Der «SCB light» vom Meister deklassiert

Der SC Bern patzt zum Abschluss der Qualifikation gegen die ZSC Lions (2:7). Im Playoff-Viertelfinal gegen Servette bedarf es einer deutlichen Leistungssteigerung.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am Samstag startet der SC Bern gegen Servette in die Playoffs, der letzte Berner Auftritt der Qualifikation stand unter dem Motto «Risikominimierung». Die Abwesenheitsliste des SCB für die gestrige Partie gegen die ZSC Lions umfasste nicht weniger als acht Namen: Zu den bereits bekannten Ausfällen gesellten sich die Verteidiger David Jobin und Beat Gerber. Und so kam es, dass in der Berner Abwehr ein Junior und ein Routinier ihr Debüt gaben: Tim Grossniklaus spielte neben Geoff Kinrade, der von Visp ausgeliehene Beat Heldstab an der Seite des wieder genesenen Franco Collenberg. Dieser «SCB light» verlor gegen den Meister 2:7. Weil der EV Zug in Biel unterlag, beendet das Team Antti Törmänens die Regular Season auf Platz 2.

Bednars Serie

Für das 50. Qualifikationsspiel wählten die letztjährigen Playoff-Finalisten eine unterschiedliche Strategie: Die Zürcher wollten die Generalprobe für die entscheidende Meisterschaftsphase mit der bestmöglichen Formation bestreiten, setzten auch auf die zuletzt verletzt gewesenen Ryan Shannon und Roman Wick. Das Duo kombinierte sich auch zum ersten ZSC-Tor. Es handelte sich um das 1:1, nachdem Martin Plüss das Heimteam bereits nach 104 Sekunden in Führung gebracht hatte. Grossniklaus kam zu seinem ersten NLA-Skorerpunkt – und zum verspäteten Geburtstagsgeschenk, tags zuvor hatte er seinen 18. Geburtstag gefeiert. Eine Premiere in Form des ersten Zählers gab es auch für Michaël Loichat, der anstelle des Temporärverteidigers Ivo Rüthemann in die zweite Sturmlinie rückte und beim 2:2 Jaroslav Bednar assistierte. Bednar zählt zurzeit zu den wenigen Lichtblicken beim SCB: Der Tscheche hat nunmehr in sämtlichen zwölf Einsätzen für die Berner mindestens einen Punkt gesammelt.

Auffällig, aber ohne Erfolgserlebnis agierte derweil Beat Heldstab. Der 34-Jährige machte dort weiter, wo er am Sonntagabend mit Visp in den NLB-Playoffs in Lausanne aufgehört hatte: Er erhielt viel Eiszeit, spielte Powerplay, Boxplay und versuchte, offensive Akzente zu setzen. Heldstab gilt als einer der besten Offensivverteidiger der NLB und hat für Visp über 700 Partien bestritten. Einst debütierte der Bündner mit 16 Jahren in der NLA bei Davos, notabene an der Seite Petteri Nummelins; der Durchbruch in der höchsten Liga ist ihm jedoch nie geglückt. «Ich will mit Bern Meister werden», sagte Heldstab, der zugab, vor dem Einlaufen in die Postfinance-Arena nervös gewesen zu sein – «es war sehr speziell, aber ich hätte ich bei meinem Einstand lieber gewonnen».

Keine Ausreden mehr

Natürlich war die Aussagekraft der gestrigen Partie gering. Doch selbst die eingangs erwähnten Umstände dürfen für den im Schlussdrittel desolaten Auftritt keine Entschuldigung sein. Als Sinnbild diente das Eigentor von Travis Roche zum 2:4 mit Slapstick-Potenzial. Dass es nach drei Niederlagen in Folge im Viertelfinal-Vergleich mit Servettte einer markanten Steigerung bedarf, steht ausser Frage. Die individuelle Fehlerquote war zuletzt erschreckend hoch, die defensive Nonchalance (beispielsweise jene der ersten Sturmlinie) ebenfalls – die Disziplin, normalerweise die Primärtugend, hat zuletzt gefehlt. Gewiss: Dass der SCB rechtzeitig zum Playoff-Start bereit sein kann, hat er in der Vergangenheit oft bewiesen. Klar ist aber auch, dass die Perspektiven für eine erfolgreiche Playoff-Kampagne in Anbetracht des personellen Engpasses in der Abwehr schon besser waren. Immerhin, das gestrige Hauptziel wurde erreicht: Es gab keine weiteren Verletzten.

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