurde schwierig. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 teilte er die Welt in Gut und Böse auf, zog in wenig durchdachte Kriege und liess seinen Geheimdiensten eine zu lange Leine. Die Folgen plagen die USA noch heute.

Doch George W. hat eben auch eine andere Seite. Er ist volksnah und hat ein sonniges Gemüt. Auch George senior hatte solche Qualitäten. Daneben wirkt Jeb ernster, verkniffener; Leidenschaft ist nicht sein Geschäft. Bei Auftritten ist er häufig schroff. Berühmt ist seine Antwort auf die Frage, was er für Afroamerikaner zu tun gedenke: «Wahrscheinlich nichts.»

Vernetzt mit den Geldeliten

Die Partei sieht vor allem seine Stärken. Erstens hat sich Jeb bewährt, er war bis 2007 Gouverneur von Florida, dem Staat mit den meisten Wechselwählern, und er hatte Erfolge. Zweitens ist er vernetzt mit den Geldeliten des Landes. Und drittens hätte er einen Draht zu neuen Wählern: den Latinos. Jebs Frau Columba stammt aus Mexiko, die Kinder sind zweisprachig. Bei der Einwanderungsreform, dem Kampfthema der kommenden Monate, vertritt Jeb eine weiche Linie. Mag der rechte Rand darüber schäumen, die Parteileitung weiss, dass sie einen wie Jeb braucht: Die USA werden bunter, die hispanische Bevölkerung muss gewonnen werden.

Der Kandidat tut gut daran, zu zögern. Der Wahlkampf würde hässlich werden. Die Demokraten werden nicht lange brauchen, ihren alten Hass auf die Bushs neu zu entfachen. Und auch von rechts tönt es bereits, mit einem so moderaten Waschlappen dürfe die Partei nicht antreten. Dann werde es ihr ergehen wie mit Bob Dole, John McCain und Mitt Romney, sagte Ted Cruz dem Sender CNBC. «Dann wird Hillary Clinton die nächste Präsidentin.»

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