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Aus der Steppe in die Schweiz

Steffisburg/MuriAls erste Mongolinnen studieren Syerjaan Tulbas und Shilegbat Munkhtuya an der Pädagogischen Hochschule Bern. Auch nach knapp zwei Monaten ist für sie vieles noch neu und schwierig. Doch die beiden jungen Frauen sind voller Tatendrang.

«Die Schweiz ist ein wunderbarer Staat, die Bernbären sind schön, das Essen gefällt mir sehr gut.» Die beiden Mongolinnen Syerjaan Tulbas und Shilegbat Munkhtuya äussern sich stets positiv und beklagen sich nie. Dabei sind sie zum ersten Mal in ihrem Leben im Ausland und Pionierinnen: Als erste mongolische Studentinnen absolvieren sie ein Jahr an der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern. Vegetarisch angepasst Nach ihren ersten zwei Monaten an der Hochschule haben sie schon ein wenig Tritt gefasst. In der ersten Woche hätten sie fast nichts verstanden, sagen die beiden, die in ihrer Heimat Deutsch studieren und deshalb auch schon ganz kundig erklären können, was ihnen schwerfällt: Die Dozenten brauchen viele Fachwörter und Nebensätze. Ausserdem ist Schweizerdeutsch noch fremder, als das Hochdeutsche gegenüber der mongolischen Sprache und Schrift ohnehin schon ist. Hingegen gefällt den Studentinnen, dass es im Unterricht «viel moderne Technik» gibt und «dass die Leute pünktlich sind», sagt die 21-jährige Tulbas. Sie vermisst ihre Heimat, konnte aber in Steffisburg eine gute Gastfamilie finden. Diese lebt vegetarisch – für Mongolen, die sich vorwiegend von Fleisch und Milchprodukten ernähren, schwer verständlich. Tulbas zeigt sich anpassungsfähig: «Inzwischen mag ich die Fleischersatzprodukte.» Auch die 22-jährige Munkhtuya hat sich bei ihrer Familie in Muri schon gut eingelebt. Die beiden Studentinnen verdanken ihren einjährigen Schweizer Aufenthalt dem «Swiss Program for Language Instruction and Teacher Training» von Anita Fahrni. Erstmals im Kanton Bern Seit knapp zehn Jahren organisiert die Thurgauerin in Eigenregie Aufenthalte von Schweizer Lehrern in der Mongolei und mongolischen Studenten an Schweizer Schulen. Dieses Jahr hat sie neun mongolische Studentinnen in der ganzen Schweiz platziert, zum ersten Mal auch im Kanton Bern. «Ich möchte fleissigen Studentinnen ermöglichen, hier ihren Horizont zu erweitern. Ausserdem motiviert das Programm jüngere Studierende in den mongolischen Unis zu guten Leistungen», erläutert Fahrni ihren Antrieb. Die Kosten für die ausgewählten Mongolinnen übernimmt eine Zuger Stiftung. Die Studiengebühren hat die PH Bern ihren exotischen Gästen erlassen. Tulbas und Munkhtuya kannten sich vor dem Abflug in die Schweiz noch nicht. Beide stammen aus Viehzüchterfamilien, allerdings aus verschiedenen Regionen. Tulbas kommt aus dem Westen der Mongolei. Sie mag Regen, weil er in der Steppe so oft fehlt. Munkhtuya ist ab-geklärter. Seit drei Jahren lebt sie in der Millionenstadt Ulan Bator, der mongolischen Hauptstadt. Freundinnen in der Fremde Tulbas, sportlich gekleidet, will Jonglieren lernen. Munkhtuya, der elegante Typ, interessiert sich für Yoga. Durch ihr Erlebnis mit ihrem Aufenthalt in der Schweiz sind die Frauen Freundinnen geworden, die gemeinsam für ihr Ziel kämpfen: «Wir wollen sehr gut Deutsch lernen und uns entwickeln.» In ihrer Heimat möchten sie als Deutschlehrerin oder Fremdenführerin arbeiten. Deswegen wollen sie auch Englisch lernen und halten Ausschau nach einem Sprachtandempartner. Nur haben die beiden noch niemanden gefunden, der Mongolisch lernen will. Annatina Foppa>

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