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Broccoli ist die Chefin der Kaserne

Eine Dame auf vier Pfoten gibt auf dem Waffenplatz Lyss den Ton an: Die zugelaufene Katze Broccoli ist heimliche Chefin der

Sie ist eine Dame. Sie trägt weder Tarnanzug noch Kampfstiefel. Sie hat keinen offiziellen Dienstgrad. Sie hat vier Beine, ein braun-grau getigertes Fell und eine ziemlich krächzende Stimme. Am liebsten liegt sie herum und döst vor sich hin. Broccoli ist eine Katze – und die heimliche Chefin des Lysser Waffenplatzes, wo die Kompanie3 der Instandhaltungsschulen 50 der Armee beheimatet ist. «Broccoli steht unter meinem persönlichen Schutz», sagt Ausbildungsanlagechef Adrian Kocher und lächelt. Dann nimmt er das Tier auf den Arm und krault ihm den Rücken. Im Chefbüro hängt ein grosses Schild (siehe Bild rechts): «Der Letzte, der das Büro verlässt, schaut, dass Broccoli nicht mehr auf dem Stuhl liegt und eingeschlossen wird!» Das Schleckmaul Die Geschichte der Katze in der Kaserne beginnt im Jahr 2005. Plötzlich steht das Tier auf dem Waffenplatz am nördlichen Lysser Ortseingang und lässt sich von den Soldaten verhätscheln. Die Katze fühlt sich sofort zu Hause, inmitten von Tarnanzügen, Kampfstiefeln und Militärfahrzeugen. In der Küche fällt einem Soldaten ein Stück Broccoli runter. Die Vierbeinerin frisst es sofort auf. «So entstand der Name», erzählt Kocher. Seither gehört Broccoli zum Waffenplatz Lyss wie der Wache schiebende Soldat im kleinen Häuschen am Eingang. Soldaten aus allen Teilen der Schweiz kennen den Kasernentiger mittlerweile. Auf Facebook gibt es gar eine Gruppe zu Ehren der Vierbeinerin: «Brigadier Broccoli» hat 280 Mitglieder. Die Psychologin Für die durchschnittlich 140 Rekruten und Soldaten, die in Lyss Dienst leisten, sei Broccoli im Laufe der Jahre eine Art Sorgentante geworden, erzählt Kocher. «Die Katze könnte wohl 1000 Geschichten erzählen, wenn sie denn sprechen könnte», sagt er. «Broccoli erfüllt hier auch ein wenig die Funktion der Psychologin.» Die wichtigsten Bezugspersonen für Broccoli sind zwei Frauen vom Reinigungsdienst. Die Katze weiss, dass sie jeden Morgen um Punkt 6.30 Uhr ihren Dienst antreten. Um Punkt 6.30 Uhr erwartet Broccoli die beiden. Dann wird sie gefüttert. Und holt sich die ersten Streicheleinheiten des Tages ab. Der Hundeschreck Broccoli kann aber auch anders. Als die Militärpolizei kürzlich mit einem Spürhund vorbeikam, jagte die Katze dem Hund einen schönen Schrecken ein. «Der Hund suchte sofort Schutz bei seinem Herrchen, als er unseren Tiger sah», erzählt Anlagechef Kocher. «Bröccu verteidigt eben ihr Revier.» Broccoli hat ihren Lieblingsstuhl in Kochers Büro mittlerweile verlassen. Sie hat sich auf den langen Radiator im Hauptgebäude verzogen und wärmt sich auf. Bald ist Zeit für ihren täglichen Rundgang auf dem 62000 Quadratmeter grossen Gelände. «Sie ist jeweils genau eine Stunde unterwegs und schaut überall auf dem Areal vorbei», sagt Kocher. Selbst die Wochenendwache hat Broccoli in der Kaserne Lyss fest im Griff. Im Wachtlokal hängt ein Schild an der Wand: «Broccoli muss Samstag- und Sonntagmorgen vom Wachtdet gefüttert werden, Raum D-454. Menü: 1 Büchse mit frischem Wasser, 1 Fleischbüchse.» Fabian Sommer>

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