Reggae hält jung

Soundcheck

Fusion Square Garden haben ein neues Album. In der Mühle Hunziken zeigten sie, weshalb sie zum Berner Kulturgut gehören.

Zeitweilig standen 15 Musiker auf der Bühne. Je später der Abend wurde, desto geschmeidiger ging das alles ineinander über. Foto: Martin Burkhalter

Zeitweilig standen 15 Musiker auf der Bühne. Je später der Abend wurde, desto geschmeidiger ging das alles ineinander über. Foto: Martin Burkhalter

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Natürlich stampfen jetzt am Schluss alle, dass die ganze Mühle Hunziken bebt. So, wie sich das hier in Rubigen auch gehört, wenn das Publikum noch nicht genug hat und Zugaben will. Nur stampfen die Leute heute etwas mehr als sonst – vor Begeisterung, als freundschaftliche Geste auch und aus lokalpatriotischer Liebe: schliesslich sind Fusion Square Garden auch schon zum Berner Kulturgut geworden – nicht ganz Patent Ochsner, aber fast.

FSG waren und sind es geblieben: die beste Mundart-Reggae-Band des Landes. Und ihr Konzert war ja auch ganz grosses Kino. Es hat den Sommer nochmals zurück in die abgekühlte Schweiz geholt. Zeitweilig standen 15 Leute auf der Bühne. Rapper, Bläser, Gitarristen, Keyboarder, Schlagzeuger und Perkussionisten. Die gut gefüllte Mühle schaukelte nur so zu den herrlichen Reggae-Rhythmen, dass es knarrte im Gebälk: Fusion Square Garden tauften ihr siebtes Album.


Quelle: Youtube/Fusion Square Garden

«Taktus» heisst es und liefert, was das Fanherz begehrt. Reggae, das ist jamaikanischer Blues, das ist Rebel Music, das sind Protestlieder. Und auch auf dem neusten Werk singt Frontsänger Mauro «Morò» Corchia (44) wieder gegen das Gehetze in unserer Gesellschaft und gegen Misstände an, er singt und rappt von Aufbruch und Ausstieg, aber auch gegen die Heuchelei und die Ignoranz. «Ume n Egge» ist dabei eine Perle, in der es um ein Ferienparadies geht, wo «um die Ecke» eben etwa das Militär in den Strassen steht oder es käuflichen Sex gibt.

Morò Corchias Texte und seine ungemein sympathische Art, sie vorzutragen, bilden den Stoff, aus dem Berner Musikträume sind.

Der Ochsner-Vergleich ist gar nicht weit hergeholt. Morò Corchias Texte und seine ungemein sympathische Art, sie vorzutragen, bilden den Stoff, aus dem Berner Musikträume sind – auch nach zwanzig Jahren noch. 1999 war es, als Corchia die Band mit zwei Freunden in Bümpliz ins Leben rief und dem Berner Reggae wieder zu neuen Ehren verhalf. Der gemütliche Berner Dialekt, so scheint es, passt zu dieser gemächlichen karibischen Musik.

Schliesslich war die erste Berner Mundartrockband Rumpelstilz gleichzeitig auch eine der ersten europäischen Bands, die Reggae spielte und 1976 mit «Teddybär» auch in die Hitparaden brachte. So ist es auch keine Überraschung, hatte Polo Hofer auf dem zweiten Fusion-Square-Album «Cosa Nostra» einen Gastauftritt. Seither spielt die Truppe aus Bümpliz schweizweit in Clubs und an Festivals und ist immer wieder im Radio zu hören.

FSG haben nichts an Frische eingebüsst. Bild: Martin Burkhalter

Die letzten vier Jahre war es still gewesen um die Band. Und Morò Corchia sagt auch gleich zu Beginn der Plattentaufe, weshalb: Eine Zangengeburt sei es gewesen. Man sei halt nicht mehr jung. Mit all den Verpflichtungen, «Kindern und so», dauere es halt länger.

Nichts da mit alt. Reggae hält jung, und Fusion Square Garden haben nichts an Frische eingebüsst. Zwar braucht es ein bisschen Zeit, bis der Funke in der Mühle wirklich überspringen will, aber danach, vor allem im zweiten Set, lassen FSG nichts zu wünschen übrig. Treibender Roots-Reggae, zackige Raga-Elemente, einmal ist eine Surfgitarre zu hören, dann wieder leichtfüssiger, unbeschwerter Hip-Hop. Die ganze Palette. Die Band mit den Bläsern des Trios Sugar Hornz ist erstklassig.

Auch die Gäste des Abends, etwa der Reggae-Sänger Junior Tshaka aus Neuenburg oder Iengualerta, aus Mexiko eingeflogen, verleihen mit ihren Eigentümlichkeiten dem Konzert noch einen zusätzlichen Drive. Je später der Abend wird, desto geschmeidiger geht das alles ineinander über. Die Rapper geben sich die Mikrofone in die Hand.

Saxofon und Gitarre duellieren sich. Da gibt es kaum mehr Zeit zum Durchatmen, und doch ist dabei nichts hastig. Und mitten drin dieser quirlige, aufmüpfige, strahlende Morò Corchia, der nichts zu spielen braucht, der mit seiner angeborenen Reggae-Stimme diese so wunderbaren Geschichten erzählen kann. Fusion Square Garden sind wieder da – ohne Altersflecken.

Nächste Konzerte von Fusion Square Garden im Kanton Bern: 13.12., Kufa, Lyss, und 14.12., Maison Pierre, Burgdorf.

Fusion Square Garden: «Taktus» (Groovefactory Productions)

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