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«Ein Zwischenraum mit Identität»

Nadine MasshardtMit 20 politisierte sie schon im Langenthaler Parlament, mit 21 wurde sie in den Grossen Rat gewählt. Die Wahlbernerin über ihre Heimat und das Rüstzeug, das ihr Langenthal mitgegeben hat.

Frau Masshardt, wie lebt es sich fernab von Langenthal? Nadine Masshardt: Ich fühle mich in Bern sehr wohl. Aber ich habe Langenthal ja nicht verlassen, weil mir der Ort nicht mehr gefallen hätte. Man munkelt, so ganz losgekommen seien Sie bis heute nicht von Langenthal, schon gar nicht von der Gelateria Riva. Ja, dort treffe ich mich ab und zu mit Freunden. Aber überhaupt mag ich das kulturelle Leben in Langenthal. Das Theater, das Kunsthaus, das Chrämerhuus Langenthal weist im kulturellen Bereich eine Urbanität und Vielfalt auf, die ich sehr schätze. Langenthal ist für Sie urban? Natürlich hat das Dorfleben nach wie vor Bedeutung. Langenthal ist aber in erster Linie eine Stadt. Es sollte sich vermehrt auch als solche definieren. Wie geht das? Die Umgestaltung des Bahnhofsareals ist ein wichtiger Schritt. Langenthal darf durchaus als Zentrum einer ganzen Region in Erscheinung treten, denn gerade das unterscheidet es etwa von Burgdorf, das stark nach Bern orientiert ist. Aber auch der neue Wuhrplatz wird einen wichtigen Beitrag leisten zum urbanen Selbstverständnis der Langenthaler. Ich freue mich bereits auf die Einweihung im September. Verständlich, immerhin kam der erneute Anstoss für einen verkehrsfreien Begegnungsplatz vor ein paar Jahren von Ihnen. Nicht nur von mir. Aber ja, die ganze Entwicklung freut mich sehr. Der Wuhrplatz ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass man in Langenthal Mehrheiten finden kann für Ideen, die am Anfang querdenkerisch scheinen mögen. Hat Langenthal insofern Ihren politischen Weg beeinflusst? Sicher. Langenthal ist politisch für den Kanton repräsentativer als das rot-grüne Bern oder irgendein SVP-Dorf. Wenn man in Langenthal aufeinander zugeht, kann man über die Parteigrenzen hinweg Mehrheiten finden. Kommt hinzu, dass man zu Fuss nach 20 Minuten auf dem Land ist. Das hilft, die Probleme der Landbevölkerung zu verstehen. Sind Sie eine Bernerin aus Langenthal oder eine Langenthalerin in Bern? Ich liebe beide Städte. Mir ist es wichtig, dort, wo ich wohne, auch Wurzeln zu schlagen – ohne die alten Wurzeln zu vergessen. Nichts, das Sie in Langenthal gerne zurückgelassen haben? Die Pnos vielleicht Als Langenthalerin wird man ja überall darauf angesprochen. Ein blosses Klischee? Nein, und man darf dem auch nicht einfach ausweichen, zumal es diese Entwicklung schon in den 1980ern einmal gegeben hat. Ein erfreulicheres Markenzeichen von Langenthal? Ich finde Hans-Jürg Käsers Definition einer «Kleinstadt mit dörflichem Charme» ziemlich treffend. Oder vielleicht «Leben im Herzen der Schweiz»? Umgeben von drei Kantonen, ist Langenthal wie ein Zwischenraum mit eigener Identität. Interview: Kathrin Holzer>

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