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Das Schloss hat zwei kleine Schwestern

HerrensitzeBurgdorf ist zwar eine Stadt, dem Namen nach aber das Dorf der Burg. Oder doch besser die Stadt der Schlösser? Nebst dem offiziellen Schloss gibt es hier auch zwei private Schlösschen.

Wer wenig bis nichts über Burgdorf weiss, kennt doch wenigstens das Schloss, denn die grosse, erhaben auf dem markanten Felsen thronende Anlage gehört zu den bedeutendsten Burgen der Schweiz – und ist auch im Namen der Stadt enthalten. Weniger bekannt und nicht einmal allen Einheimischen bewusst ist dagegen, dass es auf Stadtgebiet zwei weitere Schlösser gibt. Eines sitzt ähnlich ortsbildprägend auf einer Anhöhe wie das grosse Schloss, das andere liegt versteckt hinter einem Wall aus Sträuchern und Bäumen in Bahnhofnähe – aber beiden gemeinsam ist, dass es sich um Fabrikantenvillen mit dem Übernamen «Schlössli» handelt. Darauf hingewiesen hat uns der BZ-Leser Hans Heiniger aus Burgdorf. Der Senior ist oft mit der Kamera unterwegs; von einem dieser Herrenhäuser ist ihm letzthin ein Bild gelungen, auf dem sich das Gebäude in der Tat fast wie das weiss überzuckerte und von einem Zauberwald umgebene Schlösschen einer Märchenfee präsentiert. Es handelt sich um das sogenannte Felsegg-Schlösschen, in der Bevölkerung auch bekannt als Villa Schoch. Erbaut wurde das Haus mit den charakteristischen zwei Türmchen nicht von einer ätherischen Waldfee, sondern von einem prosaischen Unternehmer, dem Pferdekaufmann Ferdinand Meyer jun., der das Projekt 1865 dem Architekten Robert Roller II in Auftrag gab. Zur Finanzierung musste er die von seinen Eltern ererbte Villa am Kreuzgraben – die nachmalige Villa Roth – verkaufen. Zum Bauplatz für seinen neuen Wohnsitz erkor er sich die aussichtsreiche Südlage am Eyflüeli hoch über der Emme in unmittelbarer Nähe zum Gyrisberg. Vierspännig in den Konkurs Bereits ein Jahr nach dem Bau des Felsegg-Schlösslis musste dessen Besitzer Konkurs anmelden. Laut einem Artikel im Burgdorfer Jahrbuch 2007 tat er dies überaus stilvoll, indem er vierspännig beim Gericht vorfuhr. Das Schlössli ging zuerst an einen Textilkaufmann, dann an einen Ingenieur und 1945 schliesslich an den Burgdorfer Fabrikanten Eduard Schoch. Das zweite Schlössli stammt aus demselben Jahrzehnt wie die Villa Schoch und ist nur vier Jahre jünger als diese. Erbaut wurde es vom Architekten Horace Edouard Davinet im Auftrag des Leinwandfabrikanten Rudolf Schmid zwischen dem Eisenbahngeleise und der Kirchbergstrasse. Die Villa Schmid hat ihren Übernamen «Schlössli» vom nordseitigen Treppenhausturm, der dem stattlichen Sandsteinbau durchaus das Gepräge eines Landschlösschens verleiht. Die repräsentative Südfront wurde mit Bedacht gegen das nahe Bahngeleise ausgerichtet: Damit tat der Bauherr seine Freude an der noch jungen Eisenbahn und zugleich seinen Fortschrittsglauben kund. Der letzte «Schlössli»-Besitzer aus der Tuchweberdynastie war Ernst Schmid. Heute befindet sich die Liegenschaft im Besitz einer aussenstehenden Finanzgesellschaft. Vorgesehen ist, die denkmalgeschützte Villa in eine residenzartige Überbauung einzubinden. Diese Pläne wurden bisher aber nicht realisiert, und so wartet das Schlössli Schmid noch immer auf bessere Zeiten. In Warteposition befindet sich auch das richtige Schloss auf dem Burghügel am Rand der Altstadt. Im kommenden Jahr zieht die kantonale Verwaltung definitiv aus; wie das historische Gemäuer danach genutzt werden soll, ist noch offen. Erbaut wurde es um 1200 herum vom Zähringerherzog Berchtold V., gelangte nach dessen Tod an die Kyburger und wurde schliesslich vom Staat Bern übernommen, dem es bis heute gehört. Hans Herrmann>

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