Zum Hauptinhalt springen

Hildebrand verteidigt seine Geldpolitik

NationalbankPhilipp Hildebrand, oberster Notenbanker der Schweiz, verteidigte an der Generalversammlung der Nationalbank die umstrittenen Devisenkäufe in Milliardenhöhe. Das Ziel der Preisstabilität habe die Nationalbank dank den Käufen erreicht.

Trotz des Verlusts von 21 Milliarden Franken der Nationalbank aus dem Jahr 2010 wirkte Philipp Hildebrand, Präsident des Direktoriums, gelassen. An der gestrigen Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Berner Casino verteidigte er die massiven Eurokäufe im Verlauf des vergangenen Jahres. Zu Spitzenzeiten hielt die SNB bis zu 160 Milliarden Euro in ihren Büchern. Die Käufe hätten verhindern sollen, dass der Euro gegenüber dem Franken noch mehr an Wert verliere. Denn die Nationalbank befürchtete eine Deflation. Eine solche bedeutet sinkende Preise und gleichzeitig eine schrumpfende Wirtschaftsleistung. Zu einer Deflation ist es in der Folge tatsächlich nicht gekommen. Viele Ökonomen haben aber gar nie Anzeichen einer Deflation gesehen. Nicht verhindern konnte die SNB aber eine weitere Aufwertung des Schweizer Frankens, was bei der SNB bis Ende Jahr zu einem Verlust von 21 Milliarden Franken sorgte. Die Wirkung der Eurokäufe In seiner Rede an die SNB-Aktionäre – zu 60 Prozent gehört die SNB den Kantonen und den Kantonalbanken – rechnete Hildebrand vor, dass die Eurokäufe sehr wohl Wirkung gezeigt hätten. Von Anfang Jahr bis in den Juni kaufte die SNB in grossem Umfang Euros. Der Franken habe sich über diesen Zeitraum nur um rund 2,5 Prozent aufgewertet. Im Juni stellte die Nationalbank die Devisenmarktinterventionen ein. Seither habe sich der Franken exportgewichtet um knapp 13 Prozent aufgewertet. Hildebrand konnte der Kritik, mit der die SNB nach den Rekordverlusten konfrontiert war, auch Positives abgewinnen. «Dadurch wurden durchaus auch legitime und wichtige Fragen aufgeworfen», gestand Hildebrand ein. Dass Preisstabilität erreicht worden sei und die Schweizer Wirtschaft 2010 habe wachsen können, sei zweifelsohne auch der Politik der Nationalbank zu verdanken, sagte Hildebrand. «Bedeutet dies nun, dass es nie ein Deflationsrisiko gab?», fragte Hildebrand. Nein, dies bedeute bloss, dass dieses Ereignis nicht eingetreten sei. Die 21 Milliarden Franken Verlust und die erhöhten Bilanzrisiken seien so gesehen der Preis für die heutige gute Wirtschaftslage. Bankratspräsident Hansueli Raggenbass betonte in seiner Rede, dass die Kernaufgabe der SNB sowieso nicht die Gewinnerzielung sei. Ein solches Ziel widerspräche dem Interesse des Landes. Kein Widerstand Die Generalversammlung hat gestern allen Anträgen des Bankrates deutlich zugestimmt. Der Antrag von Kleinaktionären zur Streichung der Gewinnausschüttung an Bund und Kantone wurde nicht zugelassen. Der Entscheid über die Gewinnausschüttung liege nicht in der Kompetenz der Generalversammlung, lautete die Begründung. Obschon ein Aktionär verlangte, dem Bankrat keine Decharge zu erteilen, wurde dieser mit deutlichem Mehr entlastet. Zudem wurde Cédric Tille, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Genf, neu in den Bankrat gewählt. Niklaus Bernhard>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch