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Anklage fordert 15 Jahre für Komplizen

Lüdi-ProzessIm Raubmord am Roggwiler Alt-Metzgermeister Willi Lüdi von 2003 fordert der Staatsanwalt für den mutmasslichen Mittäter 15 Jahre Gefängnis. Der Verteidiger dagegen plädiert auf Freispruch mangels Beweisen.

In einem sind sich Staatsanwalt und Verteidiger einig: Beim Roggwiler Raubmord handelt es sich um eine «schwerwiegende, verabscheuungswürdige Tat». Doch daneben sehen die beiden das Gewaltverbrechen aufgrund ihrer Funktion in ganz unterschiedlicher Optik. Staatsanwalt Hansjürg Brodbeck gebrauchte gestern in seinem Plädoyer vor dem Regionalgericht Aarwangen wenig schmeichelhafte Worte für den Beschuldigten. Er sei unglaubwürdig, seine Aussagen ein einziger «Slalom»; er gebe immer nur zu, was ihm gerade nütze. Tatsächlich hatte der 30-jährige Serbe das Gericht am ersten Prozesstag damit überrascht, dass er sein während der Voruntersuchung abgelegtes Teilgeständnis weitgehend zurückzog. Nun will er nur noch den Chauffeur zum Tatort gespielt haben und nicht mehr in der Wohnung des Opfers gewesen sein. Der Beschuldigte sei unglaubwürdig wie der bereits verurteilte Haupttäter und all die anderen Zeugen aus dem Umfeld der beiden Verbrecher, sagte Staatsanwalt Brodbeck. Um dann süffisant nachzuschieben: «Wenn die Redensart ‹Lügen, dass sich die Balken biegen› stimmen würde, dann hätte der Gerichtssaal wegen Einsturzgefahr geschlossen werden müssen.» Tatort als «Kronzeuge» Für die Anklage ist deshalb der Tatort der eigentliche «Kronzeuge». Und da setzt der Staatsanwalt auf die sichergestellten Schuhabdrücke. In der Wohnung von Willi Lüdi wurden Sohlenspuren von mindestens zwei Personen gefunden: Eine hinterliess auf einem Dokument beim Tresor mit einem Puma-Schuh einen Fussabdruck, die andere mit einem Billigschuh auf dem Rücken des Opfers. Diese Spurenauswertung hatte am Donnerstag eine Ingenieurin des Berner Instituts für Rechtsmedizin dem Gericht präsentiert. Da der Puma-Markenschuh dem bereits verurteilten Haupttäter zugeordnet wird, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Spur auf dem Rücken vom Komplizen stammt. Für den Staatsanwalt ist aber auch aus einem anderen Grund klar, dass zwei Täter am Roggwiler Verbrechen beteiligt gewesen sein müssen: Die straffe Fesselung des Opfers wäre laut Brodbeck allein nicht machbar gewesen. Er sieht die Täter als gleichberechtigtes Team mit einer «sehr hohen kriminellen Energie». Beide hätten den alten Metzgermeister zwar nicht gezielt umbringen wollen, seinen Tod aber in Kauf genommen. Dabei seien sie äusserst brutal und verwerflich vorgegangen. Damit ist für den Staatsanwalt der Straftatbestand des Mordes erfüllt. Er fordert für den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Für Verteidiger Krishna Müller (Bern) ist der Schuhabdruck auf dem Rücken des Opfers hingegen kein objektiver Beweis. Und es gebe bloss Anhaltspunkte, dass zwei Täter beteiligt gewesen seien. Der schon verurteilte Täter, ebenfalls ein Serbe, habe sich mit Landsleuten gegen seinen Mandanten verschworen und ihn unter Druck gesetzt. Es handle sich um einen «Racheakt». Müllers Fazit: «Ein paar Indizien genügen nicht für eine Verurteilung, es braucht eine Beweiskette.» Urteil am Dienstag Der frühere Roggwiler Metzger Willi Lüdi (79) war im August 2003 im Schlaf überfallen und getötet worden. Ein erster Täter wurde 2004 gefasst und 2006 aufgrund eines genetischen Fingerabdrucks (DNA) am Tatort zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Erst sechs Jahre nach dem Kapitalverbrechen rückte er den Namen seines Mittäters heraus. Dies offenbar, um für sich einen neuen Prozess zu erwirken, nachdem er erfolglos bis vor Bundesgericht gegangen war. Inzwischen hat er jedenfalls ein Revisionsgesuch eingereicht. Das Urteil gegen den jetzt in Aarwangen vor den Schranken stehenden Beschuldigten wird das Regionalgericht am Dienstag fällen. Stefan Aerni>

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