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Hin und her gerissen zwischen Bär und Tiger

Ihr Sohn steht beim SC Bern unter Vertrag, sie selber sind seit Jahrzehnten Anhänger

Eigentlich wollten auch Stettlers ihr Haus für die Playoffs schmücken. Tigers-Fanartikel hätten sie genug – zum Beispiel die Matchleibchen, die ihr Sohn in Langnau trug. Weil es ihnen aber an Fanartikeln des SC Bern mangelt, liessen sie das Schmücken dann doch sein. Denn nur den Dress eines der beiden Klubs raushängen, nein, das brachten sie nicht über das Herz. Schon während der Schulzeit war Walter Stettler Langnau-Fan, später steckte seine Begeisterung Ehefrau Ruth Stettler, eine gebürtige Zürcherin, an. Und die beiden Söhne spielten bald selber Hockey: Adrian im Schülerteam des EHC Koppigen, Martin beim EHC Burgdorf. Von dort wechselte er zu den SCL Tigers, gab 2001/2002 sein Debüt in der NLA und wurde rasch zur Teamstütze. Seine Eltern fieberten stets im Stadion mit ihrem Sohn und den Langnauern mit. Seit 2009 spielt Martin Stettler nun aber beim Kantonsrivalen SC Bern – und auf die kommende Saison kehrt er wieder ins Emmental zurück. Entsprechend spannend ist es, seine Eltern zu fragen, wem sie während der Playoffs die Daumen drücken: dem SCL oder dem SCB? Mit dem Vater nach Langnau «Wie alle anderen Eltern wünschen auch wir unseren Kinder das Beste», sagt Ruth Stettler. Deshalb fiebere man natürlich mit Martins derzeitigem Arbeitgeber, dem SC Bern, mit. «Andererseits», fügt Walter Stettler an, «kann man die Vergangenheit nicht einfach streichen.» Er erzählt, wie er mit seinem Ätti jeweils von Koppigen an den Hockeymatch nach Langnau fuhr, wie er 1976 beim Meistertitel dabei war und Jahr für Jahr ein Saisonabo kaufte. Deshalb, sagt der heute 61-Jährige, bleibe er in seinem Herzen immer irgendwie mit dem SCL verbunden. «Auch wenn wir seit Martins Wechsel kein Abo mehr in der Ilfishalle gehabt haben.» Ruth und Walter Stettler leben auch heute noch in Koppigen. Sie arbeitet als Verkäuferin im Volg-Laden um die Ecke, er als Mechaniker in Aefligen. In der vergangenen Saison, Martins erster beim SCB, hatten die beiden erstmals ein Abo in der Postfinance-Arena. Dorthin kommen zwar regelmässig mehr als 17000 Zuschauer, trotzdem sei die Atmosphäre in Langnau nicht schlechter. «In der Ilfishalle ist es familiär, man kennt einander», sagt Walter Stettler. In Bern wisse derweil kaum jemand, «dass wir Spielereltern sind». Was manchmal zugegebenermassen auch ein Vorteil sei. Ab und zu ein SMS Diese Saison verfolgt das Ehepaar Stettler die Spiele nicht mehr im Berner Hockeystadion, sondern im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Das sei zuweilen aber fast nervenaufreibender, als vor Ort zu sein, wo man den Sohn stets im Auge habe, findet Ruth Stettler. Wobei Martin Stettler in den bisherigen Playoff-Spielen gegen Langnau noch nicht zum Einsatz kam. Vor dem ersten Spiel liess der SCB verlauten, der Verteidiger mit der Rückennummer 3 sei verletzt. «Zumindest wir wissen nichts von einer Verletzung», sagt Walter Stettler. «Aber lassen wir das Thema. Wir wollen nicht grübeln.» Normalerweise ist Martin Stettler, der mit seiner Freundin in Meikirch wohnt, einmal pro Woche bei seinen Eltern in Koppigen zu Besuch. Während der Playoffs beschränke sich der Kontakt dagegen auf «ab und zu ein SMS», sagt Ruth Stettler. Mehr liege in dieser intensiven Phase fast nicht drin. Der nächste Ordner Egal, ob ihr Sohn bei Burgdorf, den Tigers oder dem SCB spielte: Jedes Jahr hat Ruth Stettler einen Erinnerungsordner zusammengestellt. Sie holt jenen für die laufende Saison. «Blättern Sie ihn ruhig durch.» Matchprogramme und eine unterschriebene Autogrammkarte sind darin ebenso zu finden wie Zeitungsausschnitte aller SCB-Spiele. Der Name «Stettler» ist jeweils mit Leuchtstift markiert. Nächste Saison wird sie den Ordner wieder in den Tigers-Farben gestalten. Ziemlich sicher werden Ruth und Walter Stettler dann auch wieder ein Saisonabo für die Ilfishalle kaufen – und nicht mehr mit zwei Teams mitfiebern, sondern nur noch mit einem. Markus Zahno>

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