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« sonst wird man zu schnell alt»

Er ist im Himalaja-Gebirge unterwegs, spricht sieben Sprachen und hat sein

Fred Röthenmund arbeitete in einer Grosssägerei in Norwegen, als eines Tages sein Chef kam und fragte: «Gefällt es dir hier?» – «Ja, wie verrückt», antwortete der junge Säger aus dem Emmental. «In dem Fall», entgegnete der Chef, «wird es Zeit für einen Wechsel.» Nicht weil man mit ihm unzufrieden sei. Im Gegenteil. Aber wer eine Arbeit mit Routine verrichte, müsse etwas Neues beginnen. Wer dies nicht tue, werde schnell alt. Röthenmund nahm sich den Ratschlag zu Herzen, arbeitete schliesslich in sechs verschiedenen norwegischen Hobel- und Sägewerken. Und noch heute, in seinem 80.Lebensjahr, sagt er: «Von Zeit zu Zeit muss ich einfach etwas Neues beginnen.» Zum Beispiel das Malen. Lange Flüge «Kommen Sie, ich zeige Ihnen mein Atelier.» Der Duft von Ölfarbe steigt in die Nase, an der Staffelei angeheftet ist ein Foto mit der Aussicht vom Brienzer Rothorn auf die Berner Alpen. «Dieses Sujet male ich als nächstes», erklärt Fred Röthenmund. Überhaupt zeigen fast all seine Bilder Berge. Denn dort fühlen sich er und seine Lebenspartnerin Marlen Brand wohl. Sie klettern, machen Hoch- und Skitouren, und schon sechs Mal waren sie im Himalaja-Gebirge, letztes Mal im Frühjahr 2008. Ob sie nochmals hingehen, ist fraglich. Denn der Flug nach Nepal fühlt sich jedes Mal ein bisschen weiter an. «Und schliesslich gibt es auch hier schöne Berge», sagt Marlen Brand. Der Liebling ist der Niesen, den die beiden jedes Jahr erwandern und den Fred Röthenmund schon zehn Mal gemalt hat. Grossvaters Erbe Die Leidenschaft für die Berge hat er vom Vater geerbt, «mit ihm waren wir oft auf dem Hohgant und der Schrattenfluh». Die Leidenschaft für die Kunst dagegen kommt vom Grossvater, einem Bernburger, der viele Künstler kannte und ihnen Werke abkaufte. Einen Teil der über fünfhundert Bilder, die sich so angesammelt hatten, erbte Fred Röthenmund. Und war darob so fasziniert, dass er als Jugendlicher selber zu malen begann. «Während der Ausbildung» – Handelsschule, Sägerlehre, später Holztechniker – «fehlte mir aber die Zeit zum Malen.» Also legte er den Pinsel weg. 2000, fast fünfzig Jahre später, gab er ein Comeback, meldete sich zu Malkursen an und besuchte seinen Mallehrer auch immer wieder privat, um seine Werke kritisch begutachten zu lassen. Die Kriegsgeneration Mittlerweile hängt an jeder Wand in seiner Langnauer Wohnung ein selbst gemaltes Bild. So wird ein Wohnungsrundgang auch zu einem Rundgang durch Fred Röthenmunds bisheriges Leben. Ein dunkleres Gemälde im Atelier zeigt die Île de Ré, die 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde. Die Kriegsjahre hätten seine Generation sehr geprägt, erzählt er. «Viele Eltern verhielten sich auf Sicherheit», und so konnte auch er nicht den gewünschten Bildungsweg, ein Philosophiestudium, einschlagen. All die Bilder von Bergen und Dörfern in Nepal, in Norwegen, in Ecuador – zu jedem weiss Fred Röthenmund eine Geschichte zu erzählen. Zum Beispiel zum Cotopaxi. Dieser sei mit seinen 5897 Metern der höchste aktive Vulkan der Welt. «Wir brachen damals um Mitternacht in der Hütte auf, stiegen bei Vollmond über Schnee und Eis und erreichten den Gipfel um zehn vor sieben», berichtet er. Marlen Brand strahlt. «Der Moment, als wir auf dem Gipfel standen und auf Quito» – die Hauptstadt Ecuadors – «blickten, war einfach grossartig», sagt sie. «Ein Bergvagabund» Fred Röthenmund will sich mit den Menschen unterhalten können, von ihnen lernen. Deshalb nahm er vor der Reise nach Ecuador Spanischunterricht. «Aber nicht nur ein paar Abende, wie das leider viele tun, sondern bis zum Schluss des Kurses.» Daneben spricht er sechs weitere Sprachen, interessiert sich für Literatur und klassische Musik, besucht Theater und Kunsthäuser. Vor allem aber, schreibt er in seiner Biografie, sei und bleibe er «ein Bergvagabund mit unstillbarem Hunger nach neuen Gebieten». Markus ZahnoEine Ausstellung von Fred Röthenmunds Bildern ist bis am 31.März im Pflegezentrum Tilia in Wittigkofen bei Bern zu sehen. Öffnungszeiten: werktags 9 bis 17 Uhr, Wochenende 11 bis 17 Uhr. >

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