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Zankende und friedliche Enge l

Die Ausstellung «Engel

«Was haben Engel, diese metaphysischen Fledermäuse aus der Vergangenheit, in einer Ausstellung zeitgenössischer Holzbildhauer zu suchen?», fragte Martin Stähli zu Beginn der Vernissage am vergangenem Samstagnachmittag. Der Stiftungsratspräsident des Schweizer Holzbildhauerei-Museums leitete seine rhetorische Frage an die ausstellenden Künstler weiter: «Fragen Sie die Bildhauerinnen und Bildhauer selbst, weshalb sie sich zu einer Teilnahme entschlossen haben.» Das grosse Interesse der Künstler an der Ausstellung habe das Museum überrascht. Auf ein kleines Inserat für die Ausstellung «Engel im Wandel der Zeit» hin haben 19 Holzbildhauende ganze 25 Exponate eingereicht. Die Besucher der Vernissage im Museum, das gleich neben der Jobin AG liegt, konnten im Ausstellungsraum sowohl den Bildhauern wie ihren vielseitigen Exponaten begegnen. Grosse Stilvielfalt So unterschiedlich der Bezug der Menschen zu einer subjektiven Einbildung wie Engeln ist, so unterschiedlich fallen auch Werke aus. In der grossen Stilvielfalt der Ausstellung finden sich schemenhafte Engel mit schwarzen Flügeln ebenso wie Engel mit detailliert geschnitzten lachenden Gesichtern. Mehrere Künstler fanden auch einen etwas ironischen Zugang zum Thema der Ausstellung, so auch Theresia Utz. Die Bildhauerin aus Schwanden schuf mit ihren «zankenden Engeln» eine kleine Skulptur zweier Himmelsbewohnerinnen, deren Schönheit längst verblasst ist und die sich einen herzhaften Streit liefern. Sie sei keine Esoterikerin und habe sich mit einer spielerischen Einstellung an das Thema gemacht, sagt Utz. «Wenn Engel so menschlich sein sollen, wie sie dargestellt werden, ist doch klar, dass sie sich auch mal zanken.» Erfolgreicher Start Einen augenzwinkernden Ansatz fand auch Bernhard Annen, Präsident des Verbandes Schweizer Holzbildhauer, der sich an der Ausstellung in Brienz mit seinen «Hampelengeln» beteiligt. Zieht der Betrachter bei diesen Engeln am Faden, so bewegen sie einem Hampelmann gleich ihre Flügel – und sorgen für Erheiterung beim Ausstellungspublikum. «Heute wenden sich viele Menschen ihrer Selfmade-Religion zu, die dann bei ihnen Glückseligkeit hervorruft. Dabei bedienen sie sich aber vielfach trotzdem traditioneller religiöser Symbole wie Engel.» Dem Stiftungsratspräsidenten Stähli gefällt diese Vielfalt an Engeln: «Es ist interessant, zu sehen, wie zeitgenössische Bildhauende mit dem alten Bild des Engels umgehen.» Die Sonderausstellung sei eine ideale Gelegenheit, Holzbildhauerei aus Vergangenheit und Gegenwart unter einem Dach zu zeigen. Das Holzbildhauerei-Museum wurde vor rund einem Jahr eröffnet und seither rege besucht: «Im ersten Halbjahr hatten wir bereits 6000 Besucher, vor allem Touristen aus dem Ausland und der Schweiz, weniger jedoch Einheimische.» Gerade für Letztere kann die Ausstellung «Engel im Wandel der Zeit», die auch während der Adventszeit geöffnet ist, dem geneigten Besucher eine erfrischende Abwechslung bieten zum Mainstream der kitschigen Schaufensterengel. Konrad Staeger Geöffnet im Oktober von Dienstag bis Samstag, jeweils von 9 bis 12 und 13.30 bis 17.30 Uhr, im Dezember von Dienstag bis Samstag, von 13.30 bis 17.30, im November geschlossen. >

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